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Stader Notrufe landen künftig in Lüneburg

Vier Monitore hat jeder Mitarbeiter der Leitstelle vor sich. Mit wenigen Mausklicks werden Informationen - etwa der Sendemast, von dem ein Handyanruf abgeht, - ermittelt und angezeigt (Foto: tk)

Moderne Technik für mehr Sicherheit / Notrufe aus Stade werden ab März in Lüneburg entgegengenommen

tk. Landkreis. Es herrscht eine konzentrierte Ruhe in dem Raum. Vor jedem der zwölf Polizeibeamten in der Kooperativen Leitstelle Lüneburg (KLL) der Polizeidirektion Lüneburg stehen vier Monitore und ein Touchpad. "Guten Tag, Sie haben den Notruf gewählt." Einer der Beamten nimmt einen Notruf entgegen. Der Anrufer steht mitten im Nirgendwo im Landkreis Lüchow-Dannenberg. Er hat einen Rucksack und ein Fahrrad im Wald gefunden. Der Mann erinnert sich an einen Straßennamen. Doch diese Straße ist in Hannover. Der Leitstellen-Mitarbeiter klickt sich durch einige Befehlsfelder. Jetzt wird auf einem der Monitore eine Karte mit den Sendemast angezeigt, von dem das Handysignal der Anrufers ausgestrahlt wird. Der Beamte fragt mit dieser Information gezielt weiter: Der Mann ist von einer breiten Straße auf einen Wirtschaftsweg abgebogen. "Da haben wir es", sagt der Polizist und markiert den Fundort auf einer Karte. "Ich kann auch auf Satellitenbilder umschalten und dabei jeden Baum erkennen", so der Leitstellen-Mitarbeiter über die Stärken der High-Tech-Leitstelle.



In dieser Leitstelle werden ab März auch alle Polizei-Notrufe aus dem Kreis Stade eingehen. "Unserer Mitarbeiter sind für diese Aufgaben extra geschult worden", sagt Lorenz Reimers, stellvertretender Chef der KLL. Das fehlende Ortskenntnis dazu führt, dass die Polizei im Kreis Stade demnächst später vor Ort sei, müsse niemand befürchten. Große Datenmengen seien in diesem System hinterlegt. Wenn ein Anrufer beispielsweise nur weiß, dass er in Buxtehude "bei Penny in Innenstadtnähe" steht, hat die Datenbank den Standort sofort lokalisiert.
Für besonders schützenswerte Gebäude, etwa Schulen oder Banken, sind Raumpläne, Telefonnummern und sogar Fotos des Gebäudes gespeichert. Wenn etwa ein Sondereinsatzkommando (SEK) anrücken müsse "können wir genau sagen, wo die Kollegen vorfahren sollen", so Reimers.

Hinter den Tischen der Mitarbeiter überwacht der Schichtführer an einem Stehpult die Arbeit. Er kann sich jeden Notruf abspielen lassen oder auch direkt in ein Gespräch gehen. "Das ist mitunter wichtig, wenn es Sprachprobleme gibt und wir jemanden zum Dolmetschen brauchen", sagt Hans-Jürgen Orth, Chef der Leitstelle.
Wenige Meter neben dieser Einsatzzentrale gibt es einen Raum, der über die selbe High-Tech-Ausrüstung verfügt. Hier finden Schulungen statt oder - wenn es wirklich bei Großeinsätzen brenzlig wird - die Koordination von Notruf und Einsatz. "Dann kann es etwas lauter werden und die Kollegen in der KLL können in Ruhe die normale Routine abarbeiten", so Orth.

Am 15. März wird Stade an die KLL angeschlossen. "Das merkt der Bürger aber überhaupt nicht", sagt Jens Eggersglüß, Dezernatsleiter Einsatz der Polizeidirektion. Er betont, wie wichtig es ist, dass im Zweifelsfall immer der Notruf gewählt wird. "Das kostet nichts und es ist besser, einmal zu viel als einmal zu wenig die 110 zu wählen."

• Die KLL in Zahlen und Fakten: Die Leitstelle ist seit August 2015 in Betrieb. Neben Stade wird jetzt der Landkreis Celle angeschlossen. 15.000 Notrufe laufen monatlich auf und 13.000 Einsätze werden gemanagt. Die KLL hat insgesamt 7,1 Millionen Euro gekostet. 73 Mitarbeiter sind dort beschäftigt. Die Lüneburger Leitstelle ist die zentrale Notruf-Anlaufstelle für 1,25 Millionen Menschen in den Landkreisen Harburg, Heidekreis, Lüneburg, Lüchow-Dannenberg, Rotenburg, Celle und Stade.