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Wie ein Verkehrsunfall mit zwei Toten drei Leben zerstört hat

Dieser Horrorunfall kostet zwei Menschenleben. Ibrahim A. fuhr den Polo. Die seelsichen Unfallverfolgen hat er nie überwunden (Foto: Polizei)
"Todeskreuzung von Klethen": Angeklagter verlor Bruder und Cousin und wurde zum Psychiatriefall

tk. Buxtehude. Den Bruchteil einer Sekunde war Ibrahim A. (33) unaufmerksam. Das kostete zwei Menschenleben und zerstörte sein eigenes. Der gebürtige Mazedonier hat bei einem Unfall auf der "Todeskreuzung von Klethen" seinen Bruder und Cousin verloren. Der Unfall vom November 2010 wurde erst jetzt vor dem Amtsgericht Buxtehude verhandelt, weil A. mehrere Jahre im Ausland gelebt und sich nun der juristischen Aufarbeitung gestellt hatte. Der Angeklagte kam aus der geschlossenen Psychiatrie. Sein Leben liegt seit dem Unfallsonntag in Trümmern. "Nichts bringt meinen Bruder zurück", sagte er. Richter Erik Paarmann verurteilte Ibrahim A. zu zehn Monaten Haft, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung.

Ibrahim A. war an diesem verhängnisvollen Tag mit seinem VW Polo im Landkreis Stade unterwegs, um ein Auto anzugucken. Bruder, Cousin, Schwiegervater und ein Freund kamen mit. A. fuhr bei Klethen auf der Kreisstraße 55 auf die Kreuzung mit der L124 zu. Er übersah das Stoppschild und der Polo wurde von einem Golf frontal gerammt, der Vorfahrt hatte.

Von Weinkrämpfen geschüttelt schilderte Ibrahim A. das Horrorszenario. Alle drei Menschen auf der Rückbank waren aus dem Auto geschleudert worden. Ein Toter lag unter dem Wrack, ein anderer wenige Meter entfernt. "Rettet meinen Bruder, er lebt", habe er den Sanitätern zugerufen. Doch jede Hilfe kam zu spät. Die beiden Männer müssen sofort tot gewesen sein.

"Ich habe jeden Tag diese Bilder im Kopf", sagte A. Nach der Beerdigung blieb er in seiner alten Heimat und wurde bald zum Psychiatrie-Patienten. Depressionen, Schlafstörungen, Angstzustände und Herzschmerzen seien laut seines Anwalts Jörn Schmucke einige der Symptome. Zur Zeit bekommt Ibrahim A. neun verschiedene Medikamente. Der Mann, der verheiratet ist und zwei Kinder (sieben Jahre und sieben Monate) hat, will sein Leben aber wieder in den Griff bekommen. Der Prozess sei ein Teil davon, so Schmucke.

"Das hätte jedem passieren können", sagte Staatsanwalt Dr. Christian Laustetter in seinem Plädoyer. Er sprach von "Augenblicksversagen" und forderte neun Monate Haft, ausgesetzt zur Bewährung. Anwalt Jörn Schmucke stellte die Strafe ins Ermessen des Gerichts. "Mein Mandant ist genug gestraft und dieses Schicksal kann die Strafjustiz nicht bewältigen."

Richter Erik Paarmann wünschte Ibrahim A in seiner Urteilsbegründung, dass er den Weg zurück in ein normales Leben finden möge.

• Dieses Unglück war der furchtbare Höhepunkt einer Unfallserie mit vier Toten und 16 Verletzten. Die Kreuzung von L124 mit der K55 wurde zur "Todeskreuzung von Ahlerstedt-Klethen". Seit 2006 ereigneten sich dort acht schwere Unfälle. Nach dem Unglück von Ibrahim A. kam noch ein junger Motorradfahrer zu Tode. Daraufhin forderten Bürger vehement einen Kreisverkehr und gingen dafür auf die Straße. Der Kreisel wurde im Juni 2015 für den Verkehr freigegeben.