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Bushido im WOCHENBLATT zur Phantombild-Posse: "Warum sagt keiner sorry?"

Im WOCHENBLATT erklärt Bushido, warum er Anzeige erstattet hat. "Um Geld oder Schadenersatz geht es mir nicht." (Foto: Sascha Heks)
 
Mit diesem Phantombild sucht die Polizei einen Räuber. Problkem: Der Mann sieht genauso aus wie Bushido. Der Rapper wehrt sich mit einer Anzeige (Foto: Polizei)

tk. Buxtehude. "Das bin ich auf dem Foto. Die haben nur die Kette wegretouchiert, den Bart verlängert und mir eine rote Mütze auf den Kopf gesetzt", sagt Bushido. Der Rapper aus Berlin hat über seinen Anwalt Anzeige gegen Unbekannt erstattet, weil die Polizei mit einer Phantomzeichnung einen Räuber aus Buxtehude sucht. Das Problem: Der Gesuchte sieht nicht nur so aus wie der Musiker, die Polizeizeichnung ist eine Kopie eines Bushido-Fotos, das jedermann im Internet finden kann. Auch der Polizeizeichner im Landeskriminalamt.



Der Stader Staatsanwalts-Sprecher Dr. Burghard Vonnahme bestätigt, dass die Anzeige gegen Unbekannt wegen Verfolgung Unschuldiger, Beleidigung und Verleumdung vorliege. "Wir prüfen den Sachverhalt", sagt Vonnahme.

Bis heute bleibt das LKA bei seiner Darstellung. Das Bild von Bushido im Internet sei für den Polizeizeichner nur die Grundlage für das Phantombild gewesen. Anders herum ausgedrückt: Die Zeichnung zeigt nicht Bushido. Weitere Einzelheiten gebe es im Hinblick auf die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Stade nicht.

Das WOCHENBLATT hat den Musiker über sein Management in Berlin erreicht. Dabei wird deutlich: Der ganze Stress wäre vermeidbar gewesen. "Was mich wütend und gleichzeitig auch traurig macht, dass niemand sagt 'sorry, tut uns leid'", sagt Bushido. Am Anfang fand er das Ganze noch lustig. Seine erste Reaktion auf seiner Facebook-Seite: "Danke an die Polizei in Buxtehude für den Style-Tipp! Werde mir wahrscheinlich ein rotes Cap zulegen." Schließlich sei das Ganze kurz nach dem 1. April gewesen und Buxtehude "ist ja bekanntermaßen ein Pseudonym für den Ort, wo der Pfeffer wächst", so Bushido. Von der Polizei beziehungsweise dem LKA in Hannover kam aber auch nach Tagen kein "sorry". Und daran hat sich bis heute nichts geändert. "Mit einem Raub will ich aber nicht in Verbindung gebracht werden", sagt der Musiker dem WOCHENBLATT

Kaum war das "Bushido-Phantombild" veröffentlicht, wurde es bundesweit bekannt. "Mein Anwalt hatte sich daraufhin bei mir gemeldet", sagt Bushido. Außerdem sei er von Freunden angesprochen worden.

"Haben die vielleicht einen Personalengpass im LKA?", überlegt Bushido. Er will mit seiner Reaktion etwas Grundsätzliches erreichen: "Seid ein bisschen vorsichtiger mit gegoogelten Fotos", so der Rapper. "Ums Geld und Schadenersatz geht es mir bei der Sache überhaupt nicht", betont er.

Bushido hat einen treffenden Vergleich parat, wenn er über die Fantombild-Posse spricht. "Auch meinen Kindern sage ich, dass jeder mal Fehler macht. Man sollte aber so ehrlich sein und das auch zugeben." Aus Fehlern könne schließlich jeder lernen.

Auf den juristischen Ausgang der Geschichte ist Bushido gespannt. Und er bedauert, dass das eigentlich Wichtige in den Hintergrund rückt. "Eine Frau ist Opfer einer Straftat geworden. Wenn ein Scherzkeks bei der Polizei anruft und sagt 'ey Alter, das ist Bushido', hilft ihr das nicht."

• Das ist der Hintergrund: Am Sonntag, 19. März, ist eine Frau (33) gegen 22.15 Uhr auf der Bahnhofstraße in Buxtehude von zwei Männern überfallen worden. Sie sollen laut Polizei nicht älter als 30 Jahre und 1,90 bis zwei Meter groß sein. Zudem hätten sie kräftige Vollbärte und würden gebrochen Deutsch sprechen.
Laut Stades Polizeisprecher Andre Janz seien nach der Veröffentlichung der Phantomzeichnung rund 30 ernst zu nehmende Hinweise eingegangen. Wie viele Anrufer Bushido "identifiziert" hätten, sei nicht bekannt.