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Hunde jagen Schafe auf dem Deich: "Die wollen doch nur spielen"

Die Schafe sind für den Hochwasserschutz im Einsatz und nicht nur ein malerischer Hingucker (Foto: Gründahl)

tk. Altes Land. Das Hamburger Ehepaar war sich keiner Schuld bewusst: Ihr Hund wollte doch nur toben. Das allerdings auf dem Elbdeich. Der unangeleinte Vierbeiner hatte am vergangenen Samstag die Herde des Schäfers Vasile Buza angegriffen und auseinandergetrieben. In diesem Fall wurden die Hundebesitzer von Spaziergängern sofort zur Rede gestellt. "Wir behalten uns vor, Anzeige zu erstatten", sagt Oberdeichrichter Wilhelm Ulferts. Außerdem werden Herrchen und Frauchen die Tierarztrechnung für die Schafe wegen der Attacke bezahlen müssen.



Für den Deichverband der II. Meile Alten Landes sind freilaufende Hunde auf dem Elbdeich kein Kavaliersdelikt sorgloser Tierhalter, sondern ein echtes Problem. Ulferts erklärt die Folgen der Hunde-Attacken: Die Schafe werden hundescheu. Das bedeutet, dass sie auch vor Hütehunden Reißaus nehmen.
Und schließlich: Trächtige Schafe, die gejagt werden, können ihre Lämmer verlieren. "Ob das fünf oder fünfzig Lämmer sind, stellen wir erst fest, wenn wir die Zahl der neugeborenen Tiere sehen", so Ulferts. Das könne für den Schäfer einen herben finanziellen Verlust bedeuten.

Die Schafe, das betont der Oberdeichrichter, seien kein lebendiges Accessoire für ein malerisches Elbpanorama. "Sie halten die Grasnarbe kurz und sorgen damit für kräftige Wurzeln." Zudem treten sie mit ihren Pfoten den Untergrund fest. "Schafe sind Hochwasserschutz", betont Wilhelm Ulferts.
Ähnliches haben auch die Mitarbeiter des Deichverbandes I Meile Altenlandes erlebt. "Viele leinen ihre Hunde nicht an und versichern, 'Mein Hund tut so was nicht'", sagt Klaus Jarck, Oberdeichrichter der I Meile.

Vor zwei Jahren ließ der Deichverband Schilder aufstellen - mit der klaren Ansage, dass Hundebesitzer ihre Tiere an die Leine nehmen sollen. "Da ging ein großer Aufschrei durchs Internet", sagt Jarck. Viele Leute seien uneinsichtig. Man soll sich doch um wichtigere Sachen kümmern, so die Kommentare. Dabei sieht der Deichrichter noch eine weitere Gefahr für die tierischen Deichpfleger. "Hunde sind Fleischfresser. Wenn die Schafe den Kot der Tiere beim Grasen aufnehmen, können sie schnell Würmer bekommen."

Von immer wiederkehrenden Problemen mit Hundehaltern spricht auch Klaus Meier, Geschäftsführer des Deichverbandes Kehdingen-Oste. Um die Deichschafe zu schützen sollen weitere Zäune gebaut werden. "Die Menschen, die die Aufgabe der Deiche verstanden haben, sind grundsätzlich einsichtig. Probleme bereiten uns diejenigen, die den Sinn nicht verstanden haben", so Meier.

Es geht sogar noch dreister: Sowohl in dieser Woche als auch in der Nacht zu Dienstag, 13. September, wurden dem Deichverband der II. Meile Schafe gestohlen und der Zaun auf mehreren Metern niedergetrampelt.