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Ein Verein greift durch - willkürlich? MTV Egestorf suspendiert elfjährigen Fußballer!

Leon (li.) und Pierre Einhaus verstehen die Welt nicht mehr. Die beiden Jungs wurden suspendiert
 
Leon Einhaus (11) ist traurig. Er darf nicht mehr mit seiner Fußball-Mannschaft trainieren

„Jetzt haben sie auch meinen kleinen Sohn Leon suspendiert!“ Jens Einhaus ist fassungslos. Nachdem der MTV Egestorf seinen älteren Sohn Pierre (17) Anfang des Jahres vor die Tür gesetzt hat (das WOCHENBLATT berichtete), habe ihm Fußball-Abteilungsleiter Hartmut Schmitz am Freitag mitgeteilt, dass auch Leon (11) ab sofort nicht mehr bei den Kickern des MTV erwünscht sei. "Er bekommt seinen Pass zugeschickt und soll sich dann einen neuen Verein suchen", habe Schmitz am Telefon zu Einhaus gesagt.
Die Begründung: "Ihre Familie hat schon genug Wirbel verursacht." Schmitz, auch stellvertretender Vorsitzender des Gesamtvereins, spielt damit auf einen WOCHENBLATT-Bericht an, in dem Einhaus den Verdacht äußert, dass ein Sponsor seinen Einfluss hat spielen lassen, um Pierre aus dem Verein werfen zu lassen. "Wenn Sie jetzt nicht aufhören, Stimmung zu machen, fliegen Sie aus dem Gesamtverein", soll Schmitz am Telefon gedroht haben. Leon und Pierre sind auch Mitglieder der Egestorfer Tischtennis-Abteilung.

mum. Egestorf. „Für meinen kleinen Sohn ist eine Welt zusammengebrochen“, sagt Jens Einhaus. Der Elfjährige kickt seit fünf Jahren beim MTV. Am Donnerstag habe Leon wie immer am Mannschaftstraining teilgenommen. Sein Trainer habe nichts angedeutet. Auch Pierre war auf der Anlage und hat mit einem Freund abseits des Platzes gebolzt. War das der Grund?
Will Abteilungsleiter Hartmut Schmitz die Familie bestrafen, weil sie sich in ihrer Not an die Öffentlichkeit gewendet hat? Leon kann das alles nicht verstehen. "Ich habe mit niemandem in der Mannschaft jemals Streit gehabt und darf jetzt nicht mehr mitspielen", sagt der Knirps. "Mir fehlt mein Team jetzt schon."
Warum die beiden Jungs vom Fußball ausgeschlossen wurden, will Abteilungsleiter Hartmut Schmitz nicht verraten. "Wir behandeln so etwas intern", sagt er auf WOCHENBLATT-Nachfrage knapp. Dafür hat Jens Einhaus eine Vermutung: Seit Jahren werde sein jüngster Sohn Leon von einem älteren Schüler terrorisiert. Erst in der Grundschule, dann in der Oberschule. "Zuletzt stieß der Junge meinen Sohn so heftig gegen ein Absperrgitter, dass er zum Arzt musste." Daraufhin hatte Pierre den Unruhestifter gebeten, seinen Bruder in Ruhe zu lassen. "Ich habe ihm nicht gedroht", so Pierre. Aber: Der Vater des mutmaßlichen Täters soll einer der wichtigsten Sponsoren der Fußball-Abteilung des MTV Egestorf sein. "Ich kann es nicht beweisen", sagt Jens Einhaus. "Ich glaube aber, dass Pierre rausgeworfen wurde, weil es der Sponsor wollte oder der Abteilungsvorstand ihm einen Gefallen tun wollte."
Nach Pierre hat es jetzt auch Leon getroffen. Laut Einhaus wurde gegen die ganze Familie sogar ein Hausverbot auf der Sportanlage ausgesprochen.
Wie das WOCHENBLATT erfuhr, soll es zeitnah eine Sitzung der Fußballabteilung geben. Dort soll den Trainern und Betreuern erklärt werden, warum Leon und Pierre ausgeschlossen wurden. "Die Jungs sind schwierig. Aber ich bin sicher, dass sie nichts Schlimmes angestellt haben, das einen Rauswurf rechtfertigt", sagt ein MTV-Trainer, der seinen Namen aus Furcht vor Konsequenzen nicht nennen möchte. "Warum sollten sie sonst auch Mitglieder in der MTV-Tischtennis-Abteilung bleiben dürfen?"

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