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Ist das die "soziale Verantwortung" des MTV Egestorf?

Leon (li.) und Pierre Einhaus verstehen die Welt nicht mehr. Die beiden Jungs wurden vom Fußballverein suspendiert

MTV Egestorf: Erst werden zwei Jugendspieler rausgeworfen, dann flattert die Beitragserhöhung ins Haus.

mum. Egestorf/Wesel. Diese Geschichte hat die WOCHENBLATT-Leser bewegt: Nachdem der MTV Egestorf Pierre Einhaus (17) Anfang des Jahres vor die Tür gesetzt hatte (das WOCHENBLATT berichtete), hat Fußball-Abteilungsleiter Hartmut Schmitz Vater Jens Einhaus mitgeteilt, dass auch der kleine Bruder Leon (11) nicht mehr bei den Kickern des MTV erwünscht sei. „Er bekommt seinen Pass zugeschickt und soll sich dann einen neuen Verein suchen“, habe Schmitz am Telefon zu Einhaus gesagt. Das war Mitte März. Doch laut Jens Einhaus haben seine beiden Söhne ihre Pässe bislang noch nicht bekommen. „Daher dürfen sie auch nicht für einen anderen Verein spielen“, beschwert sich der Vater.

Für zusätzlichen Ärger sorgte jetzt ein Brief des Gesamtvereins an alle Mitglieder, in dem die Vorsitzende Gudrun Kalk eine Beitragserhöhung rechtfertigt. Sie schreibt unter anderem: „Der MTV Egestorf bietet Ihnen eine Vielzahl von Möglichkeiten, sich aktiv sportlich zu betätigen. Unsere besondere soziale Verpflichtung sehen wir aber hauptsächlich in der Kinder- und Jugendarbeit. Da die Bereitschaft, sich ehrenamtlich zu engagieren, nicht zunimmt, werden wir finanzielle Anreize schaffen müssen, um den Sport- und Trainingsbetrieb aufrecht zu halten.“ Schöne Wort für eine Beitragserhöhung, die sicherlich begründet ist.
Auf Jens Einhaus wirkt der Brief allerdings wie ein Faustschlag. „Auf der einen Seite schmeißt der Verein meine Söhne raus, auf der anderen Seite werden die Beiträge erhöht, um die Kinder- und Jugendarbeit zu verbessern“, so Einhaus. „Das passt doch nicht zusammen.“

Mit den Worten „Ihre Familie hat schon genug Wirbel verursacht“ soll Schmitz, auch stellvertretender Vorsitzender des Gesamtvereins, die Einhaus-Brüder ausgeschlossen haben. Schmitz spielt damit auf einen WOCHENBLATT-Bericht an, in dem Einhaus den Verdacht äußerte, dass ein Sponsor seinen Einfluss genutzt hat, um Pierre aus dem Verein werfen zu lassen. „Wenn Sie jetzt nicht aufhören, Stimmung zu machen, fliegen Sie aus dem Gesamtverein“, soll Schmitz am Telefon dem Vater gedroht haben. Leon und Pierre sind auch Mitglieder der Egestorfer Tischtennis-Abteilung. Pierre ist dort Co-Trainer und trainiert Kinder und Erwachsene.

Kommentar
Wenn Erwachsene sich streiten

Die Auseinandersetzung zwischen Familie Einhaus auf der einen und der Fußball-Abteilung des MTV Egestorf auf der anderen Seite macht deutlich, was in unserer Gesellschaft immer wieder schief läuft: Erwachsene streiten sich und die Kinder müssen es ausbaden.
Selbst wenn die beiden Jungs schwierig sein sollten, hat ein Verein die Pflicht, sich um sie zu kümmern und nicht vor die Tür zu setzen. Offensichtlich ist die von der Vorsitzenden Gudrun Kalk angepriesene „soziale Verpflichtung“ nicht in der Fußball-Abteilung des MTV Egestorf angekommen. Allerdings frage ich mich auch, warum die Mitspieler sich nicht für ihre Kameraden einsetzen. Teamgeist sieht anders aus.
Jens Einhaus wiederum sollte sich bewusst sein, dass er seinen Jungs nicht damit hilft, sie weiter in die Öffentlichkeit zu zerren.
Sascha Mummenhoff


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