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Von wegen nur Hagebutte

Herbergsmutter Ina Isernhagen mit Stammgast Hans-Günter Isphording. Einmal im Jahr ist der Mann aus Wuppertal in Stade zu Gast Fotos: bc/DJH-Landesverband Nordmark
 
Hans-Günter Isphording in seinem Zimmer. Etagenbetten und Gemeinschafts-Bäder machen ihm nichts aus
"Jugendherberge 2.0" hat nur noch wenig mit den eigenen Schulzeit-Erfahrungen zu tun

bc. Stade. Urlaub im Wellness-Hotel oder in der Jugendherberge? Womöglich noch eine lärmende Schulklasse nebenan. Hans-Günter Isphording (61) aus Wuppertal bevorzugt trotzdem lieber Variante B. In der Stader Herberge ist er Stammgast, weit mehr als zehn Mal war er schon hier. Warum tut man sich das als erwachsener Mann an?
Jugendherbergen kennt jeder aus Schulzeit-Erinnerungen: miefige Mehrbett-Zimmer, schlechtes Essen, unfreundliche Herbergseltern. "Jugendherberge 2.0" ist anders. Gut ausgestattete Zimmer, ein Büfett, von dem sich manches Hotel etwas abschneiden kann, und service-orientierte Herbergseltern. "Man muss seinen Gästen Respekt zollen", sagt Herbergsmutter Ina Isernhagen.
Sie kennt Hans-Günter Isphording gut. Der Mann liebt die Hansestadt Stade, vor allem die Schiffsbegrüßungsanlage in Stadersand, die schwedische Historie der Stadt, die Nähe zu Hamburg und die zentrale Lage der Herberge direkt am Burggraben. Natürlich ist die Entscheidung für die Unterkunft auch finanziell begründet. Für eine Nacht im Vierbett-Zimmer bezahlen Isphording und sein Begleiter 34 Euro pro Nase inklusive Frühstück.
Frühstück in der Jugendherberge - da denken viele noch an die Scheibe Graubrot, einen Klecks Marmelade und den Klassiker, lauwarmen Hagebutten-Tee aus der Blechkanne. Stattdessen wird jetzt morgens am Büfett gespeist. Die Auswahl ist groß, Fertigprodukte findet man kaum. Selbst laktosefreier Käse wird angeboten. Auch Vegetarier finden eine große Auswahl an Speisen vor. Isphording: "Teilweise ist das Frühstück hier besser als im Hotel."
Abwaschen muss ebenfalls keiner mehr. Dass die Gäste selber Hand anlegen, verbietet schon der Gesetzgeber nach den strengen Hygiene-Vorschriften. Zudem müssen auch die Jugendherbergen um ihre Gäste buhlen - in Zeiten, wo auf Internet-Plattformen wie "Airbnb" oftmals günstigere Apartments um die Ecke angeboten werden.
Und wie ist es mit dem Lärm? Hans-Günter Isphording fühlt sich nicht gestört: "Die jungen Leute genießen hier Priorität. Ich liebe die lebendige Atmosphäre einer Jugendherberge." Und ist es tatsächlich mal zu laut, spricht Ina Isernhagen ein Machtwort. "Früher war es schlimmer, die heutige Jugend zeigt mehr Respekt", sagt sie.
Gewiss ist schon jetzt: Auch im kommenden Jahr wird Hans-Günter Isphording bei ihr in der Jugendherberge einkehren.


Seminarräume fehlen noch

Die Jugendherberge in Stade gehört zum DJH Landesverband Nordmark, ein Zusammenschluss von Jugendherbergen in Schleswig-Holstein, Hamburg und Nordniedersachsen. In Stade werden im Schnitt zwischen 16.000 und 18.000 Übernachtungen pro Jahr gezählt. Maximal möglich wären laut Herbergsmutter Ina Isernhagen 19.000. Erst kürzlich besuchte die SPD-Fraktion die Herberge.
Fraktionschef Kai Holm berichtet, dass nur das Fehlen geeigneter Seminarräume Sorgen bereitet. Alleine in den vergangenen beiden Jahren stornierten Stammgruppen deswegen rund 1.500 Übernachtungen. Mit dem Bau von zwei neuen Räumen auf dem Sandplatz neben dem Herbergs-Gebäude könnte die Attraktivität erhöht werden. Möglich wäre laut Holm eine Container-Bauweise. Das Projekt soll nach Wunsch der SPD in den Haushalt 2018 mit aufgenommen werden.