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Erst nein, dann ja zur Brücke: Uneinigkeit in der Harsefelder Politik

Die Visualisierung zeigt, wie die Brücke verlaufen soll Grafik: wk consult
jd. Harsefeld. So kurzlebig können politische Entscheidungen sein: Gerade mal zwei Tage hatte der Beschluss des Harsefelder Bauausschusses Bestand, sämtliche Planungen für den Bau der rund 3,5 Mio. Euro teuren Radfahrer- und Fußgängerbrücke über die EVB-Bahnstrecke zu stoppen. Hinter verschlossenen Türen kam dann 48 Stunden später die Kehrtwende: Der nicht-öffentliche tagende Verwaltungsausschuss (VA) kippte das Votum des Bauausschusses. Die im VA sitzenden führenden Köpfe der Harsefelder Politik stimmten dafür, das Lieblingsprojekt von Rathauschef Rainer Schlichtmann planerisch weiter zu verfolgen.

Im Bauausschuss hatten sich vor allem die SPD und der Vertreter der Liberal-Konservativen Reformer (LKR), Jens Paulsen, gegen das knapp 3,5 Mio. Euro teure Projekt ausgesprochen. Der Grüne Ralf Poppe wollte erst Gewissheit darüber haben, ob die erhofften Fördermittel in Höhe von 70 Prozent tatsächlich fließen. Zudem fordert Poppe, zunächst ein Fahrradkonzept für den gesamten Ort zu entwickeln: "Was nützt uns uns eine radfahrerfreundliche Brücke, wenn rundherum schlechte Bedingungen herrschen?"

Die Kritiker dieses rund 160 Meter langen Brückenschlages über Kreisstraße, Bahnhof und Saatzucht-Gelände bezweifeln den von den Befürwortern ins Feld geführten Nutzen: Die Brücke soll vor allem für Radler eine direkte Verbindung zwischen dem Ortskern und den südlichen Wohngebieten bzw. den Schulen und Freizeitstätten schaffen. In einem vor der Bauausschuss-Sitzung anberaumten Pressegespräch war von einer Verbesserung der Nahmobilität durch Stärkung des Radverkehrs die Rede. Mit einer Projektskizze zum Brückenbau hat sich Harsefeld beim Bundeswettbewerb "Klimaschutz durch Radverkehr" um Zuschüsse beworben.

Mit diesen ambitionierten Überlegungen konnten sich die Brückengegner im Bauausschuss nicht anfreunden. Neben den Politikern meldeten sich auch mehrere der zahlreich erschienenen Anwohner zu Wort: Sie bezweifelten unter anderem, ob die Schüler aus den anderen Ortsteilen rund 600 Meter Umweg in Kauf nehmen, nur um über die Brücke zu fahren. Es gebe bereits einen sicheren Schulweg: Der verlaufe durch die Eisenbahn-Unterführungen am Redder.

Diese Ansicht vertrat auch SPD-Ratsherr Reinhard Oelkers: Die Brücke bringe für Fußgänger, die aus der Ortsmitte zu den Freizeitstätten unterwegs, eine Zeitersparnis von rund fünf Minuten, für Radfahrer allenfalls zwei Minuten. "Dafür dreieinhalb Millionen Euro ausgeben?"

Angesprochen wurden zudem Sicherheitsaspekte: Die Brücke mündet in die Böberstroot. Dort sei die Verkehrssituation äußerst beengt und unübersichtlich, erklärte ein Bürger: Das stelle eine weitere Gefahrenquelle für radelnde Schüler dar.

Mit dem Beschluss des VA zur Fortsetzung der Brückenplanungen ist noch nichts endgültig entschieden. Das letzte Wort hat der Rat. Sollte der beschließen, die Brückenpläne umzusetzen, ist damit zu rechen, dass sich die Anwohner, die zudem eine zusätzliche Lärmbelästigung durch die Brücke befürchten, sich zu einer Bürgerinitiative formieren und womöglich klagen.