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Sie kleidete Generationen von Kindern ein

Veronika Kotthoff (li.) und ihre langjährige Mitarbeiterin Elke Köhler präsentieren die Schnäppchen
jd. Harsefeld. Ein Stück Harsefelder Geschichte geht zu Ende: Veronika Kotthoff schließt zum Jahresende ihr Kinderkleidungs-Fachgeschäft "Veronika's Modestübchen". Die umtriebige Geschäftsfrau setzt sich zur Ruhe. Damit enden 37 Jahre erfolgreiche Tätigkeit als Spezialistin für Baby- und Kindermoden. Generationen von Harsefelder Kindern wurden bei ihr neu eingekleidet.

Wie die Zeit vergeht, merkte die 64-Jährige, als die ersten, die sich einst als Schüler im Modestübchen ausstaffieren ließen, vorbeikamen, um schicke Sachen für die Enkel auszusuchen. Doch Veronika Kotthoff zerfließt nicht vor Sentimentalität: Ganz Geschäftsfrau, hat sie jetzt einen großen Räumungsverkauf gestartet. Nach der Devise "Alles muss raus" verhökert sie ihr gesamtes Sortiment zu Sonderpreisen.

Unterstützung erhält Kotthoff von der Ausverkaufs-Expertin Sabine Hellwege. Die weiß aus langjähriger Erfahrung, wie der Hase bei einer Geschäftsauflösung läuft. Hellwege rückte mit einem Riesen-Transparent an, das nun quer über der Herrenstraße hängend auf den Räumungsverkauf hinweist. Außerdem baute sie unzählige Regale im Modestübchen auf. Dort hängt nun alles, was das Lager hergibt - dick mit roten Aufklebern versehen, die auf satte Rabatte hinweisen.

Wer im Modestübchen Kleidungsstücke ersteht, kann sicher sein, erstklassige Qualität in den Händen zu halten. "Bei der Auswahl meiner Ware habe ich immer Wert auf hochwertige Verarbeitung gelegt", sagt Kotthoff. In ihre Regale seien nur schadstoffarme Produkte gekommen, die aus "fairem" Handel stammen. Der Bezug von Bekleidung, die in Vietnam, Indien oder Bangladesh unter menschenunwürdigen Bedingungen von Billiglohn-Arbeitern hergestellt werde, sei nicht mit ihrem ethischen Anspruch als "ehrbare" Geschäftsfrau vereinbar, sagt die angehende Rentnerin.

Kotthoff, die mit ihrem Geschäft quasi zu einer Institution im Ort geworden ist, verabschiedet sich mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Sie freue sich darauf, dass sie bald nicht mehr von morgens bis abends im Geschäft stehen müsse. Andererseits werde sie die vielen netten Gespräche mit ihren Kunden vermissen. Auch als Rentnerin will Kotthoff nicht die Hände in Schoß legen: Die Katholikin aus dem Sauerland plant zunächst eine Pilgerreise nach Lourdes. Wenn sie wieder daheim ist, möchte sie sich in der Hospizarbeit engagieren.