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Planungen zum Naturschutzgebiet „Mittleres Estetal“ stoßen auf heftigen Widerstand

Zahlreiche Betroffene kamen zu der Info-Veranstaltung des Landkreises Harburg nach Hollenstedt (Foto: mi)
mi. Holvede. Rund 260 Bürger nahmen jetzt an der Infoveranstaltung zum umstrittenen Naturschutzgebiet „Mittleres Estetal“ teil. Der Leiter der Unteren Naturschutzbehörde, Detlef Gumz, informierte über die Planungen des Landkreises.
Hintergrund: Der Raum rund um die Este bietet mit seinen Erlen- und Eschen-Auwälder einzigartige Biotope. Im Fluss leben streng geschützte Arten wie das Neunauge. Deswegen soll ein 477 Hektar großer Streifen links und rechts der Este von Moisburg bis nach Bötersheim unter Schutz gestellt werden. Für die Bürger, die dort leben, bringt das teilweise große Einschränkungen mit sich.
Aus Zeitmangel - das Gebiet muss wie berichtet bis spätestens 2018 ausgewiesen sein - entschied man sich beim Kreis dafür, nicht die exakten Grenzen des ursprünglich vorgesehen Areals zu nehmen, sondern sich hauptsächlich an Flurstücken zu orientieren. Die Folge: Grundstücke, die ansonsten nur geringfügig betroffen wären, werden gänzlich zu Natursc hutzflächen erklärt.
„Viele Flächen, die Sie einfach so einbeziehen, haben einen Ackerstatus, irgendwann ist der Punkt erreicht, wo sich eine Bewirtschaftung nicht mehr lohnt“, fasste der Landwirt und Hollenstedts stellvertretender Bürgermeister, Jörg Meier, den Ärger vieler Landwirte zusammen. Eine Lanze für die Landwirtschaft brach auch CDU-Landtagsabgeordneter Heiner Schönecke. Er forderte die Behörde auf, mehr Augenmaß walten zu lassen. Damit sprach er vielen Betroffenen aus der Seele. Denn sogar auf Außenstehende wirke das, was der Kreis vorhat, unausgegoren.
„Die Flächen, auf denen Sie die Pferdehaltung verbieten wollen, gehören einem Reiterhof.“ „Mein Grundstück soll ein Naturschutzgebiet sein? Schauen Sie sich es gerne einmal an!“, hagelte es Kritik für die ungenaue Planung.
Die umstrittene Grenzziehung erklärte Gumz damit, dass Flurstücke eingemessene Grenzen besäßen, deswegen seien sie im besonderen Maße geeignet, einen nachvollziehbaren Grenzverlauf darzustellen. Die Planung wirke außerdem nur in den öffentlichen Karten, die einen groben Maßstab verwendeten, ungenau. Dem Landkreis lägen aber nicht öffentliche, ganz genaue Karten vor.
Besonders hart trifft das Gebiet Eigentümer, deren Grundstücke im Flächennutzungsplan bisher als Baugebiete ausgewiesen waren. „Ein Flächennutzungsplan ist keine Bauerlaubnis“, erklärte Gumz. Soll heißen, hier darf nicht mehr gebaut werden. Das sei durch die Sozialpflichtigkeit des Eigentums gerechtfertigt. Für Wohneigentum im Naturschutzgebiet gebe es außerdem Bestandsschutz. Für die Bürger ein schwacher Trost: „Unsere Grundstücke sind dann trotzdem weniger wert“, stellten viele betroffene Eigentümer klar. Sie schlugen vor, ihre für den Naturschutz nachweislich wenig lohnenden - teilweise versiegelten - Flächen aus dem Gebiet herauszulösen und stattdessen passendere mit einzubeziehen. „Ihre Idee ist sinnvoll, aber aus Zeitmangel nicht umsetzbar“, erklärte dazu Detlef Gumz. Den Betroffenen konnte er nur raten: „Sie haben alle das Recht auf Beteiligung. Dort können Sie Ihre Bedenken vorbringen“. Die Entscheidung werde auch nicht von der Behörde, sondern von der Politik getroffen.

Kommentar von WOCHENBLATT-Redakteur Mitja Schrader

Nicht die EU ist schuld
Verantwortlich für den Schlamassel ist nicht Detlef Gumz und schon gar nicht die EU. Das Problem ist einzig durch die vorherige Landesregierung verursacht, in der auch Heiner Schönecke in der Verantwortung stand. Jahrelang hat man dort die Ausweisung der Gebiete verschleppt. Jetzt steht Gumz das Wasser bis zum Hals. Obwohl der Kreis derzeit Millionen Euro in seine Behörde investiert, ist die Ausweisung von zehn neuen FFH-Gebieten bis 2018 kaum zu schaffen. Die Folge: Es wird schlampig gearbeitet, die Politik wird - dem Zeitdruck folgend - die Schlamperei absegnen und die Kon­trolle den Gerichten überlassen - schon jetzt liegen rund 60 Einwände vor. So ist aus einer wichtigen Sache ein Debakel geworden, das den Steuerzahler Millionen kostet, die Gerichte beschäftigt und Wasser auf den Mühlen von EU-Gegnern sein dürfte.