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Fohlen gerissen: War es ein Wolf?

Die Wolf-Experten sichern Spuren. Mithilfe einer DNA-Analyse soll festgestellt werden, ob ein Wolf das Fohlen gerissen hat (Foto: Götz George)
 
Nur der Kopf und Teile der Wirbelsäule sind übrig geblieben (Foto: Götz George)

Hat ein Wolf ein Fohlen getötet? Islandpferde-Züchter Götz George ist davon überzeugt. George betreibt in Hörpel (Heidekreis, nahe Egestorf) ein Gestüt mit 120 Tieren. Am Dienstagmorgen machte er einen grausigen Fund: den Kadaver eines gerade geborenen Fohlens - nur Kopf und Teile der Wirbelsäule waren übrig geblieben. „Das muss ein Wolf gewesen sein“, sagt George. „Kein anderes Tier ist in der Lage, 25 Kilo Fleisch in einer Nacht zu fressen.“
Wolf-Experten haben noch am Dienstagmorgen Spuren gesichtet und Proben genommen. Eine DNA-Analyse soll Aufschluss darüber geben, ob dies tatsächlich ein Wolfs-Angriff war.

(mum). Pferdezüchter Götz George wird diesen Anblick nicht so schnell vergessen! Als er am Dienstagmorgen auf seiner Pferdekoppel in Hörpel nahe der Autobahn 7 eintraf, erblickte er den Kadaver eines Fohlens. Daneben die Mutterstute, verletzt am Hinterteil. „Lediglich der Kopf und Teile der Wirbelsäule sind vom Fohlen übrig geblieben“, so der Eigentümer des Gestüts Norderheide. Der Islandpferde-Züchter ist sich sicher, dass das Tier Opfer eines Wolfes wurde. Hörpel liegt direkt am Naturschutzpark Lüneburger Heide, nur wenige Kilometer von Egestorf (Samtgemeinde Hanstedt) entfernt.
Wenn wirklich ein Wolf das Fohlen gerissen hat, wäre das eine Premiere. Bundesweit habe es laut Einschätzung des Deutschen Jagdverbands noch keine Attacke auf ein Pferd gegeben. Noch am Dienstag waren Experten vor Ort, um Spuren zu sichern. Ob es ein Wolfs-Angriff war, wird derzeit mithilfe einer DNA-Analyse durch den zuständigen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz festgestellt.
Für George besteht daran kein Zweifel. „Wildernde Hunde sind als Angreifer unwahrscheinlich, da sie es nicht schaffen, in einer Nacht bis zu 25 Kilogramm Fleisch zu fressen“, sagt George. Wildschweine hätten Spuren hinterlassen.
Was den Züchter am meisten ärgert: George hatte bereits um finanzielle Mittel für Schutzzäune gebeten. „Das wurde aber abgelehnt, weil Pferde bislang nicht als betroffen gelten.“ George hatte daraufhin zwei Esel angeschafft und zu den Pferden auf die Weide gestellt. „Ihnen wird nachgesagt, dass sie Wölfe vertreiben können“, so der Züchter.
Das gerissene Fohlen stammt von einem Weltmeister-Hengst ab. Ein Verkaufspreis bis zu 10.000 Euro wäre möglich gewesen. Sollte sich herausstellen, dass es der Wolf war, kann er zumindest auf eine Ausgleichszahlung hoffen. George fordert nun, dass Wölfe künftig wieder gejagt werden dürfen.
Wolfsberater Martin Tripp will die Untersuchungen abwarten, bis er sich zu dem Vorfall äußern möchte. „Generell wird sich die Politik mit dem Thema beschäftigen müssen. Dazu gehört auch, dass sogenannte Vergrämungsmaßnahmen erlaubt werden.“

Bis zu drei Kilo Fleisch
Ein erwachsener Wolf benötigt täglich etwa zwei bis drei Kilogramm Fleisch. Er kann mehr als zehn Kilogramm Nahrung auf einmal aufnehmen. Die natürliche Nahrung des Wolfes besteht aus wildlebenden Huftieren. Dazu zählen Rothirsch, Wildschwein und Reh.

Wolf-Sichtungen
In Niedersachsen wird die Zahl der Wölfe derzeit auf 50 bis 60 geschätzt. Im Juli hatte das WOCHENBLATT darüber berichtet, dass möglicherweise eine Wolfs-Familie durch den Landkreis Harburg streift. Nachdem Katharina Heitmann einen Wolf in ihrem Garten gesehen haben will - sie wohnt in Jesteburg-Lüllau, am Rande eines Waldes -, meldete sich kurz darauf mit Harald Stöver ein weiterer Augenzeuge. Er wohnt etwas abgelegen Im Höpen bei Schierhorn. Das ist Luftlinie höchstens drei Kilometer von dort entfernt, wo Heitmann den Wolf gesichtet hat. Doch anders als die junge Frau aus Lüllau will Landwirt Stöver gleich eine ganze Wolfs-Familie beobachtet haben.

Keine Angst vor dem Wolf
Experten sagen, dass eine zufällige Begegnung von Mensch und Wolf sehr selten ist, da Wölfe den Menschen meist zuerst bemerken und sich dann zurückziehen. Dennoch sei ein Treffen, etwa bei ungünstigen Windverhältnissen, nicht gänzlich auszuschließen.
Grundsätzlich gelte: Wer einen Wolf sieht, sollte sich ruhig verhalten. „Bleiben Sie stehen und halten Sie Abstand“, heißt es auf der Homepage der Wolfsregion Lausitz. „Sprechen Sie das Tier ruhig an, falls es noch nicht auf Sie aufmerksam geworden ist. Bevor es verschwindet, versuchen Sie, sich sein Aussehen gut einzuprägen und melden Sie die Sichtung.“ Wem die Situation nicht geheuer ist, sollte nicht davonlaufen, sondern langsam rückwärts gehen und dabei laut sprechen. „Falls der Wolf sich Ihnen wider Erwarten nähert, halten Sie an, schreien Sie ihn an und klatschen Sie in die Hände“, so die Wolfs-Experten.

• Wer einen Wolf sieht, sollte sich an Hans Brackelmann unter der Rufnummer 04171 - 69 35 97 wenden. Er ist einer von von fünf Wolfsbeauftragten für den Landkreis Harburg.