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Nach Zeckenbiss ein Pflegefall

Sabine Engel leidet unter Lyme-Borreliose
 
Lauern im Gras: Zecken
 
Sabine Engel wurde durch einen Zeckenbiss zum Pflegefall
Die Jesteburgerin Sabine Engel (52) ist nach einem Zeckenbiss an Borreliose erkrankt und zum Pflegefall geworden. Jetzt engagiert sie sich für „OnLyme-Aktion.org“, ein Aktionsbündnis gegen zeckenübertragende Infektionen. Im Mai finden bundesweit Informations-Veranstaltungen statt - unter anderem in Hamburg.

mum. Jesteburg. „Alles begann kurz nach meinem 50. Geburtstag vor zwei Jahren“, erinnert sich Sabine Engel. Gemeinsam mit ihrer Familie war sie von Hamburg in die Nordheide gezogen. „Ich wollte ins Grüne und vor allem einen großen Garten.“ Doch dieser wurde ihr zum Verhängnis. Eines Tages sei sie abends aus dem Garten gekommen, und „um meinen Knöchel herum juckte es entsetzlich“, erinnert sie sich. In den nächsten Tagen entstand ein kreisrunder Ausschlag um das Sprunggelenk. „Wenn ich abends zur Ruhe kam, fühlte sich die Stelle heiß an und der Ausschlag wanderte immer höher.“ Die Jesteburgerin war von einer Zecke gebissen und mit Borreliose infiziert worden - doch das stellte sich erst später heraus.
Als es keine Besserung gab, ließ Engel einen Bluttest auf Borreliose machen. Doch das Ergebnis war negativ. Der Arzt vermutete, dass seine Patientin einfach nur erschöpft sei. Sabine Engel war für den Anfang beruhigt. „Doch dann bekam ich starke Gelenk- und Kopfschmerzen, nächtliche Schweißattacken und Lähmungserscheinungen“, erinnert sich die Jesteburgerin, die daraufhin erneut den Arzt aufsuchte. „Er diagnostizierte nun einen Pilz. Einen entsprechenden Hauttest machte er nicht.“ Zu diesem Zeitpunkt hatte sie, so weiß Engel heute, bereits das Frühstadium einer Borreliose hinter sich.

Weil die Borreliose-Erkrankung nicht rechtzeitig erkannt und behandelt wurde, ist die Jesteburgerin nun ein Pflegefall. Wenige Wochen nachdem der Arzt noch von einer Hauterkrankung ausgegangen war, schaffte es Sabine Engel morgens kaum noch aus dem Bett. „Meine Lymphknoten am Hals waren stark angeschwollen und ich fühlte mich vergrippt.“ Irgendwann im November 2014 ordnete der Arzt einen weiteren Bluttest an, da er Rheuma vermutete. Nun endlich folgte die richtige Diagnose - Borreliose. Sabine Engel musste 21 Tage Antibiotika nehmen. „Bereits zwei Wochen nach Beendigung der Antibiotika-Einnahme hatte ich erneut Symptome und bekam wieder Antibiotika.“ Im Mai 2015 suchte die Frau dann einen Spezialisten für Infektionskrankheiten auf. Bei diesem sei sie seitdem in Behandlung.
„Es gibt wenige Momente, in denen ich sagen kann, ich fühle mich besser“, sagt Engel. Die überwiegende Zeit müsse sie Antibiotika und Malariatabletten nehmen. „Die Malariatabletten sollen die Borrelien, die sich in Gelenken, Organen und Bindegewebe verstecken und das Immunsystem manipulieren, herauslocken. Dann wiederum muss man Antibiotika nehmen, um diese Viecher zu töten.“ Aufgrund der vielen Tabletten rebellieren bereits Magen, Darm, Leber und Nieren. Mittlerweile ist Engel ein Pflegefall. „Ich habe fast 15 Kilo zugenommen und bin ständig erschöpft“, so Engel. In den Garten geht sie nur mit Gummistiefeln. „Die Angst vor einem erneuten Biss ist einfach zu groß.“
Während eigener Recherchen über ihre Erkrankung ist Sabine Engel auf das Patientenforum von „OnLyme-Aktion.org“ gestoßen. „Dort konnte ich mich mit anderen Betroffenen austauschen, das hat mir sehr geholfen.“ Sie ist Mitglied geworden und möchte über die Krankheit aufklären. Unter anderem findet in Hamburg ein Aktionstag statt. Am Samstag, 7. Mai, von 10 bis 17 Uhr, informieren Mitglieder in der Fußgängerzone Spitalerstraße/Ecke Mönckebergstraße über Borreliose. „Mir ist es wichtig, den Menschen zu sagen, wie gefährlich Zeckenbisse sein können“, so Engel. Sie selbst empfiehlt jedem nach einem Biss sofort zu einem Arzt zu gehen. „Nur ein Mediziner sollte das Tier entfernen.“ Außerdem würde sie sofort prophylaktisch Antibiotika nehmen. „Hätte ich das gemacht, dann wäre ich jetzt gesund.“
• Mehr Informationen gibt es im Internet unter OnLyme-Aktion.org.

Eine Impfung ist nicht möglich

• Die oft einfach als Hirnhautentzündung bezeichnete Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) kommt nur in einigen Regionen Deutschlands vor, vor allem in Baden-Württemberg, Bayern und Südhessen. Jedes Jahr erkranken rund 300 Menschen an der Krankheit, die im schlimmsten Fall tödlich verläuft. Schutz bietet eine Impfung.
• Die Lyme-Borreliose kommt bundesweit vor - und eine Impfung gegen die Bakterienerkrankung ist bislang nicht möglich. Das Bakterium kann jedes Organ, das Nervensystem, die Gelenke und das Gewebe befallen und zu Spätfolgen führen. Wenn die Krankheit rechtzeitig festgestellt wird, ist sie jedoch sehr gut heilbar. Typisch für das Anfangsstadium ist die sogenannte Wanderröte: Wer nach ein bis vier Wochen einen roten Ring um die Einstichstelle feststellt, der sich nach außen ausbreitet, sollte einen Arzt aufsuchen.

Zecken lauern im Gras

• Der Mythos, dass sich Zecken von Bäumen fallen lassen, hält sich immer noch hartnäckig. Dabei lauern die blutsaugenden Spinnentiere meist auf Büschen und Sträuchern oder im hohen Gras auf ihre Opfer - und das schon im Frühjahr, wenn die Temperaturen bei sieben bis neun Grad liegen. Zecken fühlen sich auch in Hecken, Ziergehölzen und Blumenbeeten wohl.
• Mit den scherenartigen Beißwerkzeugen schlitzt die Zecke die Haut auf und sondert ein Sekret ab, das die Blutgerinnung verhindert und die Wunde betäubt. So bleibt die Attacke zunächst unbemerkt und der Blutsauger kann in aller Ruhe den Rüssel in die Wunde stechen. Eine Art Klebstoff, den sie dabei absondert, gibt der Zecke zusätzlichen Halt.
• Mit einem einfachen Test können Gartenbesitzer prüfen, ob auf dem Grundstück vermehrt Zecken vorkommen. Dafür wird einfach ein weißes Tuch wie eine Fahne an einem Stock befestigt und über Büsche und Sträucher gezogen. Die Tiere verfangen sich dabei mit ihren Krallen im Stoff.
• Man kann es Zecken möglichst ungemütlich machen: Da die Spinnentiere schattige und feuchte Stellen bevorzugen, hilft es, Laubansammlungen zu entsorgen und den Rasen nicht zu hoch wachsen zu lassen.

„Hautnah, langsam und kontrolliert“

• Die richtige Technik, um eine Zecke zu entfernen, ist abhängig von der Art des verwendeten Hilfsmittels. Wichtig bei allen Hilfsmitteln ist, dass die Zecke möglichst hautnah gegriffen wird. Dies verhindert ein Quetschen der Zecke und somit auch die Freigabe von möglicherweise gefährlichen Körperflüssigkeiten. Beim Verwenden von Zeckenhaken hat sich drehen anstatt ziehen bewährt. Zecken können sich bei diesen Drehungen nicht länger festhalten und lassen dann los.
• Bei einer Zeckenentfernung kann es durchaus vorkommen, dass Reste der Zecke in der Haut zurückbleiben. Hierbei handelt es sich jedoch nicht um den Kopf der Zecke, sondern um einen Teil des Stechapparates. Dieser kleine Fremdkörper wird meist von selbst nach einiger Zeit abgestoßen. Der vermeintliche „Zeckenkopf“ stellt also kein erhöhtes Gesundheitsrisiko dar.

Auch für Hunde gefährlich

Nicht nur für Menschen sind Zecken gefährliche Krankheitsüberträger. Auch für Hunde ist ein Biss gefährlich, denn Ehrlichiose, Babesiose, Frühsommer-Meningoenzephalitis oder Anaplasmose können die Folge sein. Diese Krankheiten können chronische Beschwerden verursachen und in einigen Fällen auch zum Tod führen.
Deshalb sollten Hundehalter die typischen Symptome kennen, um rechtzeitig gewarnt zu sein. Appetitlosigkeit, Erschöpfung, Gewichtsverlust, Lahmen und Fieber oder blutiger Urin können erste Anzeichen einer Infektion durch einen Zeckenbiss sein. Auch geschwollene Gelenke, Bewegungsstörungen oder sichtlich schmerzende Beine und Lahmheitserscheinungen sind Alarmzeichen, bei denen sofort ein Tierarzt aufgesucht werden sollte.
Gegen Zecken gibt es viele Mittel, den Anbiss kann jedoch keines von ihnen völlig verhindern. Besser ist es daher, den Hund nach jedem Spaziergang abzusuchen.