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Amors Pfeil traf auf der Flucht

Auf der Windmühle "Amana" in Grefenmoor: Yasmin und Manhal (Foto: Jörn Weidt)
 
Hochzeitsgäste in der Bauernscheune (Foto: Jörn Weidt)

Traumhochzeit auch ohne Geld: Flüchtlingshelfer bereiten Brautpaar aus Syrien wunderschönes Fest

tp. Düdenbüttel. Gute Freunde erfüllten Yasmin (31) aus Syrien, die in der Flüchtlingsunterkunft im ehemaligen Landhotel Grefenmoor im gleichnamigen Ortsteil von Düdenbüttel bei Stade lebt, ihren allergrößten Traum - eine Hochzeit ganz in Weiß. Ehrenamtliche mit Herz bescherten ihr und ihrem syrischen Bräutigam Manhal (31) mit viel Unterstützung großzügiger Menschen aus der Umgebung den schönsten Tag ihres Lebens.

"Es wurde immer größer, die Sache ist uns im positiven Sinne aus dem Ruder gelaufen", sagt die stellvertretende Bügermeisterin von Düdenbüttel, Marion Weidt, die sich mit einem Dutzend Ehrenamtlicher als Flüchtlingshelferin engagiert. Angefangen habe alles mit mit einer beiläufigen Bemerkung Yasmins: "Ich werde heiraten und möchte mit euch feiern."

Kindergärtnerin Yasmin schwärmte Marion Weidt schon wochenlang von ihrem "Märchenprinzen" Manhal vor. Der junge Mann, der arabische Literatur studierte und ebenfalls aus Syrien stammt, wohnt in einer Flüchtlingsunterkunft im ostdeutschen Erfurt. Das junge Paar lernte sich vor einiger Zeit in Deutschland in einem Internetforum kennen und lieben.

Nach wenigen, kurzen Treffen, bei denen Yasmin und Manhal viele Gemeinsamkeiten entdeckten und auch eine ähnliche Gechichte hatten, wie die beschwerliche Flucht über die Balkanroute und mit dem Schlauchboot sowie die schmerzliche Trennung von der Großfamilie daheim, beschlossen sie, zu heiraten. Yasmins Papa gab übers Telefon seinen Segen.

Mit Herzklopfen verriet die angehende Braut den Freunden den sehnlichsten Wunsch fast jeder Braut, der jedoch mangels Geldes und Möglichkeiten in ihrem Fall unerreichbar schien: eine Hochzeit in Weiß und ein fröhliches Fest mit allen Freunden.

Um ihr diesen Wunsch in der neuen Heimat zu ermöglichen, rollte eine Welle der Hilsfbereitschaft an. "Mehrere Flüchtlingsbetreuerinnen stellten ihre Brautkleider zur Verfügung", berichtet Marion Weidt. "Doch am Ende entschied sich Yasmin für ein Kleid aus dem Kostümverleih." Eine Dame mit Näh-Talent verzierte die Robe mit hübschen Perlen und schneiderte einen romantischen Schleier.

Marion Weidts Nachbarin Claudia Domke stellte eine Oldtimer-Limousine als Brautwagen gratis zur Verfügung. Den Brautstrauß mit roten Rosen sowie Blumenschmuck für die Feier stiftete Ute Klein, Inhaberin des Blumen- und Geschenke-Paradieses in Stade. Eine süße Hochzeitstorte spendierte die Bäckerei Richter aus Himmelpforten. Für das Fest wurde die Bauernscheune in Heinbockel zum Selbstkostenpreis gemietet. Fotograf Jörn Weidt machte romantische Fotos bei der Windmühle "Amanda" in Grefenmoor.

Yasmin und Manhal, die Muslime sind, gaben sich in der Moschee in Stade das Ja-Wort. Dann fand in der Bauernscheune die Multi-Kulti-Party mit Flüchtlingen und Helfern aus Grefenmoor statt. "Es wurde drei Stunden am Stück nur getanzt zu syrischer Musik", berichtet Marion Weidt. Alkohol gab es nicht. Soft-Getränke und Essen vom köstlichen selbst gemachten orientalischen Büffet rundeten die Feier ab. Überwältigt von der großen Hilfsbereitschaft und überglücklich, ihre große Liebe gefunden zu haben, weinte die Yasmin Freudentränen.

Da die Familien der Brautleute beim Fest in Düdenbüttel nicht dabei sein konnten, richteten sie in Syrien eigene Feiern aus und hielten die Impressionen und alle guten Wünsche in Filmen fest - für Yasmin und Manhal entstanden so zwei wunderschöne Hochzeitsgeschenke. Doch nicht nur von Eltern und Geschwistern bleiben die beiden vorerst getrennt. Für die frisch Vermählten, die sich sehnlichst ein oder zwei Kinder wünschen, bleibt es vorerst bei vereinzelten Treffen. Yasmin, die zu Manhal nach Erfurt in Thüringen ziehen will, darf bis zur offiziellen Anerkennung ihres Flüchtingsstatus' Niedersachsen nicht dauerhaft verlassen.