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"Farming 4.0": Die Landwirtschaft steht vor der vierten Revolution

Die Landwirtschaft der Zukunft ist vernetzt. Tablet oder Smartphone werden für jeden Bauern unerlässlich (Foto: Grafik CLAAS/msr)

(mi). Steht die Landwirtschaft vor einer neuen Revolution? In einem Vortrag beim Maschinenring Harburg mit dem griffigen Titel „Bits und Bytes anstatt Eisen und Stahl“ stellte Dr. Hermann Garbers vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) vor, wie landwirtschaftliche Produktionsprozesse schon in einigen Jahren aussehen könnten. Seine Prognose: Für den Landwirt der Zukunft werden Smartphone und Tablet genauso unerlässlich sein wie Traktor, Mähdrescher oder Maishäcksler.

Über neun Milliarden Menschen muss die moderne Landwirtschaft bei gleichbleibendem Bevölkerungswachstum im Jahr 2030 ernähren. Dr. Hermann Garbers ist sich sicher, allein mit neuen Anbaumethoden, optimiertem Saatgut und immer größeren Maschinen lässt sich dieses Ziel nicht erreichen. Landwirte von Morgen, so seine These, müssen zu Datenmanagern werden, um ihre Effizienz zu steigern. In nicht allzu ferner Zukunft werden Landmaschinen wie Mähdrescher und Traktor keine vom Menschen gesteuerten Stahlmonster mehr sein, sondern intelligente Maschinen, die über ein Netzwerk kommunizieren, selbstständig Daten austauschen, sammeln und in einer Cloud abspeichern. Diese Entwicklung habe bereits begonnen. Schon heute griffen immer mehr Maschinen auf satellitengestützte Steuerungssysteme zurück, errechneten Computer die genaue Spritzmittelmenge für jeden Boden. Vorstellbar sei, dass der Mähdrescher der Zukunft eigenständig Wetterdaten abrufe und seine Arbeitsweise automatisch der Witterung anpasse, sagt der Vertreter der Agrar-Maschienen-Wirtschaft. Nicht nur Maschinen sollen demnach in Zukunft untereinander kommunizieren, sondern der Landwirt werde von seinem Smartphone aus Zugriff auf alle für den Produktionsprozess relevanten Informationen und Akteure haben. Denkbar sei hier die Vernetzung mit Behörden, Maschinenherstellern, Wetterdiensten, etc. Künftig könnten dann mit einem Klick Prozesse optimiert, Ersatzteile bestellt, Düngemitteldokumentationen erledigt oder Saatgut ohne Zeitverlust geordert werden, erklärte Garbers. Herzstück dieses „Farming 4.0“ ist die Cloud, auf der alle Daten zusammenlaufen.
„Das 4.0 steht für die vierte Revolution in der Landwirtschaft“, sagt Garbers. Nach Mechanisierung, Kunstdünger und Industrialisierung seien Vernetzung und Datenmanagement ein neuer Meilenstein in der Geschichte der landwirtschaftlichen Produktion. Allerdings: Bevor vieles, was machbar scheint, Wirklichkeit werde, gelte es noch einige Probleme anzupacken. Dazu gehörten der Ausbau flächendeckender Breitbandverbindungen genauso wie ein Umdenken bei Maschinenherstellern. Denn absolute Voraussetzung für „Farming 4.0“ sei, dass auch Maschinen verschiedener Hersteller miteinander in Datenaustausch treten können.
Die Vision, dass in naher Zukunft nur noch unbemannte Maschinen über die Felder fahren, teilt Hermann Garbers aber nicht. „Der Bauer gehört auch in der Zukunft auf den Acker nur seine Aufgaben werden dabei andere sein“.