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"Wer tut so etwas?" Rollstuhlfahrer Juri Seibel Opfer dreister Autoknacker

Ella und Juri Seibel sind dringend auf ein Auto angewiesen
kb. Maschen. "Wir können nicht nachvollziehen, wer so etwas tut", Ella Seibel (63) und ihr Mann Juri (59) aus Maschen verstehen die Welt nicht mehr. Unbekannte haben aus dem VW Touran des Ehepaares Motorteile ausgebaut. Die Folgen für das Paar sind erheblich. Juri Seibel sitzt seit 30 Jahren im Rollstuhl und ist dringend auf den behindertengerechten Wagen angewiesen, denn er muss mehrmals in der Woche zum Dialysezentrum nach Buchholz. Doch die Versicherung zahlt keinen Ersatzwagen - weil es sich bei dem Vorfall nicht um einen Unfall gehandelt hat. Selber bezahlen kann das Ehepaar einen Leihwagen von der schmalen Rente nicht.
Der Vorfall ereignete sich am vergangenen Wochenende: "Wir waren zu einem Geburtstag eingeladen", erinnert sich Ella Seibel an Sonntagmittag. "Als wir zu unserem Auto kamen, fiel uns auf, dass die Seitenscheibe eingeschlagen war", erzählt die fürsorgliche Großmutter von neun Enkelkindern. Das Ehepaar verständigt die Polizei, die nimmt den Schaden auf. Weil offensichtlich nichts aus dem Innenraum gestohlen worden ist, denken die Seibels zunächst, dass alles nicht weiter schlimm sei. "Doch als wir den Wagen näher ans Haus fahren wollten, um dort die Scherben aus dem Innenraum zu saugen, lief plötzlich ganz viel Diesel auf die Straße", so Ella Seibel. Der Sohn des Ehepaares guckt daraufhin unter die Motorhaube - und staunt nicht schlecht. Diebe haben zahlreiche Leitungen, darunter auch die Kraftstoffzufuhr, gekappt und den Dieselkompressor ausgebaut. "Wir haben davon nichts mitbekommen", sagt Juri Seibel.
Dass Autoknacker es auf Navigationsgeräte oder Airbags abgesehen haben, ist nichts Neues. Doch ausgebaute Motorteile? "Eine absolute Ausnahme", bestätigt Polizeisprecher Johannes Voskors auf WOCHENBLATT-Nachfrage. Was an diesem Fall besonders fassungslos macht: Bereits auf den ersten Blick ist der Wagen als behindertengerechtes Fahrzeug zu erkennen. "Der Behindertenausweis meines Mannes liegt immer hinter der Frontscheibe, außerdem erkennt man am Lenkrad, dass der Wagen für einen Rollstuhlfahrer umgebaut wurde", sagt Ella Seibel. Das war den Dieben offensichtlich völlig egal. Rücksichtslos und mutwillig machten sie sich am Motor zu schaffen. "Dabei kosten die Teile, die ausgebaut wurden, gar nicht so viel", wundert sich das Paar.
Ein Nachbar macht das WOCHENBLATT auf die missliche Lage des Ehepaares aufmerksam. Seit dem Vorfall kann Ella Seibel kaum noch schlafen. "Mein Mann hat allein noch in dieser und der nächsten Woche sieben Arzttermine", erzählt sie. Seine Nierenwerte müssen regelmäßig überprüft werden, eine Dialyse droht. Die bescheidene Frau möchte nicht immer bei den Nachbarn um Hilfe bitten. "Wir haben zwar ein gutes Verhältnis zu unseren Nachbarn, aber ich kann da doch nicht ständig klingeln", sagt sie. Um Details in der Autowerkstatt in Meckelfeld zu klären, macht sie sich deshalb zu Fuß auf den Weg - fast vier Kilometer. Auch das Einkaufen zu Fuß ist beschwerlich. "Ich darf nicht mehr schwer tragen, weil ich mir vor zwei Jahren die Halswirbelsäule gebrochen hatte", erzählt Ella Seibel.
Das Ehepaar hofft nun, dass ihr Auto möglichst schnell repariert wird, damit sie nicht länger auf die Hilfe anderer angewiesen sind. Und wünscht sich weniger Gedankenlosigkeit. "Hier in der Straße werden öfter mal Autos aufgebrochen oder zerkratzt. Die Täter sollten darüber nachdenken, was sie anrichten."