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"Müssen 145 Bäume sterben?"

Am Herrendeich sollen insgesamt 40 Eichen, 44 Birken, 20 Pappeln sowie zahlreiche Eschen, Buchen, Erlen und Kastanien gefällt werden
Kahlschlag am Herrendeich: Rainer Weseloh zweifelt Argumente des Deichverbandes für Fällungen an

kb. Seevetal. Am Herrendeich bei Hörsten (Seevetal) droht der Kahlschlag. Wie am vergangenen Mittwoch im WOCHENBLATT berichtet, plant der zuständige Deichverband, dort Dutzende stattliche Eichen und viele weitere Bäume fällen zu lassen. Die Maßnahme wird mit der Deichsicherheit begründet. Rainer Weseloh, Mitbegründer der Bürgerinitiative gegen die geplante Raststätte bei Meckelfeld und Gemeinderatsmitglied der Grünen, kritisiert die Maßnahme wie viele Seevetaler scharf.
Bereits den umfassenden Kahlschlag am Meckelfelder Seevedeich im letzten und vorletzten Winter habe der Deichverband mit der Deichsicherheit begründet, erklärt Rainer Weseloh. Jetzt habe der Deichverband zumindest einen dieser Deichabschnitte der Gemeinde Seevetal zur Übernahme angeboten, weil er nicht mehr der Deichsicherheit diene. „Man kann auf den Gedanken kommen, dass die bisherigen Fällaktionen nicht der Deichsicherheit, sondern eher der Brennholzgewinnung dienten“, so Weseloh.
Am Herrendeich bei Hörsten sind jeweils unten am Stamm 145 kerngesunde Bäume und ein toter Baum durch den Deichverband mit einem neongrünen Strich markiert und stehen offenbar zur Fällung an. Nach den Worten des Deichhauptmanns Hermann Langerbein sollen jedoch nur „kranke Bäume und ein paar kleine Eichen“ fallen. „Warum werden dann 145 kerngesunde Bäume markiert ?“ fragt sich Weseloh.
Was viele nicht nachvollziehen können: Nach Jahrzehnten ihres Wachstums sollen diese Bäume plötzlich die Deichsicherheit gefährden. Und das, obwohl das Seevesiel seit 50 Jahren zuverlässig das Junkernfeld und Hörsten vor Sturmfluten und großem Wasserdruck auf den Herrendeich schützt. „Wenn die Seeve gelegentlich nach Starkregen in Verbindung mit Hochwasser in der Elbe über ihre Ufer tritt, erreicht sie kaum den Deichfuß bei Hörsten oder den Herrendeich “, weiß Rainer Weseloh. Es werde auch kein Wasserdruck aufgebaut, der diese radikale Aktion rechtfertigen würde. „Muss vielleicht der Begriff Deichsicherheit für die Deiche bei Hörsten neu definiert werden?“, fragt sich der Ratsherr der Grünen.
Nur ein kleinerer Teil der zur Fällung markierten Bäume steht im Naturschutzgebiet „Untere Seeveniederung“. Über deren Fällung entscheidet die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Harburg nach sorgfältiger Abwägung. Die außerhalb des Naturschutzgebietes stehenden Bäume sind dagegen ungeschützt. „Trotz jahrzehntelanger Bemühungen gibt es in Seevetal noch immer keine Baumschutzsatzung, die das Fällen wertvoller Bäume wie dieser verhindern würde“, kritisiert Weseloh.
Einen Ausgleich für die gefällten Bäume zu schaffen, würde bedeuten, mindestens 300 Bäume in gleicher Zusammensetzung in der Nähe linienförmig anzupflanzen und über Jahrzehnte verbindlich zu erhalten, so Weseloh. Er bezweifelt, dass es dazu kommen wird.