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"Nie die Arbeit gescheut": Elsa Bauer feiert 100. Geburtstag

"Hätte nie gedacht, dass mein Lebensabend so schön wird.": Elsa Bauer feiert 100. Geburtstag
kb. Hittfeld. "Bescheidenheit und Dankbarkeit - das wird bei mir ganz groß geschrieben", sagt Elsa Bauer. Mit dieser Einstellung hat die rüstige Seniorin offensichtlich ein Geheimrezept für ein langes Leben gefunden, denn am heutigen Samstag, 11. Februar, feiert Elsa Bauer ihren 100. Geburtstag. Sie lebt im Altenpflegeheim Haus Kirchberg in Hittfeld, wo sie sich rundum wohl fühlt. "Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal einen so schönen Lebensabend verbringe", sagt die Jubilarin.
Elsa Bauer wurde 1917 in Stettin geboren. "Stettin war eine wichtige Hafenstadt mit großen Werften", erinnert sie sich. Die kleine Elsa kam als viertes Kind ihrer Eltern zur Welt und war ein echtes Nesthäkchen. Allzu optimistisch, dass das kleine Mädchen den Winter 1917, in dem es nur wenig zu essen gab, übersteht, waren die Nachbarn jedoch nicht. "Die haben ins Körbchen geguckt, in dem ich lag, und meinten: Das Kind kriegen die Leute nicht groß", erzählt Elsa Bauer, die mit ihrem stolzen Alter alle Zweifler Lügen straft.
Der zweite Weltkrieg stellte die entscheidenden Weichen im Leben von Elas Bauer, die in Stettin als Chefskeretärin eines alteingesessenen Familienunternehmens arbeitete. Ihr späterer Mann Karl stammte aus Niedersachsen und kam als Soldat nach Stettin, wo sich die beiden kennenlernten. 1938 fand die Verlobung statt, am 4. November 1939 folgte die Hochzeit. Wenige Jahre später wurde Sohn Karl-Heinz geboren. Doch Zeit, das junge Familienglück zu genießen, gab es nicht. Elsa Bauers Mann war im Krieg, sie selbst floh gegen Kriegsende mit dem kleinen Sohn auf dem Arm und nur wenigen Habseligkeiten bepackt gen Westen. Über Umwege landete die kleine Familie schließlich in Bevensen, wo sie eine kleine Wohnung und ein kleines Stück Garten bekam. "Für mich war das alles total neu, ich war ja die Großstadt gewöhnt", erinnert sich Elsa Bauer. Garten- und Feldarbeit, Tierhaltung - die junge Frau übernahm viele neue Aufgaben. "Ich hab' einfach mitangepackt und nie die Arbeit gescheut", sagt Elsa Bauer. Später lebte die Familie in Harburg-Sinstorf. 1981 starb Karl Bauer mit nur 67 Jahren.
Familie ist bis heute das Wichtigste für Elsa Bauer, die inzwischen zwei Enkel und drei Urenkel hat. "Zum Glück verstehen sich alle gut", sagt sie. Am Leben im Seniorenheim nimmt die regen Anteil. "Ich mach alles mit, besonders das Vorlesen und Singen macht mir Spaß, aber auch die Gymnastik", erzählt die Seniorin. Weil sie wegen einer Augenerkrankung nicht mehr gut sehen kann, hört sie gerne Radio. "Ich liebe Musik, aber natürlich hat mich auch Politik immer interessiert." An ihrem heutigen Geburtstag freut sie sich vor allem auf eins: Das Ständchen vom Frauenchor Fleestedt, bei dem sie 45 Jahre Mitglied war.
Für die Zukunft wünscht Elsa Bauer sich, dass sie geistig so fit bleibt wie sie ist. Und auch wenn ihr Leben nicht immer leicht war und der Verlust der Heimat sie bis heute schmerzt, sagt sie: "Wenn ich alle glücklichen und alle unglücklichen Zeiten in eine Waagschale lege, und am Ende beides gleich schwer wiegt, dann ist es gut."