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"Burg Seevetal" bekommt noch eine Chance

Der Saal ist für die Ratssitzung hell erleuchtet: Man sieht der Burg Seevetal nicht an, dass sie für grundlegend saniert werden muss
kb. Seevetal. „Geben Sie der Burg Seevetal noch eine Chance!“ Mit diesem Appell richtete sich Ingo Knedel, Leiter Gebäudewirtschaft, auf der Gemeinderatssitzung am vergangenen Donnerstag an die Vertreter der Politik. Die sprachen sich zwar einstimmig gegen den Beschlussvorschlag der Verwaltung aus, das Veranstaltungszentrum für rund 6,5 Millionen Euro zu sanieren, aber die Existenz der Burg ist dennoch vorerst nicht bedroht: SPD, Grüne, Freie Wähler und Axel Bittner (Die Linke) brachten erwartungsgemäß ihren interfraktionellen Antrag mit 22 Stimmen gegen das Votum von CDU und FDP (16 Stimmen) durch.
Der Antrag sieht vor, dass die Verwaltung das Sanierungskonzept noch einmal dahingehend prüft, ob in der „Burg“ zusätzlich auch ein Dorfgemeinschaftshaus untergebracht werden kann. Untersucht werden soll auch, ob eine Nutzungsoptimierung und Mehrzwecknutzung von Räumen möglich ist. Außerdem soll das Veranstaltungsmanagement in der „Burg“ untergebracht und das Veranstaltungszentrum weiterhin für gewerbliche, private und kommunalpolitische Zwecke genutzt werden. In der Sitzung wurde der Antrag dahingehend ergänzt, dass eine Arbeitsgruppe eingerichtet wird, die ein Konzept erarbeitet.
Der Abstimmung vorausgegangen war eine lebhafte Debatte. Zunächst begründete Hittfelds Ortsbürgermeister Norbert Fraederich, warum CDU und FDP die „Burg“ nicht für 6,5 Millionen sanieren wollen. „Erfüllt die Burg wirklich den Wunsch der Gründer, kultureller Mittelpunkt der Gemeinde zu sein? Eher nicht!“, so Fraederich. Das kulturelle Angebot in Seevetal habe sich in großen Teilen auf die Dorfgemeinschaftshäuser verlagert, lediglich die gewerbliche Nutzung der „Burg“ laufe gut. „Aber muss das vom Steuerzahler bezahlt werden?“, fragte Fraederich.
„Wir liegen in unserer Bewertung deutlich näher bei Herrn Knedel“, so Heiner Steeneck (SPD) zum interfraktionellen Antrag. „Wir bleiben dabei, dass wir die Burg für wichtig und unverzichtbar halten.“ Es sei die einzige Möglichkeit in der Gemeinde, große Veranstaltungen durchzuführen. Dennoch müsse das derzeitige Konzept noch einmal überprüft werden. „Wir brauchen ein intelligentes und wirtschaftliches Nutzungskonzept“, so Steeneck.
Kurz vor der Abstimmung ergriff dann Bürgermeisterin Martina Oertzen das Wort. Es sei positiv, dass Schwung in die Sache gekommen sei, „aber wir sollten das Thema noch einmal vertagen“, so Oertzen. „Lassen Sie uns die Zeit nehmen. Ich möchte die Burg heute nicht aufgeben. Lassen Sie uns noch einmal alles auf Null stellen!“ Es folgte ein Antrag der Bürgermeisterin auf Einrichtung einer ergebnisoffenen Arbeitsgruppe. Der letztlich mit 16 Ja- (CDU und FDP) zu 22 Nein-Stimmen ebenso scheiterte wie der Antrag von CDU und FDP gegen die Sanierung.
In Kürze wird nun die konstituierende Sitzung der Arbeitsgruppe im Sinne des interfraktionellen Antrags von SPD, Grünen, Freien Wählern und Axel Bittner (Die Linke) stattfinden. Bis zur nächsten Gemeinderatssitzung im Juni soll ein tragfähiges Konzept für die „Burg“ erarbeitet werden.

KOMMENTAR

Noch einmal alles auf Null?

Die Debatte im Gemeinderat war lebhaft, aber recht sachlich. Die knifflige Lage schien allen Ratsmitgliedern bewusst. Es sah am vergangenen Donnerstag wirklich nicht so aus, als bestehe die Gefahr, dass die Politik leichtfertig eine Entscheidung übers Knie brechen wird. Und dann kam plötzlich der Vorstoß von Martina Oertzen. Sie wolle noch einmal alles auf Null drehen, eine ergebnisoffene Arbeitsgruppe ins Leben rufen, die Burg nicht einfach aufgeben. Doch diese Gefahr bestand gar nicht, die Mehrheitsverhältnisse im Rat waren klar. Mit ihrem Antrag hat Oertzen sich letztlich gegen die sehr gründliche Arbeit ihrer eigenen Verwaltung gestellt. Warum? Das wird wohl nur sie selbst wissen. Der Versuch, kurz vor der Entscheidung den Ball noch einmal komplett zurückzuspielen, war in meinen Augen ein großer Fehler. Politiker müssen Entscheidungen treffen, dafür wurden sie gewählt. Und mag manches Votum auch unpopulär sein, ist es allemal besser, als ständig zu vertagen und Unvermeidbares vor sich her zu schieben. Katja Bendig