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Bürokratie-Irrsinn für Mini-Brücke: Neue Estebrücke in Welle hängt wieder

Bürgermeister Gerd Schröder freut sich, dass die neue Estebrücke endlich eingesetzt werden konnte
 
Es kommt eine Brücke gefahren...
bim. Welle. Das war ein großer Moment in der kleinen Gemeinde Welle: Am Mittwoch wurde innerhalb von zwei Stunden die vor fast zwei Jahren durch ein holländisches Militärfahrzeug zerstörte Estebrücke bei Hoinkenbostel entfernt und die neue Brücke aufgesetzt. Damit ist der bei Reitern und Spaziergängern beliebte Wanderweg wieder uneingeschränkt nutzbar. Die Mitglieder des Gemeinderates und ansässige Landwirte ließen sich das Schauspiel nicht entgehen.
Im August 2015 hatte ein Militärfahrzeug die Brücke widerrechtlich befahren und so massiv beschädigt, dass sie wegen Einsturzgefahr gesperrt werden musste und nur noch von Fußgängern genutzt werden konnte. Ein Landwirt war seitdem von seinen Ländereien abgeschnitten und musste größere Umwege in Kauf nehmen.
Um das Geld für eine neue Brücke erstattet zu bekommen, nahm Welles Bürgermeister Gerd Schröder damals Kontakt zur Schadensausgleichstelle des Ministeriums auf. Nach sechs Wochen erhielt er jedoch die Nachricht, dass zur besagten Zeit keine Militärverbände in der Gegend gewesen seien - obwohl die breite Fahrspur eindeutig war und mehrere Bürger aus Welle und Umgebung berichteten, holländische Militäraufklärer gesehen oder mit ihnen gesprochen zu haben. Doch weil beim Ministerum nichts angemeldet war, bleibt die Gemeinde auf den Brücken-Kosten von 25.000 Euro sitzen.
Und nicht nur das: Aufgrund bürokratischer Hürden verzögerte sich der Wiederaufbau. So musste ein Bauantrag samt Statikberechnung gestellt und diese noch einmal von einem externen Prüfer begutachtet werden. Obwohl die alte Brücke bereits seit 1976 existierte, musste Gerd Schröder alle Nachbarn befragen, ob sie mit dem Neubau der Brücke einverstanden sind. „Samt schriftlicher Einverständniserklärung und Flurstückbezeichnung“, so Schröder. Weiterhin musste ein Bodengrundgutachten mit vier jeweils zwölf Meter tiefen Bohrungen beigebracht werden, um nachzuweisen, dass die Fundamente nicht abrutschen. Allein das verschlang 2.000 Euro.
Wie gut, dass Zimmerer Peter Hinrichs aus Tostedt und Kranführer Ralf Bartels von der Hollenstedter Firma Knorr zur zupackenden Zunft gehören. Sie leisteten wahre Präzisionsarbeit in dem beengten Arbeitsbereich, bis die neue, vier mal acht Meter große Holzbrücke eingeschwenkt, in Position gebracht und schließlich auf die vor rund zwei Wochen gegossenen Betonfundamente aufgesetzt werden konnte. Während das alte „Gerippe“, wie Peter Hinrichs die Brücke nannte, immerhin noch vier Tonnen wog, hat die neue Brücke ein Gewicht von 5,5 Tonnen. Damit sie nicht wieder durch ein zu schweres Fahrzeug beschädigt wird, folgt demnächst eine Beschilderung mit der maximalen Belastbarkeit von 3,5 Tonnen.


Kommentar: Entscheidungen zum Selbstzweck

Auf größtmögliche Sicherheit bei Bauwerken zu setzen, ist gut und richtig. Dass ein ehrenamtlicher Bürgermeister aber eine solche Odyssee absolvieren muss, um eine Mini-Brücke genehmigen zu lassen, hat etwas von einer schlechten Parodie. Ein Gutachten fürs Gutachten, ein schriftliches nachbarschaftliches Einverständnis für eine Brücke, die über 40 Jahre lang niemanden gestört hat, und ein Bodengrundgutachten, als ob die Este-Ufer eine Stahlkonstruktion zu tragen hätten, werfen die Frage auf, ob die Behördenvertreter noch im Sinne der Allgemeinheit handeln oder vielmehr Gutachtern die Auftragsbücher füllen wollen.
Auch wenn Gerd Schröder die Genehmigungs-Chronologie lächelnd und sachlich-gelassen schildert. Mich macht es wütend, dass Ehrenamtliche solchem Bürokraten-Selbstzweck ausgeliefert sind und einige tausend Euro mehr Steuergelder als nötig ausgegeben werden mussten.
Bianca Marquardt