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Kakenstorfer wollen bei Gewerbegebietserweiterung mitreden

Bei den Flächen handelt es sich neben der diskutierten Erweiterung der Eichenhöhe in Richtung Heidberg und Ahornallee (1) um eine Erweiterung auf der gegenüberliegenden Straßenseite der B75 (2) sowie eine Vergrößerung des Gewerbegebietes jenseits der alten Bahnfläche Richtung Trelde (3) (Foto: Repro: MSR)
 
WG-Ratsherr Carsten Kröger
bim. Kakenstorf. Bei der Diskussion um die Erweiterung des bestehenden Gewerbegebietes in Kakenstorf hatte die Verwaltung die Rechnung ohne die Bürger gemacht: Ohne vorherige Information in einer Einwohnerversammlung sollte der Rat über die Aufstellung des entsprechenden Bebauungsplanes beschließen. Doch viele der rund 80 Bürger bei der Versammlung im Gasthaus „Zum Estetal“ sprachen sich in einer Sitzungsunterbrechung vehement dagegen aus. Stattdessen sollen nun drei Varianten einer möglichen Gewerbegebietserweiterung genauer geprüft werden, die bereits im Jahr 2012 vorgestellt worden waren.
Bei den Flächen handelt es sich neben der diskutierten Erweiterung der Eichenhöhe in Richtung Heidberg und Ahornallee um eine Erweiterung auf der gegenüberliegenden Straßenseite der B75 sowie eine Vergrößerung des Gewerbegebietes jenseits der alten Bahnfläche Richtung Trelde.
Das Thema sei in diesem Jahr wieder auf die Agenda gekommen, da die im Gewerbegebiet Eichenhöhe ansässige Firma Vink Chemicals erweitern wollte, was letztlich nicht geschah. Dennoch wollte man nun klären, ob es Sinn mache, eine Gewerbegebietserweiterung weiter zu verfolgen, so Bürgermeister Heiko Knüppel (CDU). Das sei „ein gutes Stück Existenzfürsorge für Kakenstorf“, so Knüppel mit Blick auf wohnortnahe Arbeitsplätze und Gewerbesteuereinnahmen.
Stadtplaner Karsten Schwormstede und Wilfried Seyer von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft im Landkreis Harburg (WLH) stellten die Planungen vor. Demnach könnte die Erschließung verlängert, ein neuer Wendehammer geschaffen und die Einmündung des Heidbergs auf die B75 aufgehoben werden. Im späteren Bebauungsplanverfahren seien Entwässerungs- und Ausgleichsfragen zu klären sowie Lärmemissionsgutachten einzuholen, so Schwormstede.
Das Gewerbegebiet Eichenhöhe sei 2001 das erste gewesen, das die WLH im Landkreis gebaut habe, berichtete Wilfried Seyer. Die Gemeinde sei in den vergangenen Jahren gewachsen, da sei es nicht falsch, dass die Arbeitsplätze mitwachsen.
In der Erweiterung des Gewerbegebietes könnten fünf bis sechs Betriebe entstehen. Wilfried Seyer betonte, dass die WLH nie ein Gebiet entwickeln würde, wenn der Rat nicht zustimme. Die WLH-Gewerbegebiete seien bisher nicht negativ in den Schlagzeilen gewesen. „Wir geben uns große Mühe, die Gebiete in die Landschaft und das ‚Schutzgut Mensch‘ einzubinden“, so Seyer.
Dass eine Nachfrage nach Gewerbeflächen besteht, daran hat der WLH-Geschäftsführer keinen Zweifel. Die Flächen in der Nachbarschaft seien weitgehend ausverkauft. „Die Nachfrage entsteht, wenn ein Plan fertig ist und Bagger im Gelände stehen“, sagte Seyer. Außerdem könnten die in Zukunft niedriger werdenden Einkommenssteueranteile durch die zusätzlichen Gewerbesteuereinnahmen ausgeglichen werden.
Carsten Kröger von der Wählergemeinschaft (WG) wollte das Gesagte so nicht akzeptieren. Derzeit blieben 540.000 Euro an Einkommenssteuer in der Gemeinde, von den 1,1 Millionen Euro Gewerbesteuer in diesem Jahr jedoch lediglich 10.000 Euro. Auch sei dem Rat bei der vorherigen Ansiedlungspolitik manches anders „verkauft“ worden, als es sich später in der Realität dargestellt habe.
Die Steuerargumentation sei „zu kurz gegriffen“, so Bürgermeister Knüppel. Schließlich fließe der Rest der Gewerbesteuer als Umlage an die Samtgemeinde Tostedt und den Landkreis, die u.a. den öffentlichen Personennahverkehr und Schulen betreiben.
Reinhard Hinrichs (SPD) beurteilte die Einwände als berechtigt. „Wenn es uns nicht gelingt, die Erweiterung verträglich hinzukriegen, werden wir nicht zustimmen“, sagte er.
Dann hatten die Einwohner das Wort. Insbesondere die Anlieger von Heidberg und Ahornallee befürchten eine Minderung von Wohnqualität und Grundstückspreisen sowie zusätzlichen Lärm und Verkehr. Kakenstorf müsse seinen dörflichen Charakter erhalten. Auch sahen viele keinen Bedarf, das Gewerbegebiet zu erweitern.
Nach teils flammenden Worten erklärte Bürgermeister Knüppel: „Die Stimmung ist bei uns angekommen.“ Die Gemeinde will nun die Prüfung der drei Varianten zur Gewerbegebietserweiterung mit dem Landkreis und anderen Beteiligten zum Abschluss bringen.