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"Ich habe keine Berührungsängste": Schauspieler Mathieu Carrière im WOCHENBLATT-Interview und auf Theatertournee

"Das ist meine erste Komödie": Mathieu Carrière (sitzend) ist in "Unsere Frauen" auch an der Seite von Ulrich Bähnk zu sehen (Foto: Bo Lahola)
ce. Landkreis. "Ich habe vom Massenmörder bis zum indischen Liebhaber alles gespielt und keine Berührungsängste." Das sagt der international bekannte Film-, Fernseh- und Theaterstar Matthieu Carrière (65, "Der junge Törless", "Die flambierte Frau"), der jetzt in der Komödie "Unsere Frauen" in Winsen und Buxtehude zu sehen ist. Im Stück von Jean-Claude Berutti beichtet ein Mann seinen Freunden, dass er im Affekt seine Frau getötet hat, und bringt die Kumpels so in mehr oder weniger große Gewissensnöte. Im Interview mit WOCHENBLATT-Redakteur Christoph Ehlermann spricht Mathieu Carrière über die Komödie, die Verarbeitung von Schicksalsschlägen und den Stellenwert des Schauspieler-Berufes im In- und Ausland.
WOCHENBLATT: Herr Carrière, was hat Sie an dem Stoff von "Unsere Frauen" gereizt?
Mathieu Carrière: Der Stoff hat mich gereizt, da es sich um meine erste Komödie handelt. Seit 50 Jahren wünsche ich mir, die Leute auch mal zum Lachen zu bringen. Für das Stück musste ich nun quasi ein neues Instrument lernen. Das war aber nicht schwer, weil ich große Lust darauf hatte.
WOCHENBLATT: Sie haben in jüngster Zeit schwere Schicksalsschläge verkraften müssen: Innerhalb von gut zwei Jahren verstarben Ihre Mutter, Ihre Schwester und Ihr Vater. Hat es Sie viel Kraft gekostet, in "Unsere Frauen" mit dem Thema Tod auf lustige Weise umgehen zu müssen? Oder war das Stück eine Art Therapie bei der Trauerarbeit?
Carrière: Das Theaterspielen ist keine Therapie. Aber Trauer ist hauptsächlich auch Arbeit. Jede Form von Arbeit - egal, ob sie nach außen oder innen gerichtet ist - verändert einen. Man wird auch innerlich reicher dadurch.
WOCHENBLATT: Auf der Bühne stehen Sie in "Unsere Frauen" mit Ihrem Cousin Justus, zu dem Sie Jahrzehnte keinen Kontakt hatten und den Sie erst jetzt wiedergetroffen haben. Erleichtert die Zusammenarbeit im Theater die private Wiederannäherung?
Carrière: Es macht sehr viel Spaß. Man lernt sich auf der Bühne besser kennen als im wirklichen Leben, weil man auf der Bühne aus der Begegnung heraus etwas gestalten muss und kann.
WOCHENBLATT: Sie haben in vielen anspruchsvollen Kino- und TV-Produktionen mitgewirkt, aber auch in seichten Formaten wie dem "Dschungelcamp", "Frauentausch" oder "Let's Dance". Warum?
Carrière: Ich war neugierig auf die für mich neuen Formate. In Sendungen wie dem Dschungelcamp konnte auch über meinen Kampf für die Rechte von Trennungs- und Scheidungskindern sprechen und habe damit ein Millionenpublikum erreicht.
WOCHENBLATT: Für Ihr gesellschaftliches Engagement unter anderem beim Einsatz für Trennungskinder und für Ihre künstlerischen Verdienste erhielten Sie in Frankreich die Ritterwürde der Ehrenlegion. Fühlen Sie Ihren Berufsstand auch in Deutschland genügend anerkannt?
Carrière: In Deutschland sind Schauspieler meist weisungsgebundene, austauschbare Angestellte. In Frankreich gehören sie zum öffentlichen Leben und engagieren sich mehr in der Gesellschaft. Bei uns gilt stattdessen meist: Schuster, bleib bei deinen Leisten.
WOCHENBLATT: Mit welchen Kollegen haben Sie besonders gerne zuammengearbeitet? Und mit wem würden Sie gerne einen Film oder ein Stück realisieren?
Carrière: Ich habe es beispielsweise genossen, mit Schauspielerkollegen wie Thomas Thieme und Gérard Depardieu, mit dem belgischen Regisseur André Delvaux oder jetzt mit seinem französischen Kollegen Jean-Claude Berutti zusammenarbeiten. Gerne würde ich verstärkt wieder mit jungen Leuten drehen.
WOCHENBLATT: Sie wohnen mit Ihrer Tochter Elena in einer WG in Hamburg. Wie klappt das generationsübergreifende Zusammenleben?
Carrière: Ich bin endlich der "Familienonkel", der ich immer sein wollte. In der WG ist es super.
WOCHENBLATT: Wobei können Sie am besten entspannen?
Carrière: Wenn ich in der WG einen schlechten Film mit einem guten Joint sehe. Ich kämpfe für eine Legalisierung von Cannabis. Es ist neben Aspirin das beste Heilmittel.
WOCHENBLATT: Vielen Dank für das offene Gespräch.

• In der Komödie "Unsere Frauen" ist Mathieu Carrière am Dienstag, 3. November, um 20 Uhr in der Winsener Stadthalle (Luhdorfer Straße 29, Karten unter www.kulturverein-winsen.de) zu erleben und am Mittwoch, 4. November, um 20 Uhr auf der Halepaghen-Bühne in Buxtehude (Konopkastraße 5, Tickets unter Tel. 04161 - 5012323).