Zukunftskonzept Apensen 2030: Bürger werten aus bei Strategie-Workshop
So sehen die Apenser ihre Gemeinde

Die Grundversorgung in Apensen ist gut, finden die Anwohner. Wünsche gibt es trotzdem, besonders in den Bereichen günstiger Wohnraum und Gastronomie
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ab. Apensen. Wie soll sich Apensen bis zum Jahr 2030 entwickeln? Rund 40 Bürgerinnen und Bürger sowie Mitglieder aus Vereinen und Institutionen nahmen jüngst im Schulzentrum Apensen am Strategie-Workshop der Gesellschaft für regional-wirtschaftliche Forschung und Beratung, "regecon", teil. "Es sind weniger gekommen als erhofft, aber mehr als befürchtet", so das Resümee von Thilo Ramms. Dennoch sei es eine Veranstaltung mit positiven Gesprächen gewesen. Einer der größten Wünsche der Workshop-Teilnehmer: bezahlbarer Wohnraum.
Bevölkerung und Wohnen, Wirtschaft und Arbeit, Freizeit, Sport und Kultur, Bildung und Soziales, Mobilität und Erreichbarkeit sowie Nachhaltigkeit: Sechs Themenfelder, verteilt auf vier Stände, gab es. Ähnlich dem Ampelsystem konnten die Teilnehmer ihre Meinung mit grünen, gelben und roten Aufklebern darstellen. Für eine Gemeinde mit ca. 4.200 Einwohnern sei die geringe Beteiligung nicht ungewöhnlich, meint Ramms. "Solche Zahlen kennen wir auch aus anderen Kommunen und Städten." Doch aus den Ergebnissen lässt sich ablesen, was die Bewohner Apensens umtreibt. Hier ein Auszug der Ergebnisse mit Kommentaren von Sabine Benden, allgemeine Vertreterin der Samtgemeinde-Bürgermeisterin Petra Beckmann-Frelock:

Bevölkerung und Wohnen
Bezahlbarer Wohnraum ist den Apensern besonders wichtig. Kleiner und günstiger Wohnraum fehlt, der älteren als auch jüngeren Menschen entgegenkommt. Zudem gibt es zu wenige Grünflächen im Ortskern. Als Chance werden alternative Wohnformen wie z.B. Tiny Houses oder Mehrgenerationensiedlungen gesehen. 
Sabine Benden: "Der Gesetzgeber hat gerade erlassen, dass Neubauten mit mehr als vier Wohnungen barrierefrei sein müssen, und zwar vom Bad bis zum Fahrstuhl. Barrierefrei bauen ist teurer: Für die Entwicklung von kleinem und günstigem Wohnraum ist das ungünstig. Wenn Häuser mehrstöckig gebaut werden können, ist das sinnvoll, das gilt aber nicht in Apensen. Hier ist bei zwei Stockwerken plus Dachgeschoss Schluss. Bedeutet, Bauträger können kaum günstigen Wohnraum in Apensen herstellen."

Wirtschaft und Arbeit
Es mangelt an Gastronomie und Mode- und Fachgeschäften. Andererseits werden gute Einkaufsmöglichkeiten sowie leistungsfähige Großbetriebe in der Gemeinde und die Nähe zu wichtigen Arbeitgebern wie Airbus oder Hafen Hamburg gelobt. 
Benden: "Mehr Gastronomie anzubieten, wurde schon versucht, ist aber an der Nähe zu Buxtehude gescheitert. Dort gibt es ein großes Angebot. Ähnlich sieht es bei Modegeschäften aus: Eine große Auswahl decken Mittelzentren ab, Apensen ist zu klein."
 
Bildung, Soziales und Gesundheit
Als positiv wird die Grundversorgung genannt, auch Kinderbetreuung, Schulbildung und die hausärztliche Versorgung seien gut, ebenso die Bücherei und das Jugendzentrum. Doch ist die Kinderbetreuung ausbaufähig und es gibt zu wenige Fachärzte vor Ort. Auch die fehlende Integration von Neubürgern wurde bemängelt und ein Risiko beim Lehrermangel gesehen.
Benden: "Bei der Auswertung der ,regecon'-Umfrage zum Freizeitverhalten (das WOCHENBLATT berichtete) haben wir festgestellt, dass Neubürger oft nicht wissen, welche Angebote es in der Samtgemeinde gibt. So wurde häufig der Wunsch nach einem Freibad geäußert, dabei gibt es ein Naturbad in Sauensiek. Wir wollen zukünftig Neubürgern einen Begrüßungsbeutel mit sämtlichen Informationen überreichen. Auf den Lehrermangel haben wir als Gemeinde keinen Einfluss. Und Fachärzte sind nur für Stade, Buxtehude und Harsefeld zugelassen."

Freizeit, Sport und Kultur
Zu den Stärken zählen die Sportangebote der Vereine, Angebote für Senioren sowie die Natur und Landschaft außerhalb von Apensen. Es fehlten dafür öffentliche Treffpunkte, Bolzplätze und für Jugendliche beispielsweise eine Skaterbahn. 
Benden: "Öffentliche Treffpunkte anzubieten, wird schwierig. Es gibt kaum gemeindeeigenen Grund. An den Sportplätzen sind wir dran, ab Herbst laufen die Ausschreibungen. Die Spielplätze werden ebenfalls ins Visier genommen und die gut besuchten besser ausgebaut."

Mobilität und Erreichbarkeit
Der Bahnanschluss in Apensen und die Erreichbarkeit von Buxtehude, Hamburg und Stade wurden positiv gewertet. Durch hohes Pendleraufkommen kommt es zeitweise im Apenser Ortskern zu einer hohen Verkehrsbelastung. Es gibt keine oder unsichere Rad- und Fußwegeverbindungen und ein verbesserter ÖPNV ist wünschenswert.
Benden: "Wenn alle pendeln, gibt es auch ein hohes Verkehrsaufkommen. Wer aus Richtung Ahlerstedt kommt, steht an der Beckdorfer Straße im Stau. Mehrfach wurde dort ein zweiter Kreisel gefordert. Das geht nicht, weil der zu dicht am ersten Kreisel läge und es keinen Rückstau vom einen in den anderen Kreisel geben darf. Das Radwegenetz wird weiter ausgebaut."

Nachhaltigkeit
Windenergie- und Biogasanlagen im Gemeindegebiet werden positiv gesehen, ebenso die medizinische Grundversorgung, die Jugendpflege und das Jugendzentrum. Schwächen sind wenige naturnahe Elemente und Biotope und wenig Biodiversität. Außerdem, und das gehörte zu den höchst bewerteten Punkten insgesamt, sei die Bürgerbeteiligung ausbaufähig.
Benden: "Tatsächlich richtet sich der Ausbau der Bürgerbeteiligung nicht an die Gemeinde, sondern an die Bürger. Was Biotope und Streuobstwiesen betrifft: Beides lässt sich nicht einfach anlegen. Selbst für Ausgleichsflächen müssen wir krampfhaft auf die Suche gehen. Jeder Gartenbesitzer kann bei der Errichtung von Grünflächen mit gutem Beispiel vorangehen, denn immer mehr Vorgärten werden geschottert."

Neben Stärken und Schwächen wurden von den Apensern auch Chancen und Risiken genannt. Beispielsweise werden als Chancen der allgemeine Trend zu alternativen Wohnformen gesehen, niedrige Zinsen, die Baugebiete stärken, das steigende ehrenamtliche Engagement von Senioren und die wachsende Beliebtheit von Dorffesten und Kulturangeboten. Zu den Risiken zählt für die Apenser z. B. die Flächenkonkurrenz von Wohnen, Gewerbe, Landwirtschaft und Umweltschutz, Lehrermangel, ein insgesamt rückläufiges Engagement im Ehrenamt in Vereinen und die mangelnde Akzeptanz von alternativen Mobilitätsangeboten.

Das Ergebnis des Strategie-Workshops geht jetzt zurück in die Steuerungsgruppe, bestehend aus Vereinsmitgliedern, Politik und Verwaltung. Sie tagt das nächste Mal am 20. August. Dieses Ergebnis wird dem Rat vorgelegt. Segnet er es ab, wird das Zukunftskonzept veröffentlicht und die Ziele nach und nach - bis 2030 - umgesetzt.

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"Wir haben gute Gespräche geführt": Projektleiter Thilo Ramms von der Firma "regecon"

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