Kreisjägerschaft im Landkreis Stade bedankt sich
Kitzrettung in Kutenholz
- RehNate und ihre Ziehmutter Corinna Harms
- hochgeladen von Nicola Dultz
RehNate hatte keinen leichten Start ins Leben: Ihre Mutter – eine Ricke – wurde kurz nach der Geburt überfahren. Glück im Unglück für das neugeborene Kitz: Ein aufmerksamer Jäger fand das tote Tier am Straßenrand. Da er die Ricke tags zuvor noch mit deutlich erkennbarem Babybauch gesehen hatte, vermutete er, dass irgendwo in der Nähe ein Kitz ums Überleben kämpfte.
Sofort machten sich Jäger und freiwillige Helfer – unterstützt von Drohnen und Wärmebildkameras – auf die Suche. Mit Erfolg: RehNate wurde gefunden und umgehend zu Corinna Harms nach Kutenholz gebracht. Dort kümmert sich die erfahrene Tierfreundin und vierfache Mutter mit großem Engagement um das Rehkitz. In den ersten Tagen bedeutet das vor allem: alle paar Stunden Flasche geben, Tag und Nacht.
RehNate hält Corinna Harms inzwischen für ihre Mutter. Anderen menschlichen Kontakt soll sie bewusst nicht haben – denn Ziel ist, dass sie zusammen mit zwei weiteren Rehkitzen später ausgewildert wird. Die zwei Wochen älteren Zwillinge RehNato und RehNe leben ebenfalls bei Harms. Auch ihre Mutter wurde überfahren. Im Gegensatz zu RehNate haben sie ihre Mutter noch kurz erleben dürfen und sind daher weniger stark auf ihre Ziehmutter fixiert. Ein eigenes Gehege auf dem Grundstück der Familie Harms wird derzeit vorbereitet.
Wildunfälle – ein Appell zum Handeln
„Bitte meldet euch, wenn ihr ein totes Reh findet oder eines überfahren habt“, appelliert Julia Seefried, stellvertretende Vorsitzende der Kreisjägerschaft Stade. Denn nur wenn solche Vorfälle gemeldet werden, besteht eine Chance, eventuell überlebende Kitze zu retten. Viele Autofahrer, so berichtet Seefried, setzen ihre Fahrt einfach fort – sei es aus Angst, weil sie unter Alkoholeinfluss stehen, oder weil sie auf verbotenen Wegen unterwegs sind. „Wer nicht die Polizei verständigen möchte, findet auf der Website der Kreisjägerschaft Stade die Kontaktdaten des Vorstandes.“ (https://jaegerschaft-stade.de/jaegerschaft-stade/)
Auch wer ein scheinbar verlassenes Kitz entdeckt, sollte keinesfalls selbst handeln. „So niedlich sie auch aussehen und so verzweifelt sie auch rufen – bitte nicht anfassen“, warnt Jens Hariefeld, Vorsitzender der Kreisjägerschaft. Die Ricke hält sich meist in der Nähe auf, aber in sicherem Abstand, um Raubtiere nicht anzulocken. Da das Kitz noch keinen Eigengeruch besitzt, ist es für Fressfeinde kaum auffindbar. Berührt es jedoch ein Mensch, kann die Mutter es aufgrund des Fremdgeruchs ablehnen.
Liebevolle Pflege mit viel Erfahrung
„Wenn Laien versuchen, Rehkitze aufzuziehen, geht das selten gut“, erklärt Hariefeld. Es brauche nicht nur viel Zeit und Hingabe, sondern auch Erfahrung. Umso dankbarer ist er, dass Corinna Harms sich seit etwa acht Jahren mit Herz und Sachverstand um verwaiste Rehkitze kümmert. Sie organisiert Biestmilch für Neugeborene, wechselt später auf Ziegenmilch, hilft den Kitzen durch Streicheln der Kehle beim Schlucken und unterstützt die Verdauung durch Bauch- und Popomassage.
„Ich mache das aus Liebe zu den Tieren“, sagt die engagierte Kutenholzerin – und schenkt damit kleinen Wildtieren wie RehNate eine zweite Chance auf ein Leben in Freiheit.
Zur Unterstützung der Kitzrettung hat die Jägerschaft im Landkreis Stade e.V. ein Spendenkonto eingerichtet: IBAN: DE78 2415 1116 00004967 29.
Drohneneinsatz rettet Jungtiere bei der Mahd – Ehrenamtliche im Kreis Stade im Einsatz
Während der Brut- und Setzzeit werden Wiesen zu Kinderstuben für Rehkitze, Junghasen und bodenbrütende Vögel – doch gerade jetzt beginnt auch der erste Grasschnitt des Jahres. Das angeborene Schutzverhalten der Jungtiere, sich im hohen Gras zu ducken, bewahrt sie zwar vor Fressfeinden, schützt sie aber nicht vor den modernen Mähwerken – mit teils tödlichen Folgen.
Um dem entgegenzuwirken, sind Landwirte und Jäger gemeinsam in der Verantwortung. Die Flächenbewirtschafter haben eine gesetzliche Vorsorgepflicht, um Verletzungen oder den Tod von Wildtieren bei der Mahd zu verhindern. Auch die Jägerschaft ist laut Jagdrecht verpflichtet, bei Schutzmaßnahmen mitzuwirken.
Dank moderner Technik wie Drohnen mit Wärmebildkameras gelingt es den ehrenamtlichen Wildtierrettungsteams, die Tiere zuverlässig aufzuspüren. In den frühen Morgenstunden, wenn der Boden noch kalt ist, suchen sie die Wiesen systematisch ab. Dieses Verfahren hat sich als äußerst effektiv erwiesen – weit mehr als das Absuchen am Vorabend.
Was mit der ersten Drohne der Jägerschaft begann, hat sich inzwischen zu einer breiten Bewegung entwickelt: Zahlreiche Jäger, Vereine und Freiwillige engagieren sich im gesamten Kreis Stade ehrenamtlich für den Schutz der Wildtiere. Dabei durchkämmen sie unterschiedlichste Grünlandflächen – von Biogas-Grünroggen über Milchvieh-Ackergras bis zu Heuwiesen für Pferdefutter.
„Wir danken allen, die sich in den letzten Wochen aktiv an der Wildtierrettung beteiligt haben“, erklären Julia Seefried und Jens Hariefeld von der Jägerschaft Stade. Ihr Lob gilt dem unermüdlichen Einsatz der Helfer, die oft vor Sonnenaufgang im Einsatz sind und damit einen wertvollen Beitrag zum Wild- und Naturschutz leisten.
Redakteur:Nicola Dultz aus Buxtehude |
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