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Chinesen lassen sich Zeit

Die 25 Meter hohen Gebäude der ZMC GmbH sind seit geraumer Zeit fertiggestellt. Die Inbetriebnahme lässt auf sich warten (Foto: mi)
Noch keine Produktion bei ZMC in Wenzendorf / Es fehlen Genehmigungen

mi. Wennerstorf. Die Fabrikanlagen der ZMC GmbH - des europäischen Zweigs des chinesischen Konzerns Zhejiang Medicines Co - sind nach WOCHENBLATT-Informationen seit mindestens einem halben Jahr fertiggestellt. Wie berichtet, hat der Konzern im Gewerbegebiet Wennerstorf auf einem 4.400-Quadratmeter-Grundstück eine Anlage für die Zusammenmischung von Vitaminen errichtet. Doch bisher wurde der Betrieb dort noch nicht aufgenommen. 
Warum ist der Betrieb bei ZMC noch nicht angelaufen? Das wollte Grünen-Politiker Manfred Thiel kürzlich auf der Sitzung des Gemeinderats von Wenzendorfs Bürgermeister Manfred Cohrs (WGW) wissen. Der Bürgermeister teilte daraufhin mit, dass dem Unternehmen bisher vom Gewerbeaufsichtsamt noch keine Genehmigung erteilt wurde.
Dr. Fritz Lübbe von der ZMC GmbH bestätigte diese Informationen, widerspricht aber der Behauptung, in den Produktionsanlagen passiere derzeit nichts. Fritz Lübbe: "Es ist so, dass es in Deutschland für die Errichtung von Produktionsanlagen diverse Vorschriften gibt, außerdem müssen vielfältige Genehmigungen eingeholt werden. Das ist auch richtig so, braucht aber Zeit. Wir arbeiten daran, alle Genehmigungen zu erhalten. Nur weil der Baukörper fertiggestellt ist, heißt das nicht, dass die Anlage schon betriebsbereit ist."
Um welche Genehmigungen es sich handle, darauf gab Lübbe keine Antwort, das seien technische Details, die nur Experten verstünden, so der Unternehmensvertreter zum WOCHENBLATT.
Die Ansiedlung des Unternehmens war in der lokalen Politik höchst umstritten. Besonders die Grünen standen dem Vorhaben kritisch gegenüber. Das begann schon bei den Personalien: Vermarkter der Fläche wie auch des gesamten Gewerbegebiets ist die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landkreises Harburg (WLH), in dessen Aufsichtsrat Wenzendorfs Bürgermeister Manfred Cohrs sitzt, also ein Politiker, der zwar nicht alleine, aber doch federführend über die Ausweisung der Gewerbeflächen entschied. Weitaus größer waren aber die Probleme mit dem Baurecht. Hintergrund: Für ihre Produktion musste ZMC zwei 25 Meter hohe Silotürme errichten. Der Bebauungsplan sah aber für das Gebiet nur Höhen von 16 Metern vor. Letztlich griff der Landkreis dem Unternehmen und damit nicht zuletzt der WLH unter die Arme und machte den Bau durch eine Reihe von Ausnahmen möglich. "Hier wurde das Baurecht um 110 Prozent gedehnt", kritisierte damals ein Grünen-Politiker.