Historie der Eyendorfer Windmühle zum Start
Neue WOCHENBLATT-Reihe "Geschichten aus der Samtgemeinde Salzhausen"

Kooperieren bei der neuen Artikel-Reihe: WOCHENBLATT-Redakteur Christoph Ehlermann (li.) und der Chronist Joerg Stallbaum | Foto: Stallbaum
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"Geschichten aus der Samtgemeinde Salzhausen" ist der Titel einer neuen monatlichen Reihe, die das WOCHENBLATT hier in Kooperation mit bekannten Chronisten Joerg Stallbaum aus Putensen startet, der bereits einige Bücher über die Region herausbrachte. Dabei arbeiteten Stallbaum und WOCHENBLATT-Redakteur Christoph Ehlermann schon mehrfach zusammen, und auch zur neuen Reihe wurde der der Autor zum Teil durch Artikel in der Kreiszeitung inspiriert. 

Den Auftakt bildet Joerg Stallbaums Blick auf die Historie von Eyendorf und seiner über die Kreisgrenzen hinaus bekannten Erdholländer-Windmühle:

Man schrieb das Jahr 1897. Heinrich Winkelmann erwarb vom Stöckmanns-Buer ein entsprechendes Stück Land, um dort eine Windmühle zu betreiben. Der Mühlenbauer Bergmann aus Salzhausen baute ihm für 22.000 Goldmark eine schöne Windmühle auf einem von allen Seiten vom Wind zu erfassenden Gelände. Wie alle Holländer-Windmühlen ist auch sie achteckig und erstreckt sich über mehrere Etagen.

Der Erbauer hoffte, dass die 21 alten bäuerlichen Stätten-Inhaber die bequeme und nahe Mahlmöglichkeit nutzen würden. Leider entwickelte sich das Geschäft nicht so, wie Winkelmann es erhoffte. Beim Konkurs 1903 ersteigerte der Hamburger Kaufmann Karl Hell das Anwesen, um es zeitnah an den Müller Hermann Stössel aus Borstel zu verkaufen. Um den Launen der oft unregelmäßig wehenden Winde zu entgehen, ließ Stössel 1911 einen Dieselmotor als Mühlenantrieb einbauen.

Am 1. Juni 1952 pachtete der aus Schlesien in die Heide gekommene Müllermeister Hans-Werner Linke die schon seit längerem untätige Mühle und setzte sie 1953 wieder in Gang. 1964 erwarb er sie von der Witwe Putensen als Eigentum und bewirtschaftete sie bis zu seinem Tode im Juli 1972. Im November des gleichen Jahres fegte ein Orkan mit Windstärke 12 über Norddeutschland, der die unter Denkmalschutz stehende Eyendorfer Windmühle regelrecht enthauptete.

Das Wahrzeichen Eyendorfs und der Hohen Geest bot nun einen trostlosen Anblick. Spontan fanden sich vier Männer aus dem öffentlichen Leben - allen voran der damalige Salzhäuser Samtgemeindedirektor Klaus Boenert - bereit, sich für den Erhalt der alten Windmühle einzusetzen. Der Lüneburger Restaurator Peter Fritz wurde mit der Instandsetzung beauftragt. Einigkeit bestand darin, die Wiederherstellung für den Windbetrieb anzusteuern und nicht den Wiederaufbau in Leichtbauweise als Attrappe.

Es stellte sich aber bald heraus, dass die veranschlagten Baukosten nicht ausreichten. Um die Finanzierung sicherzustellen, beschloss der Salzhäuser Samtgemeinderat 1978 einstimmig, die Verwaltung zu beauftragen, einen Verein zur Erhaltung des Bauwerks zu gründen und klare Rechtsverhältnisse zwischen der damaligen Eigentümerin und dem Verein zu schaffen. Letzterer wurde im gleichen Jahr unter der Leitung von Klaus Boenert als Vorsitzendem und Geschäftsführer ins Leben gerufen. Die feierliche Einweihung der wieder aufgebauten Mühle fand mit über 100 Gästen im Dezember 1981 statt. Ab 1982 führte der Schulleiter Manfred Schmidt den Verein. Geschäftsführer blieb Boenert. Der Verein zählte inzwischen über 100 Mitglieder.

Nur aus den Mitgliedsbeiträgen konnte und kann die laufende Unterhaltung der Mühle, insbesondere die jährliche Versicherungsprämie, nicht gedeckt werden. Es mussten andere Einnahmequellen erschlossen werden. So hatte Manfred Schmidt die Idee, ein Mühlenbrot backen zu lassen. Mit dem Salzhäuser Bäckermeister Herbert Diekert wurde eine Vereinbarung über den Verkauf des Brotes getroffen. Seitdem gehen zehn Prozent des durch eine Banderole gekennzeichneten Eyendorfer Mühlenbrotes in die Vereinskasse. Außerdem wurde beschlossen, alljährlich rund um die Mühle ein Fest zu veranstalten. Unterstützung erhält der Verein hierfür aus der Bevölkerung und der heimischen Wirtschaft.

Nach dem Tod von Manfred Schmidt übernahm 1986 der Fleischgroßhändler Karl-Martin Struckmeyer den Vorsitz. Geschäftsführer blieb zunächst weiterhin Klaus Boenert. 1992 übernahm der - inzwischen verstorbene - spätere Eyendorfer Bürgermeister Dr. Reinhold Spieker die Geschäftsstelle. Ab 1996 wurde sie von der Versicherungskauffrau Heidi Zeller geführt.

Im Mai 1988 ereignete sich während des Mühlenfestes ein fatales Unglück: Ein Mühlenflügel brach durch. Zum Glück kam niemand zu Schaden. In Abstimmung mit dem Kreisbauamt in Winsen wurde beschlossen, aus Sicherheitsgründen alle vier Flügel zu erneuern. Den Auftrag erhielt der Winsener Mühlenbaumeister Wilhelm Pätzmann. Sieben Monate später nahm  die Mühle wieder ihren Betrieb auf.

Seit 2002 führt Werner Borrée den Mühlenverein. Eigentlich wollte er das Ehrenamt nur vorübergehend übernehmen, bekleidet es aber unterdessen bereits 23 Jahre. In seine Amtszeit fallen zwei markante Ereignisse: 2006 erwarb der Verein die Mühle nach langwierigen Verhandlungen von der damaligen Eigentümerin. Im gleichen Jahr bekam der Verein die Möglichkeit, künftig als Außenstelle des Standesamtes der Samtgemeinde Salzhausen Trauungen anzubieten. 150 Euro pro Hochzeit gehen in die Vereinskasse. Kürzlich gaben sich vor historischer Eyendorfer Kulisse Jan-Peter Petersen (39) und Larissa von Hörsten (33) aus Wörme als 850. Paar das Jawort. Die Eheleute und ihre Gäste wünschten dem Verein und der Mühle mit dem traditionellen Müllergruß weiterhin "Glück zu!“

Kooperieren bei der neuen Artikel-Reihe: WOCHENBLATT-Redakteur Christoph Ehlermann (li.) und der Chronist Joerg Stallbaum | Foto: Stallbaum
Werner Borrée, Vorsitzender des Vereins zur Erhaltung der Eyendorfer Windmühle, öffnet diese auch für Hochzeiten im Trauzimmer | Foto: Joerg Stallbaum
Bei der 850. Mühlentrauung (v. li.): Mühlenvereins-Vorsitzender Werner Borrée, das Ehepaar Larissa von Hörsten und Jan-Peter Petersen sowie Standesbeamtin Birgit Wind | Foto: ce
Die 1897 erbaute Eyendorfer Erdholländer-Windmühle | Foto: ce
Redakteur:

Christoph Ehlermann aus Salzhausen

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