"Geschichten aus der Samtgemeinde Salzhausen" (4)
Wulfsens Wassermühle - ein Anwesen mit langer Geschichte
- Das historische Wassermühlen-Gebäude in Wulfsen
- Foto: Hans Dieter Müller
- hochgeladen von Christoph Ehlermann
"Geschichten aus der Samtgemeinde Salzhausen" ist der Titel einer monatlichen Reihe des WOCHENBLATT in Kooperation mit dem bekannten Chronisten Joerg Stallbaum aus Putensen, der schon einige Bücher über die Region herausbrachte. Dabei arbeiteten Stallbaum und WOCHENBLATT-Redakteur Christoph Ehlermann oft zusammen, und auch zur aktuellen Reihe wurde der Autor zum Teil durch Kreiszeitungs-Artikel inspiriert.
Im vierten Teil beleuchtet Joerg Stallbaum die bewegte Historie der Wulfsener Wassermühle:
Am westlichen Ortsrand von Wulfsen gibt es etwas Verborgenes zu entdecken. Da ist zunächst der idyllische Mühlenteich. Dahinter steht ein beeindruckendes Gebäude: die alte Wassermühle mit dem dazugehörigen Reetdachhaus. Dazwischen ist ein kleines Holzgebäude. Darin befindet sich noch immer das historische Sägewerk, dessen Technik bis heute erhalten ist. Das gesamte Anwesen ist heute in Privatbesitz.
Ein Blick auf die bewegte Geschichte
Urkundlich erwähnt wurde die Wulfsener Wassermühle erstmalig im Jahr 1309. Der Müller „Henricus Molendarius“ aus Wulfsen wurde Neubürger in Lüneburg und unter seinem Namen ins Stadtbuch eingetragen. Ab 1450 sind alle nachfolgenden Müller in Wulfsen aus verschiedenen Registern der Vogteien und Ämter bekannt.
Îm Jahr 1542 geschahen in der Mühle eine Brandstiftung und ein Raubmord, der die Bürger Wulfsens und der Region in große Schrecken versetzte. Ein Müllersknecht namens Dietrich Schröder, der aus Groß Klecken stammte, ermordete die Müllerin, Ehefrau des damaligen Müllers Ludeke Tamken. Danach durchsuchte er Betten, Schrank und Truhe nach Geld, kleidete sich mit des Müllers besten Hosen und dessen Gehrock neu ein, zündete schließlich das Bettstroh an und überließ das Haus seinem Schicksal. Das Gebäude brannte bis auf den Grund nieder. Der Verdacht fiel gleich auf den Täter, und nach seiner Festnahme bekannte sich Schröder zu dem Mord. Er wurde zum Tod durch den Strang verurteilt und hingerichtet.
Im Laufe der Jahrhunderte, insbesondere im frühen Industriezeitalter, dienten Wassermühlen verschiedenen Produktionen: Hier wurden Getreide gemahlen, Graupen und Grütze geschält, Öl geschlagen, Lohe gestampft und Filz gebokt. Das heutige Wulfsener Mühlengebäude an der zu einem Teich gestauten Aue stammt von 1856. Seine aufwendige Bauweise zeugt vom Wohlstand des Müllers. 1895 wurde dem Betrieb ein Sägewerk in einem einfachen Zweckbau angegliedert. Damit konnte der Müller flexibler auf die Marktlage reagieren. Wenn kein Getreide vermahlen wurde, konnte er Holz verarbeiten.
Die Mühle wurde ständig weiterentwickelt. 1909 wurde das Wassermühlrad durch eine Turbine ersetzt, installiert von der Salzhäuser Firma Vincke und Walk. Es entstand das „Elektrizitätswerk Wulfsener Mühle“, das von 1920 bis 1939 Strom erzeugte - sowohl für den eigenen Betrieb als auch für Teile des Dorfes. In den 1960er Jahren wurde der Mühlenbetrieb mangels Rentabilität eingestellt.
Bewohner engagieren sich für Erhalt des Mühlengebäudes
1986 erwarb das Ehepaar Angelika und Manfred Tränkner das Anwesen. Beide liebten nicht nur ihre Wulfsener Mühle, sondern engagierten sich auch im Mühlenverein Karoxbostel,. Die dortige Wassermühle ist ein bekanntes und lebendiges Denkmal im Herzen von Seevetal. 2017 erwarb die Familie von Sperber zunächst das Mühlengebäude, das sie bis heute bewohnt. 2021 wurde zusätzlich das danebenliegende Holzhaus mit dem alten Sägewerk erworben, was in Wulfsen große Anerkennung fand.
Wer mehr über die Historie des Ortes erfahren möchte, kann die Chronik „Wulfsen im Laufe der Jahrhunderte“ von Samtgemeinde-Archivar Hans Dieter Müller im Wulfsener Gemeindebüro erwerben.
Redakteur:Christoph Ehlermann aus Salzhausen |
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