Handeloh
Bäume von Gedenkstätte an KZ-Opfer vom Friedhof geklaut
- Die frisch gepflanzten Eiben, hier noch rechts und links neben dem Gedenkstein zu sehen, wurden gestohlen
- Foto: Kludas
- hochgeladen von Bianca Marquardt
Das ist unfassbar! Auf dem Handeloher Friedhof wurden rund um den Gedenkstein, der an den Transport von KZ-Insassen über die Heidebahnstrecke erinnert, zwei gut gewachsene Eiben gestohlen. Die Bäume waren erst im vergangenen Herbst gepflanzt worden. "Man hat sich ja fast schon an Diebstähle, schlechtes Benehmen und dergleichen gewöhnt bzw. erwartet nichts anderes, aber ausgerechnet von einer KZ-Gedenkstätte Pflanzen zu stehlen, ist für mich an Pietätlosigkeit schwer zu überbieten", sagt Katrin Kludas, Archivarin der Samtgemeinde Tostedt. Vor allem, da sich der dreiste Baum-Klau 80 Jahre nach den grausamen Häftlingstransporten ereignet hat.
NS-Todeszug auf Heidebahnstrecke
Der Gedenkstein erinnert an die 64 KZ-Insassen, die auf dem Handeloher Friedhof beigesetzt wurden. Sie gehörten zu dem Eisenbahntransport mit rund 5.000 Menschen, der am 8. April 1945 - einen Monat vor Kriegsende - auf dem Handeloher Bahnhof einfuhr. Wegen der vorrückenden Alliierten war das Konzentrationslager "Mittelbau Dora" im Harz Anfang April 1945 evakuiert worden. Die Häftlinge wurden dazu u.a. zu 50 Mann in Eisenbahnwaggons gepfercht. Die lange Irrfahrt mit dem NS-Todeszug führte über Northeim, Hannover, Celle, Uelzen, Lüneburg, Hamburg, Glückstadt und Itzehoe nach Brunsbüttel und dann bis Hamburg die gleiche Strecke zurück, um in Buchholz in Richtung Bergen-Belsen geleitet zu werden.
Viele dieser Menschen starben unterwegs an Durst, Hunger, Krankheiten oder Erschöpfung. Als der Zug am Handeloher hielt, ergriffen die Handeloher beim Anblick der ausgehungerten Häftlinge sofort die Initiative, kochten in Bottichen und Waschkesseln 40 Zentner Kartoffeln und 80 Zentner Steckrüben und brachten die Lebensmittel zum Zug.
Massengrab in Nähe des Bahnhofs
Einige während der Fahrt ums Leben gekommenen oder von Bewachern erschossene Menschen wurden am 9. April 1945 zunächst in einem Massengrab in der Nähe des Bahnhofs verscharrt. In den 1950er Jahren erfolgte die Umbettung auf den Handeloher Friedhof.
Die Eiben waren Bestandteil der Sanierung und Neugestaltung der Gedenkstätte, die vom Niedersächsischen Ministerium für Inneres und Sport gefördert wird. Auch vor dem Gedenkstein sollten noch Pflanzen gesetzt werden. "Eigentlich bin ich ganz froh, dass die vorderen Pflanzen noch nicht gesetzt worden sind, sonst wären die womöglich auch noch geklaut worden … Damit warten wir nun, bis wir in zwei bis drei Wochen Ersatzpflanzen für die Eiben einpflanzen können", sagt Katrin Kludas.
Zeugenhinweise erwünscht
Die Archivarin hofft, dass jemand helfen kann, den Eiben-Dieb zu ermitteln. Zeugenhinweise nimmt die Polizei Tostedt unter Tel. 04182-404270 entgegen.
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Redakteur:Bianca Marquardt aus Tostedt |
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