Naturkundemuseum Handelooh
Knochenpuzzle nach Feierabend

Die Diplom-Biologin Karen Möller und Kreisnaturschutzbeauftragter Dr. Klaus Hamann mit Präparaten eines Quetzals und eines seltenen Puerto-Rico-Sittichs sowie im Hintergrund ein Hornrabe
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bim. Handeloh. Tagelang sorgte im westfälischen Herne eine ausbebüxte Kobra für einen Feuerwehrgroßeinsatz. Wenn es im Landkreis Harburg um Schlangen geht, ist der Kreisnaturschutzbeauftragte Dr. Klaus Hamann meist der erste Ansprechpartner. Kürzlich beschäftigte ihn drei Tage lang eine vermeintliche grüne Mamba in Dohren (Samtgemeinde Tostedt), die sich allerdings als heimische Ringelnatter in der Häutung entpuppte. "Nebenbei" haben der Förster, Geograf und Ökologe und seine Partnerin, die Diplom-Biologin Karen Möller, noch ein sehr zeitintensives "Hobby": Sie führen ehrenamtlich ihr Naturkundemuseum in Handeloh, das die größte private naturwissenschaftliche Sammlung Norddeutschlands beherbergt. In vielen Stunden haben die beiden jetzt die ornithologische (vogelkundliche) Sammlung katalogisiert.
"Vor zwei Jahren haben wir eine riesige Sammlung bekommen, die dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz übergeben wurde. Darüber berichtete sogar der NDR in der Sendung 'Schrott oder Schätzchen'", so Hamann. Beim Großteil der Objekte handele es sich aber um alte Sammlungen aus Schulen, die sonst womöglich zerstört worden und für die Nachwelt verloren wären.
Beim Katalogisieren der Exponate entdeckten Klaus Hamann und Karen Möller auch eine echte Sensation: das Präparat eines Puerto-Rico-Sittichs, einer Papageienart, die seit 1956 als ausgestorben gilt und die wohl der Zerstörung der Wälder und einer Überjagung als vermeintlicher Schädling zum Opfer fiel. Laut Wikipedia existieren nur drei Museumsexemplare des Sittichs in Chicago, Leiden (Holland) und Paris. Der Handeloher Sittich ist der vierte und damit so wertvoll, dass er natürlich im Tresor seinen Platz hat.
Für heutige Vorstellungen zumindest irritierend: Eine Sammlung beinhaltete ein Glas mit vier präparierten Kolibris. Darauf zu lesen: "Zur Erinnerung an die erste königlich-sächsische Amazonas-Expedition 1874". "Offenbar hat damals jeder Expeditionsteilnehmer ein solches Glas erhalten", vermutet Hamann.
"Früher haben wir die Vögel nach europäischen und nicht-europäischen Arten katalogisiert. Jetzt sind wir nach Familien vorgegangen, z.B. steht die Familie der Gierlitze zusammen, egal, ob sie aus Afrika oder Europa stammen", erläutert Klaus Hamann.
Sieben Monate lang haben Dr. Klaus Hamann und Karen Möller rund 3.400 Objekte bestimmt, u.a. 641 Vogel- und Unterarten. 33 Arten sind dabei, die noch nicht bestimmt werden konnten, ebenso 250 weitere Objekte wie Eier, Nester und Schädel. Bei der Bestimmung von manchem Ei ist gar detektivisches Gespür erforderlich. Manche sind gar nicht beschriftet, bei anderen habe ein Sammler sozusagen nur die lateinischen "Nachnamen" darauf geschrieben. Für die richtige Zuordnung "wälzen" Klaus Hamann und Karen Möller Fachliteratur aus der Jahrhundertwende und älter.
Kistenweise hat das Museum zudem lose Knochensammlungen bekommen. "Das ist Modellbau vom Feinsten", meint Hamann zu dem "Knochenpuzzle". "Ich weiß nicht, wann wir dazu kommen, die Schädel zusammenzukleben."
Neben Fingerspitzengefühl und aufwendiger Recherche ist bei der Reparatur mancher Präparate auch Fantasie gefragt: Der farbenprächtige Quetzal zum Beispiel, das Wappentier Guatemalas, hatte keine Beine mehr und erhielt Leih-Beine einer Elster. "Er steht nun auf zu großem Fuß", scherzt Hamann.

Autor:

Bianca Marquardt aus Tostedt

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