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Erneut schwerer Unfall auf BAB 1 zwischen Maschen und Harburg

Heidenauer bei der Maritimen Müllabfuhr
Sie befreien die Meere von Geisternetzen und Mikroplastik

Jörn und Anette Reandt (re.) mit Günther Bonin und Birgit Westermayr von "one earth - one ocean"
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  • Jörn und Anette Reandt (re.) mit Günther Bonin und Birgit Westermayr von "one earth - one ocean"
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Jörn Randt ist passionierter Segler. Damit das Wasser unterm Kiel sauberer wird, unterstützt der Heidenauer seit fünf Jahren auch regelmäßig Umweltorganisationen, die in der Ostsee fischen - nach Geisternetzen. Das sind Fischernetze, die sich in Schiffswracks verheddert haben und zur Todesfalle für Meeressäuger, Fische, Seevögel und Weichtiere werden. Gemeinsam mit seiner Frau Anette engagiert er sich in dem Verein "One Earth - One Ocean" (OEOO) von Günther Bonin und Birgit Westermayr. Über ihre "Maritime Müllabfuhr" befreien die Wahl-Münchner Gewässer auch von Plastikmüll.

Jörn Randt und Günther Bonin kennen sich seit 1994 vom Segeln. Bei ihrer Arbeit im Dienst der Umwelt gut vernetzt sind sie u.a. mit Hubert Pinto de Kraus von der Scientific Diving Associaton (SDI), der auch das Tauchzentrum der Universität Kiel leitet. Kürzlich waren sie zum Fischen von Geisternetzen an der Schleimündung bei Kappeln mit acht Leuten, zwei Segelbooten und einer sogenannten "SeeKuh", einem Katamaran aus Aluminium.

Über 16.000 Schiffswracks
in der Ostsee

Allein in der Ostsee liegen über 16.000 Schiffswracks, an denen sich Fischernetze - Treib- und Stellnetze - verheddern. "Dorsche und Fischschwärme suchen in den Wracks Schutz", erläutert Hubert Pinto de Kraus. Jährlich, so schätzt er, gehen bis zu 10.000 Netze in der Ostsee verloren. "Die sehen aus wie Friedhöfe. Teils sind die Fische verletzt, teilweise leben sie noch. Die Stellnetze, die bis zu 15 Kilometer lang sein können, bedrohen die Populationen, zum Beispiel vom Kleinen Schweinswal, von dem es nur noch 500 Tiere gibt. Sie verfangen sich in den Netzen und verenden qualvoll, ebenso wie Seevögel", berichtet der Tauchexperte.

Seit zehn Jahren entfernen er und weitere Ehrenamtliche die Netze aus dem Meer. Seit acht Jahren gibt es ein Meldeportal für verlorene Netze. Der Kontakt zum Verein "One Earth - One Ocean" kam vor fünf Jahren zustande.

"One Earth - One Ocean" hat mit der Maritimen Müllabfuhr ein effizietes Konzept zur Sammlung und Verwertung von Meeresmüll entwickelt. Im weltweiten Einsatz sind dafür die Schiffe "SeeHamster" für Flüsse und Binnengewässer, die "SeeKuh" für Küstengebiete und Flussmündungen und der "SeeElefant", auf dem eingesammelter Meeresmüll recycelt wird.

Seit dem Jahr 2013 forscht der Verein zur Verbreitung von Mikroplastik in Weltmeeren. Zum OEOO-Team gehört auch der Mikrobiologe Dr. Rüdiger Stöhr aus Kiel, der mit seinem Team Proben aus dem Meer holt. "2011/12 waren 79 Prozent aller Proben mit Mikroplastik verunreinigt, heute sind es 93 Prozent", berichtet Günther Bonin bei seinem Besuch in Heidenau. Jedes Jahr gelangten mehr als zehn Millionen Tonnen Müll in die Weltmeere, bis zu 80 Prozent davon hätten ihren Ursprung an Land, etwa drei Viertel davon seien aus Plastik.

Vögel, Fische und andere Lebewesen fressen Kunststoffteile und verenden an ihrem mit Müll verstopften Magen oder durch innere Verletzungen. "Plastikmüll hat eine Lebensdauer von bis zu 450 Jahren und gelangt letztlich als Mikroplastik, kleinste Teilchen, durch die Nahrungsaufnahme der Fische auch in unsere Nahrungskette. Wir haben ein Ziel: sauberes Wasser. Nur so haben wir saubere Nahrungsketten", erklärt Bonin. Das Meer sei außerdem wichtiger Sauerstofflieferant.

Im Juni 2021 begann die UN-Dekade der Ozeanforschung für nachhaltige Entwicklung bis 2030. Im Zuge dessen sollen mehr internationale Schutzgebiete ausgewiesen werden, das Wissen über den Ozean gestärkt, neue Forschungspartnerschaften ausgerufen und die Bedeutung des Ozeans stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt werden. Die Ehrenamtlichen von OEOO und der SDI leisten dazu einen wichtigen Beitrag.

Autor:

Bianca Marquardt aus Tostedt

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