Retter in der Not: Loop stellt Altkleider-Container auf

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Mehr recyclingfähige Textilien statt Müllverbot für Altkleider

Sozialwerk-Mitarbeiter bei der Lkw-Beladung | Foto: Danila Franz
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  • Sozialwerk-Mitarbeiter bei der Lkw-Beladung
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Seit dem 1. Januar ist eine Neufassung der EU-Abfallrahmenrichtlinie in Kraft, nach der ein Recycling von Altkleidern zwingend vorgeschrieben ist, um die Recyclingquote für gebrauchte Textilien zu erhöhen. Gebrauchte Kleidung muss dann auf jeden Fall in einen Altkleidercontainer geworfen werden. Wer Jacke, Hose und Co. in die Mülltonne schmeißt, muss damit rechnen, dass diese nicht entleert wird. Außerdem kann ein Bußgeld fällig werden (das WOCHENBLATT berichtete). Wie bewerten die sozialen Träger, die seit Jahrzehnten Altkleider für den guten Zweck sammeln, die neue Situation? Das WOCHENBLATT fragte exemplarisch in zwei Einrichtungen nach.

Durchschnittlich
500 kg pro Monat

Im "Kaufhaus mit Herz" in Buchholz zum Beispiel liegen die angelieferten Textilmengen grob geschätzt bei durchschnittlich rund 500 Kilogramm im Monat. "Brauchbar sind bei der direkten Sichtung geschätzt etwa 80 Prozent. Davon gehen noch mal etwa zehn bis 20 Prozent in die Entsorgung, wenn sie sich über einen längeren Zeitraum auch nach deutlicher Rabattierung nicht verkaufen lassen", erläutert Geschäftsführer Carsten Gympel.

Seine Einschätzung: "Wie bei vielen Regelungen der EU ist der Grundgedanke zwar richtig, die Vorgaben werden aber vermutlich das Gegenteil bewirken. Textilien, die bislang über die Hausmüllentsorgung in der Müllverbrennung landeten, werden nun an die Textilverwerter gehen. Diese steigenden Müllmengen könnten dafür sorgen, dass sich das Geschäft der Textilentsorgung nicht mehr rechnet und aufgegeben wird. Während die Müllverbrennungsanlagen unter Umständen Schwierigkeiten bekommen können, ausreichend brennfähigen Müll für die Öfen zu haben. Erschwerend kommt dazu, dass diese Regelung dafür sorgen soll, mehr Alttextilien zu recyclen. De facto sind aber 90 Prozent der Alttextilien gar nicht recyclefähig, da es sich um Mischgewebe handelt. Ein Problem, dass schon lange bekannt ist."

Fast-Fashion-Konzept
hinterfragen

Statt einer weiteren Verbotsregel wäre es aus Sicht von Carsten Gympel sinnvoller gewesen, den Markt für recyclefähige Textilien zu stärken, sowie die Bevölkerung für das Hinterfragen des Fast-Fashion-Konzeptes zu sensibilisieren. "Die preiswerteste Müllentsorgung ist immer die, die gar nicht erst stattfinden muss."

Auch Danila Franz vom Sozialwerk Tostedt, stellvertretende Vorsitzende und Leiterin des Arbeitsbereichs „Humanitäre Hilfe“, im Rahmen derer Altkleider für Menschen, u.a. in Rumänien, Moldawien und Serbien, gesammelt werden, ist skeptisch. "Wenn ich mir die Situation um die derzeit in Tostedt stehenden Altkleider-Container anschaue, die nicht regelmäßig geleert werden und vor denen auch ein Haufen anderes Zeug (Glas oder Sperrmüll) abgelegt wird, frage ich mich, wie das wohl werden wird … Wir im Sozialwerk haben in diesem Jahr monatlich rund 3,5 Tonnen Altkleider und -schuhe angenommen, sortiert, verpackt und als Hilfsgüter versendet. Erst kürzlich haben wir noch einen Lkw mit 12,2 Tonnen Hilfsgütern (u.a. auch Weihnachtspäckchen für Kinder und Haushaltswaren) in die Ukraine geschickt."

Nur heile und
saubere Textilien

In der Regel habe das Sozialwerk relativ wenig „Ausschuss“, der aussortiert werden müsse. "Wir legen allerdings schon beim Erstkontakt (meist Telefonat oder an der Tür) sehr viel Wert darauf, den Spendern mitzuteilen, dass wir natürlich kein Entsorgungsunternehmen sind, sondern nur heile und saubere Textilien entgegen nehmen möchten, die wir auch weiter geben können. Ich schätze, dass insgesamt weniger als ein Prozent Müll bei uns anfällt", berichtet Danila Franz. "Ich hoffe, dass dieser Zustand zukünftig aufrecht erhalten werden kann und nicht die Kleiderkammern und Hilfswerke zur Entsorgung genutzt werden. Das wird dann aber nur funktionieren, wenn es wirklich zeitnah genug entsprechende Entsorgungsstellen geben wird. Ansonsten bin ich wirklich gespannt."

Wie berichtet, will der Landkreis Harburg auf fünf seiner Entsorgungsanlagen im Kreisgebiet zusätzlich Sammelcontainer für gebrauchte Textilien aufstellen.
Auch beim Landkreis Stade gibt es ein entsprechendes Angebot: Dort sind Altkleider-Container des DRK auf dem Gelände der Abfallwirtschaftszentren in Stade und Buxtehude sowie auf dem Wertstoffhof in Oldendorf aufgestellt. Nach Bedarf könnten die Stellflächen dort aufgestockt werden.

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Redakteur:

Bianca Marquardt aus Tostedt

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