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Bluttat in Buchholz: Sohn (38) ersticht Vater (76)

Der mutmaßliche Täter: Felix P. ist inzwischen in psychiatrischer Behandlung (Foto: cc)
 
Das Opfer: Horst P. (Foto: archiv)

Warum wurde Turn-Ass Felix P. zum Täter? Amtsgericht ordnet Unterbringung in der Psychiatrie an

os/rs. Buchholz. „Er ist sehr ruhig und in sich gekehrt“, „er ist ein sensibler Mann, der sich vieles sehr zu Herzen nimmt“ - so beschreiben Weggefährten Felix P. (38). Sie können nicht verstehen, dass der ehemalige Top-Turner im dringenden Verdacht steht, am Sonntagabend in Buchholz seinen Vater Horst P. (76) tödlich verletzt zu haben. Felix P. soll mit einem Messer auf Horst P. losgegangen sein. Warum er das tat, versucht die Polizei jetzt zu ermitteln. Nach Angaben des NDR musste die Mutter das Drama mit ansehen. Am Montag wurde Felix P. in die Psychiatrie eingeliefert.
Felix P., jüngster von drei Söhnen, war in den 1980er und 90er Jahren eines der größten Turntalente Deutschlands. Unter anderem gehörte er zum Perspektiv-Nationalkader des Deutschen Turnbundes. „Felix war ein Leistungsträger und hier der erste weit und breit, der den hochanspruchsvollen Gienger-Salto am Reck turnen konnte“, erinnert sich Bernward Bade. Unter dem Turntrainer von Buchholz 08 reifte Felix heran, holte sich mehrfach die Landesmeisterschaft, gehörte in den 80er Jahren zur Mannschaft des Jahres bei der WOCHENBLATT-Sportlerwahl.
Bekannte berichten von einer Wesensveränderung. Der einst mutige und fröhliche Junge, der im christlichen Glauben erzogen wurde, sei zu einem eher ängstlichen und scheuen jungen Mann herangewachsen. Zuletzt soll Felix P. im Elternhaus gewohnt haben.
Seit einiger Zeit gab der einstige Ausnahme-Turner sein Wissen beim TSV Buchholz 08 und bei Blau-Weiss Buchholz an den Nachwuchs weiter. Blau-Weiss-Vorsitzender Arno Reglitzky sagt: „Ich habe Felix damals eingestellt, weil ich wusste, dass er etwas kann, aber auch, weil wir ihm helfen wollten, aus einer Lebenskrise herauszukommen.“ Anfang vergangener Woche habe sich Felix P. krank gemeldet. Sein Vater habe angerufen und mitgeteilt, vor den Sommerferien werde er wohl nicht wiederkommen. Sein Sohn habe einen Burnout.
„Felix hat sich überfordert gefühlt“, sagt auch 08-Trainer Bernward Bade. Er habe darum gebeten, kürzer treten zu können. Bade: „Wir haben für Entlastung gesorgt.“ War der Leistungsdruck bei den Turnteams, eine Verletzung, die ihn handicapte und der kürzliche Tod seines Onkels am Ende zu viel für Felix P.?
Über Felix‘ Vater Horst P. sagen Weggefährten, dass er absolut korrekt war und mitunter sehr forsch auftreten konnte. „Er wusste immer genau, was er wollte“, sagt eine Nachbarin. Weichheit hier und Stärke dort: Eskalierte die Situation an dieser Mischung?
Horst P. war ein Macher beim TSV Buchholz 08: Seit Jahrzehnten war er in Harburg-Land und Stadt für die Abnahme der Sportabzeichen zuständig, auch selbst ein guter Sportler. Im April 2011 wurde er durch den Vizepräsidenten des Hamburger Sportbundes für seine 30. Wiederholung des Goldenen Sportabzeichens geehrt. Seine Leidenschaft galt zudem dem Handballsport.
Auf Horst P. konnte man sich absolut verlassen. „Immer wenn ich seine Hilfe benötigte, war er zur Stelle“, sagt Ute Reglitzky, Ehefrau von Arno Reglitzky. Horst P. war christlich eingestellt, Gründungsmitglied der Kolpingfamilie in Buchholz, bereitete gerade das Jubiläum zum 50-jährigen Bestehen des katholischen Hilfswerkes mit vor.
In der kath. St. Petrus-Kirche gründete Horst P. 1963 mit Freunden auch eine Hobby-Tischtennisgruppe, die sich erst im vergangenen Jahr nach 50 Jahren auflöste. Über die Geschichte der Gruppe berichteten Horst P. und seine Mitstreiter im vergangenen November in der „Plattenkiste“ im NDR-Radio.
Wie und warum es letztlich zu der Auseinandersetzung zwischen Vater und Sohn und der tödlichen Verletzung von Horst P. gekommen ist, muss bisher Spekulation bleiben.