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"Ich will mit meiner Musik Hoffnung geben"

Adesse (re.) im Gespräch mit Yvonne Schönherr, Initiatorin von "Vocals for Refugees" (Foto: B. Gierga)

Flüchtlings-Projekt "Vocals for Refugees": WOCHENBLATT-Interview mit Berliner Künstler Adesse

os. Buchholz. Das Projekt „Vocals for Refugees“ ist bislang ein voller Erfolg. Beim Buchholzer Stadtfest hatte der Chor, der aus jungen Deutschen und Flüchtlingen zwischen neun und 25 Jahren aus Buchholz und Umgebung besteht, jüngst seinen ersten umjubelten Auftritt. Zu hören war das Lied „Unter uns der Himmel“ des Berliner Singer-Songwriters Adesse. Im WOCHENBLATT spricht Adesse über das besondere Projekt. Das Video-Interview führte Initiatorin Yvonne Schönherr, wir veröffentlichen die gekürzte Abschrift. Am kommenden Wochenende wird das Projekt mit einem professionellen Videodreh mit allen Beteiligten in Hamburg abgeschlossen.
Schönherr: Was war deine spontane Reaktion auf die Anfrage nach einer Kooperation?
Adesse: Das hat mich sehr gefreut und auch irgendwie sehr geehrt, weil ich mit meiner Musik auch immer Hoffnung geben möchte. Und wenn die Leute das verstehen, wenn diese Energie rüberkommt und ihr da mit so einem coolen und wirklich guten, nachhaltigen Projekt auf mich zukommt, ist das für mich das schönste Kompliment.
Schönherr: Welche Rolle kann die Musik bei der Integration spielen?
Adesse: Ich glaube, dass Musik eine große Rolle spielt. Es fällt leichter, über Melodien die Sprache zu lernen oder auch der Sprache näher zu kommen. Das ist wie im Sport, ich glaube fest daran, dass Musik verbindet. Warum tanzen wir hier zu irgendwelchen Salsa-Rhythmen und finden es irgendwie gut?
Schönherr: Was wünschst du dir persönlich, wenn du an die Integration der Flüchtlinge in Deutschland denkst?
Adesse: Ich wünsche mir für die Menschen, dass sie zum einen auch irgendwie wirklich ankommen, also ihre Identität behalten, sich aber irgendwann hier auch zuhause fühlen, die Sprache lernen, dass ihnen die Chancen, die hier warten, nahe gebracht werden und dass sie auf jeden Fall erstmal die Sprache lernen.
Schönherr: Das Projekt wendet sich gezielt an Kinder und Jugendliche, mit und ohne Fluchthintergrund. Sie sind jetzt vielleicht ein, zwei Jahre hier. Was möchtest du diesen jungen Menschen gerne mit auf den Weg geben?
Adesse: Sie sollen immer daran glauben, dass jeder Mensch mit gewissen Talenten gesegnet ist. Was auch immer es ist, man muss es finden. Sie sollen sich keine Grenzen setzen und denken: 'Das kann ich nicht schaffen.' Wenn man für seinen Traum kämpft, kann man ihn erreichen.
Schönherr: „Unter uns der Himmel“ ist ein starker und motivierender Song. Wie ist er entstanden und was bedeutet er für dich persönlich?
Adesse: Der Song trifft für mich genau das, was ich mit der Musik aussagen möchte. Ich möchte, dass meine Musik immer einen hoffnungsvollen Unterton hat, eine positive Energie und auf jeden Fall auch Hoffnung in sich trägt, auch wenn es manchmal schwere Themen sind. Ich glaube, viele Menschen haben schwere Zeiten im Leben und das ist ein Song, der davon handelt, dass man das auch übersteht und alles auch wieder gut werden kann. Daran glaube ich.
Schönherr: Adesse, vielen Dank für das Gespräch.