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Im E-Rollstuhl durch Norddeutschland

Matthias Klei wird auf der Reise u.a. von Assistent Daniel Fort begleitet (Foto: Daniel Fort)
 
Auch Bootstouren unternimmt Klei (Foto: www.matthias-klei.de)

Matthias Klei (45) will mit seiner Tour anderen Menschen Mut machen


(ab). Matthias Klei (45) plant eine Tour von Bielefeld nach Cuxhaven - 420 Kilometer in sieben Tagen, quer durch Norddeutschland. Dabei passiert er am kommenden Donnerstag im Landkreis Harburg Ortschaften wie Undeloh, Wesel, Buchholz und Vahrendorf, übernachten möchte er in Holm-Seppensen. Das Besondere daran ist: Der Bielefelder legt diese Strecke im Elektro-Rollstuhl zurück. Matthias Klei ist seit seiner Geburt Tetraspastiker. „Dadurch kann ich Arme und Beine nur sehr eingeschränkt nutzen“, sagt er.

„Ich bin ein Mensch, der immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen ist, um meine Grenzen auszuloten“, erklärt Klei sein Vorhaben. Los gehen soll die Tour im Elektro-Rollstuhl kommenden Montag. 50 bis 70 Kilometer will Klei im Schnitt täglich in sieben bis neun Stunden zurücklegen, mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von acht bis zehn Kilometern pro Stunde. Begleitet wird Klei von drei Assistenten, darunter Fotograf Daniel Fort, und zwei Bekannten.

Allein den E-Rollstuhl auf langen Strecken zu bedienen, ist für den abenteuerlustigen Bielefelder aufgrund seiner körperlichen Einschränkung ein Prüfstein. Eine Spezialfirma stellte Matthias Klei vor zwei Monaten den Elektro-Rollstuhl bereit. Mit ihm kann Klei eine Geschwindigkeit von bis zu zwölf Kilometern pro Stunde erreichen. Strecken zwischen 40 bis 50 Kilometern hat er bereits geübt. „Meinen Spasmus kann ich zwar bedingt austricksen, aber nicht abschalten“, erklärt er. „Ich hoffe, dass er mir auf der Reise keinen Strich durch die Rechnung macht.“

Außer seiner Abenteuerlust hat Matthias Klei noch eine andere Motivation für seine Aktivitäten: „Ich möchte darauf aufmerksam machen, dass eine 100-prozentige Behinderung, die ich laut Gesetz habe, weder Leben, noch Träume, noch Aktivitäten eines Menschen einschränken sollte.“ Schließlich habe jeder Mensch ein Recht auf ein selbst bestimmtes Leben.

Matthias Klei (45) hat schon viel unternommen und gewagt, „oft mehr, als manch nicht behinderter Mensch, glaube ich.“ Mit Unterstützung taucht der Tetraspastiker bis zu zehn Meter tief, fährt Trike und Ski oder geht auf Reisen - sogar bis nach Kanada. Da Klei aufgrund seiner Tetraspastik Arme und Beine nur stark eingeschränkt bewegen kann, wird er rund um die Uhr von einem Assistenten begleitet.

Die Route
Starten möchte Matthias Klei am Montag, 8. August, mit der Etappe Bielefeld bis Petershagen (71,3km). In den Landkreis Harburg kommen Klei und seine Begleiter am Donnerstag, 11. August: Klei plant seine Tour über Schneverdingen bis Undeloh, Wesel und Holm-Seppensen (ca. 46km), wo er auch übernachten möchte. Die fünfte Etappe am Freitag, 12. August, soll ihn ab ca. 10 Uhr morgens von Holm-Seppensen über Buchholz nach Vahrendorf bis Hamburg Wedel (ca. 54 km) führen.
Am 14. August will Klei seinen Zielort Cuxhaven erreichen. Von dort geht es per Bahn zurück nach Bielefeld.

• Seine spannenden Projekte möchte Matthias Klei eines Tages in einem Buch veröffentlichen. Weitere Infos zu seiner Tour gibt es unter www.matthias-klei.de im Menüpunkt „Projekte“.


Das ist Tetraspastik
Tetraspastik ist die Lähmung aller vier Extremitäten (Arme und Beine). Der Grund für eine angeborene Tetraspastik ist meist eine Funktionsstörung vor, während oder nach der Geburt. Sie tritt ein, bevor das Gehirn seine Reifung und Entwicklung abgeschlossen hat. Je nach Ausprägung können auch Hals- und Rumpf betroffen sowie Sprach- und Schluckmuskulatur beeinträchtigt sein. Die Übertragung von motorischen Impulsen vom Gehirn zum Muskel ist verlangsamt, wodurch die Bewegungsabläufe weniger fließend sind.