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Zwei Dutzend Häuser sind nachgewiesen: Archäologische Ausgrabungen am Trelder Berg in Buchholz

Kreis-Archäologe Jochen Brandt und Archäologin Claudia Neutzer kratzen vorsichtig die Erde ab
as. Buchholz. Ein paar Keramikscherben, Reste von Tongefäßen und ein paar Löcher, in denen einst Pfähle steckten und die heute mit dunkler Erde gefüllt sind - das ist alles, was von den Menschen, die sich vor circa 2.000 Jahren im heutigen Gewerbegebiet „Trelder Berg“ in Buchholz angesiedelt haben, heute noch übrig ist.
Die Archäologin Claudia Neutzer untersucht für das Archäologische Museum Hamburg mit ihren Kollegen von der Ausgrabungsfirma „Acontor“ im Auftrag der Stadt Buchholz das Gewerbegebiet „Trelder Berg“. Im Zuge der Erschließungsarbeiten für das Gewerbegebiet war man 2002 auf die Überreste menschlicher Siedlungen gestoßen. Seit 2010 wird das etwa fünf Hektar große Areal von Archäologen untersucht. Die Grabungsstelle neben dem t+t-Markt, auf der Claudia Neutzer und ihre Kollegen seit August arbeiten, ist die vorerst letzte des Projekts. Sind die Archäologen fertig, wird das Gebiet bebaut.
„Das Areal ist wissenschaftlich bedeutsam, weil es sich um die größte Ausgrabungsfläche im Landkreis Harburg handelt. Hier in Trelde haben wir so viele Hausgrundrisse gefunden wie im Landkreis Harburg zusammengenommen, wir können hier auf der Fläche rund zwei Dutzend Häuser nachweisen“, sagt der Kreis-Archäologe Dr. Jochen Brandt. Etwa 200 Jahre lang haben in dem Gebiet Menschen in einer kleinen ländlichen Ansiedlung gelebt. Dann wurde die Siedlung verlassen. Zurück blieb nur, was sie nicht mitnehmen wollten. „Es gibt keine Spuren, die auf eine Zerstörung, etwa durch Feuer, hindeuten lassen. Wir gehen davon aus, dass die Menschen umgezogen sind, weil die Bäume in der Umgebung abgeholzt waren und der Boden durch intensive Beackerung ausgelaugt war“, sagt Jochen Brandt.
Etwa 30 bis 50 Menschen, schätzt Brandt, haben hier in fachwerkähnlichen Häusern gelebt. Die Häuser sind bei ihrem Bau mit Pfählen stabilisiert worden. Deren Löcher sind heute noch im Boden zu sehen: Die Pfähle wurden circa einen Meter tief in den Boden gebracht. Im Querschnitt ist eine dort eine dunkle Verfärbung zu erkennen, denn das Loch, in dem der Pfosten war, ist mit anderer Erde befüllt. Befinden sich mehrere dieser Löcher in einer Reihe, könnte dort eine Hauswand verlaufen sein.
Von oben sind die Siedlungsbefunde nur als dunkle Flecken im Boden erkennbar. Ein Bagger hat den Großteil der Erde abgetragen, der Rest ist Handarbeit. Vorsichtig kratzen Claudia Neutzer und ihr Team die verbleibende Erde ab und dokumentieren und vermessen die Unregelmäßigkeiten.
Anhand des Musters auf den in oberen Erdschichten gefundenen Keramikscherben lässt sich der Zeitraum der Siedlung eingrenzen. „Das ‚Rollrädchen-Muster‘ deutet auf den Zeitraum von Christi Geburt bis zum 2. Jahrhundert nach Christus hin“, sagt Jochen Brandt. Die wissenschaftliche Auswertung der Feldarbeiten in Buchholz wird mehrere Jahre in Anspruch nehmen.