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"Dibbersen ist der richtige Standort für den Technologie- und Innovationspark"

Ortsbürgermeister Christian Horend (2. v. li.) mit (v. li.) René Meyer und Wilfried Seyer (WLH) bei der Info-Veranstaltung
mi. Buchholz. In Dibbersen wurden jetzt den Bürgern die Pläne vorstellt, das Gewerbegebiet Vaenser Heide II (Erweiterung) mit dem „Technologie und Innovationspark“ (TIP) bis zur „B75 neu“ an den Ort heranzurücken. Das Vorhaben löste bei den rund 60 Bürgern im Gasthaus Frommann gemischte Gefühle aus. Die größtge Befürchtung: Statt wie angedacht innovative Forschungsunternehmen anzusiedeln, könnten irgendwann Großhallen das Entree
Dibbersens dominieren.
Ortsbürgermeister Christian Horend (CDU) hatte die Bürger eingeladen, sich aus „erster Hand“ über das geplante Gewerbegebiet zu informieren. Wie berichtet, ist dem von der Stadtverwaltung und der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landkreises Harburg (WLH) entwickeltem Vorhaben, das Gewerbegebiet Vaenser Heide II nochmals zu erweitern, bereits vom Rat der Stadt Buchholz im Grundsatz zugestimmt worden. Die WLH will demnach auf einem 18-Hek­tar-Areal vor allem „hoch innovative Unternehmen“ aus Forschung und Entwicklung ansiedeln.
„Es soll hier heute nicht um den politischen Streit gehen, wir wollen Sie über das Vorhaben informieren“, so Horend. Dann stellte der WLH-Geschäftsführer Wilfried Seyer seine Pläne vor. Es sei eine Kooperation mit der TU Harburg vorgesehen. Ein emeritierter Professor der Technischen Hochschule werde die WLH dabei unterstützen. Ebenso sei eine Kooperation mit der Leuphana Universität Lüneburg angedacht. Möglicherweise werde die Uni sogar Teile ihrer Institute nach Buchholz auslagern.
Weil das neue Gewerbegebiet vor allem „Denkfabrik“ und nicht Logistik-Drehscheibe sein soll, seien auch diverse Bürogebäude geplant. Wilfried Seyer: „Wir sind überzeugt, dass hier der richtige Standort ist.“
Die anwesenden Bürger waren geteilter Ansicht über das Vorhaben. Positiv fassten viele auf, dass attraktive, qualitativ hochwertige Arbeitsplätze entstehen könnten. Seyer sprach von fünf Jobs je 1.000 Quadratmeter Fläche. Die Strahlkraft von Seyers Idee zeigte sich auch darin, dass schon auf der Versammlung ein Unternehmer Interesse an einem Grundstück äußerte. Es gab aber auch kritische Stimmen. „Vor sieben Jahren wurde uns erzählt, die Vaenser Heide werde nicht nochmal erweitert und wir erhielten eine schicke Streuobstwiese. Jetzt soll die Wiese weg und die Stadt will doch erweitern.“ „Wir sind extra hierhergezogen, weil wir dachten, der Ort entwickelt sich. Jetzt setzen Sie uns ein Gewerbegebiet vor die Tür“. „Immer mehr Grünland muss Gewerbe weichen“, waren einige der Äußerungen. Seyer stellte klar: „Es gibt kein Recht auf Idylle“. Die Streuobstwiese, die als Ausgleichsfläche für das vorhandene Gewerbegebiet geschaffen wurde, könne - wenn neuer Ausgleich geschaffen werde - unproblematisch überplant werden. Der Landkreis zeichne sich beim Thema Gewerbe immer noch durch eine wohlstandsbedingte Trägheit aus. Seyer: „Im Vergleich zu Kreisen im Grenzgebiet Hamburg/Schleswig-Holstein gibt es bei uns viel zu wenig Arbeit vor Ort.“ Den Dibbersenern versprach Seyer: „Auch Sie profitieren vom Gewerbegebiet. Ihre Immobilien steigen im Wert.“
Auf die wichtigste Frage musste Wilfried Seyer eine überzeugende Antwort schuldig bleiben: „Was passiert, wenn Sie es nicht schaffen, innovatives Gewerbe anzusiedeln, kommen dann doch wieder Hallen?“ Seyer erklärte dazu: Die WLH habe einen langen Atem. Auch wenn er in zwei Jahren wohl in Rente gehe, werde sein Nachfolger das auf zehn Jahre angelegte Projekt mit gleichem Elan verfolgen. Welches Gewerbe schließlich angesiedelt werde, da hätte aber der Stadtrat das letzte Wort. 

Kommentar:

Mir sind das zu viele Konjunktive

Ich bin ehrlich: Als Neubürger, der an Dibbersens neuer Hauptverkehrsstraße wohnt, bin ich gegen das Gewerbegebiet. Ich habe schlicht Angst vor noch mehr Verkehr. Ich hoffe, dass es mir dennoch gelungen ist, ein objektives Bild des Info-Abends zu zeichnen. Doch machen wir uns nichts vor: Das Gewerbegebiet ist bereits beschlossen. Das ist übrigens typisch für die Stadt Buchholz. Die Verwaltung plant hinter verschlossenen Türen, dann werden die Fraktionsspitzen mit ins Boot geholt und das Ganze schnell im Rat durchgewunken. Ich finde, jetzt ist der Ortsbürgermeister gefragt. Lieber Herr Horend, dass Sie nie einen Hehl aus Ihren Ansichten gemacht haben, ehrt Sie. Falsch finde ich es dennoch, wenn sich ein Ortsbürgermeister quasi gegen die Interessen der eigenen Bürger für ein Gewerbegebiet vor der eigenen Haustür stark macht.
Ich habe aber eine Anregung für Sie: Wie wäre es, wenn Sie sich jetzt auch dafür einsetzen, die Folgen für den Ort, wie zunehmenden Verkehr, zu begrenzen? Vorstellbar wäre eine Tempo-30-Zone für die Bürgermeister-Becker-Straße. Vielleicht würde das die Akzeptanz für den TIP erhöhen.
Zu den WLH-Plänen kann ich nur sagen: Ich bin gespannt, wie der TIP aussehen wird. Für meine Begriffe hat Wilfried Seyer zum Beispiel im Bezug auf die Kooperation mit den Universitäten zu sehr im Konjunktiv gesprochen. Fakt ist auch: Die WLH mag nicht auf den Erlös aus dem Verkauf der Flächen angewiesen sein, die Stadt Buchholz - mit ihren 50 Millionen Euro Schulden - allerdings auf die Gewerbesteuern aus dem neuen Gebiet. Und sie hat das letzte Wort.
Im Übrigen ist die WLH in Hanstedt mit einem ähnlich kreativen Projekt - es ging um Arbeiten und Wohnen - böse auf die Nase gefallen. Das Ende vom Lied: Es übernahm die Samtgemeinde und siedelte klassisches Gewerbe, zum Beispiel einen Abstellplatz samt Werkstattanlage für Stadttourbusse, an. 
Mitja Schrader