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Mühlentunnel: Handarbeit und "Pipe Arch"

Mit so einem "bemannten Vortrieb" soll der Mühlentunnel gebaut werden (Foto: WTM Engineers)
 
Technische Herausforderungen: Ingenieur Marian Stachon

Planer stellten die aktuelle Planung für den 16,5-Millionen-Euro-Neubau vor / Fertigstellung nicht vor Ende 2020

os. Buchholz. Der Neubau des Mühlentunnels in Buchholz ist eine technisch hoch anspruchsvolle Angelegenheit - und doch müssen die Bauarbeiter auf die gute, alte Handarbeit zurückgreifen. Wegen des ungünstigen Unterbodens im Bahndamm am Seppenser Mühlenweg werde man auf das Verfahren des "bemannten Vortriebs" zurückgreifen müssen, berichtete Planer Marian Stachon vom Hamburger Unternehmen WTM Engineers, das den offiziell 16,5 Millionen Euro teuren Tunnel bauen wird, jüngst im Buchholzer Planungsausschuss.
Beim "bemannten Vortrieb" wird eine Stahlröhre in den Bahndamm getrieben. "Dabei sitzt ein Mann im Rohr und buddelt den Untergrund in eine Lore", erklärte Stachon. Aus Arbeitsschutzgründen darf ein Bauarbeiter nur jeweils zwei Stunden am Ende der Röhre arbeiten, bevor er von einem Kollegen abgelöst wird. Insgesamt werden 21 Stahlrohre benötigt, die jeweils 65 Meter lang sind und einen Durchmesser von 1,20 Metern haben, um einen sogenannten "Pipe Arch" zu formen. Dieser Bogen aus den mit Beton verfüllten Rohren wird dann die Last des Bahndamms tragen. Technische Herausforderung: Weil die Stahlröhren so lang sind, müssen drei Betonträger gegossen werden, auf denen die Rohre abgelegt werden können. Die Träger werden mit senkrechten Bohrungen vom Gleisbett der Bahnstrecke Bremen-Hamburg hergestellt. Stachon rechnet mit einer Bauzeit von zwei Wochen pro Stahlrohr. Der Bau werde eine technische Herausforderung: "Wir haben hier alles, wovon ein Ingenieur träumt", sagte Stachon schmunzelnd.
Projektsteuerer Sven Kollath stellte den aktuellen Zeitplan für den Tunnelneubau vor. Ergebnis: Vor Ende 2020 wird das Bauwerk nicht fertig! Bis 1. Juli dieses Jahres soll die Entwurfsplanung abgeschlossen sein, bis Ende März 2016 das Bebauungsplanverfahren. Mit der Ausschreibung und dem Auftrag rechnet Kollert bis Juli 2017, daran schließt sich die rund dreieinhalbjährige (!) Bauphase an. Im Tunnel werden die sechs Meter breite Fahrbahn sowie auf beiden Seiten jeweils 1,85 Meter breite Radstreifen und zwei Meter breite Gehwege untergebracht. Wie berichtet, wird zudem an der Kreuzung Bremer Straße, Steinbecker Mühlenweg, Seppenser Mühlenweg ein Kreisel mit 35 Metern Durchmesser gebaut. Zudem müssen der Steinbach und der Schmutzwasserkanal verlegt werden. Letztere Maßnahme bezahlt der Landkreis.
Der jetzige, einspurige Mühlentunnel (Baujahr: 1870) soll für rund 210.000 Euro Kosten verfüllt werden. Das empfahl der Planungsausschuss mit knapper Mehrheit. Wie berichtet, hatte zuletzt Dietmar Koop mehr als 700 Unterschriften von Bürgern an Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse übergeben und gefordert, den alten Tunnel für Radfahrer und Fußgänger weiter zu nutzen. Dem wird die Politik wahrscheinlich nicht folgen. Die Planer warnten, dass die Stadt dadurch für Ablöse des alten Bauwerks an die Deutsche Bahn (DB) und Unterhaltungskosten mehr als zwei Millionen Euro aufwenden müsse. Wenn der Tunnel verfüllt wird, bleibe eine Ablöse an die DB von rund 884.000 Euro.