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"Sie ist wie eine Mutter zu uns": Monika Fiske (63) empfängt Flüchtlinge mit offenen Armen

Hereinspaziert: Monika Fiske beherbergt in Buchholz 20 Flüchtlinge
 
Flüchtlinge und ehrenamtliche Helfer (v. li.): Christina Edelmann, Mohammed, Ahmed, Adil, Monika Fiske, Mohammed, William und Beate Winter
os. Buchholz. Wenn Flüchtlinge in einer Kommune angesiedelt werden, herrscht häufig eine diffuse Angst vor den Neuankömmlingen. "Sind meine Töchter noch sicher?" oder "Mein Haus ist weniger wert, wenn in meiner Nachbarschaft Asylbewerber wohnen" sind nur zwei Vorurteile, die gerne bemüht werden. Wie positiv und bereichernd das Leben mit Flüchtlingen ist, wenn man sie mit offenen Armen empfängt, sich um sie kümmert und ihnen zur Seite steht, zeigt Monika Fiske (63): In ihrer ehemaligen Pension im Buchholzer Stadtteil Suerhop hat sie 20 Flüchtlinge aufgenommen. Die alleinstehenden Männer im Alter von 18 bis 40 Jahren kommen u.a. aus Pakistan, Somalia und dem Sudan. "Meine Entscheidung war genau richtig", bilanziert Monika Fiske. "Ich hatte unglaublich viele positive Erlebnisse."
Im WOCHENBLATT las Fiske den Aufruf des Landkreises, geeignete Unterkünfte zur Aufnahme von Flüchtlingen zur Verfügung zu stellen. Nach Absprache mit ihrem Mann und den beiden erwachsenen Kinder meldete sich Monika Fiske im Kreishaus. Die resolute Frau hatte in ihrer Immobilie zunächst ein Altenheim, dann eine Pension betrieben. Die Infrastruktur ist mithin perfekt.
Anfang Januar dieses Jahres kamen die ersten Gäste: vier Männer aus Pakistan. Monika Fiske hatte von den Behörden einen Merkzettel erhalten, wie sie sich verhalten soll. Sie hielt sich nur teilweise daran: "Ich sollte meine Türen abschließen. Das habe ich nur eine Woche lang gemacht", erinnert sich Monika Fiske. Stattdessen fuhr sie die Neuankömmlinge mit ihrem Auto durch Buchholz, zeigte ihnen die wichtigsten Stellen in der Nordheidestadt.
Parallel begann Fiske, ein Netzwerk aus ehrenamtlichen Helfern zu bilden. Mit Christina Edelmann fand sie schnell eine hoch engagierte Mitstreiterin. Edelmann hat lange in Afrika gelebt, kennt das Leben und die Mentalität der Leute dort wie kaum eine andere. Das hilft allen Beteiligten, als im Juni weitere Flüchtlinge nach Suerhop kommen - vor allem aus afrikanischen Herkunftsländern. "Es ist teilweise erschreckend, wie wenig Ahnung Deutsche von Afrika haben", sagt Christina Edelmann. Mit Beate Winter, Gerda und Peter Parge von einer Interessengemeinschaft der Suerhoper Bürger und der Christuskirche Buchholz standen weitere wertvolle Helfer parat. Ein gemeinsames Projekt mit dem ADFC, bei dem die Flüchtlinge 20 gespendete Fahrräder auf Vordermann brachten, wurde zum Renner - und erhöhte die Mobilität der Asylbewerber deutlich.
Monika Fiske und Christina Edelmann wurden schnell zu Mädchen für alles. Sie begleiteten die Flüchtlinge bei Behördengängen, fuhren mit ihnen zum Arzt, organisierten privat Deutschunterricht und halfen bei der Suche nach Praktikumsplätzen. Häufig fühlten sie sich allein auf weiter Flur: "Die Informationen vonseiten der Behörden fließen nur spärlich. Die ganzen rechtlichen Bestimmungen mussten wir selbst erfragen", sagt Christina Edelmann. "Manchmal haben wir entgegengesetzte Aussagen erhalten." Sie wünscht sich mehr Unterstützung von den staatlichen Stellen - und ein paar Cent Benzingeld. Die Fahrten finanziert sie aus ihrer Privatschatulle.
Die Pakistani, die im Januar nach Deutschland kamen, können sich mittlerweile nach Arbeit umsehen. Möglich macht das die sogenannte "Arbeitsgestattung", die unabhängig vom Status erteilt wird. "Ich würde gerne später in einer Bank arbeiten", sagt Adil (27). Er hatte in Pakistan schon einen Bachelor-Abschluss in der Tasche, als ihn die unsichere politische Lage zur Flucht trieb.
Die Flüchtlinge sind froh, dass sie Monika Fiske haben. "Sie ist wie eine Mutter zu uns", sagt Adil. Und auch Beate Winter von der Interessengemeinschaft der Suerhoper Bürger lobt: "Ohne den Einsatz von Monika Fiske wäre in Suerhop sicher vieles ganz anders gelaufen."