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Der Bruder des verschwundenen Schotten: "Wir geben Liam nicht auf"

Eamonn Colgan sucht nach seinem verschwundenen Bruder Liam in Buxtehude (Foto: tk)
 
Freiwiilige treffen sich auf dem Buxtehuder Bahnhof, um nach Liam zu suchen. Einer von ihnen ist Sean Fleming (re.), ein Freund Liams aus schottland (Foto: tk)
Seit zwei Wochen wird der Schotte Liam Colgan vermisst / Suche in Hamburg und Buxtehude bisher erfolglos / Sein Bruder dankt den vielen Helfern

tk. Buxtehude. Wenn Eamonn Colgan (33) morgens aufwacht denkt er, dass alles nur ein Alptraum sein könnte. Doch dann realisiert er sofort: Es ist die furchtbare Wirklichkeit. Seit zwei Wochen sucht der Polizist aus Schottland seinen Bruder Liam (29). Er hatte für Eamonn Colgan einen Junggesellenabschied mit Freunden auf dem Kiez organisiert. Gegen 1.30 Uhr verließ Liam die Kneipe "Hamborger Veermaster" und verschwand. Mehrere Hinweise führten die Polizei auch nach Buxtehude. Doch dort wie in Hamburg verlief die Suche bislang ohne Erfolg. "Das alles fühlt sich total unwirklich an", sagt Eamonn Colgan.

Seit der Samstagnacht war er nur einmal kurz zu Hause in Schottland. Seine beiden Töchter (9 und 2) vermisst er sehr. Die geplante Hochzeit ist aufgeschoben. "Das ist jetzt mein Leben", sagt er. Colgan pendelt zwischen Hamburg und Buxtehude, verteilt Suchzettel und hängt Plakate auf. Sein Handy klingelt während er mit dem WOCHENBLATT spricht. Freiwillige Helfer und sein Freund Sean wollen sich mit ihm am Buxtehuder Bahnhof treffen.

Mehrere Zeugen wollen Liam Colgan in den vergangenen Tagen in Buxtehude gesehen haben. Bereits drei Mal war ein Spürhund der Polizei in der Estestadt im Einsatz. Bislang ohne Erfolg. "Ich bin mir nicht sicher, dass Liam tatsächlich in Buxtehude ist", sagt sein Bruder. Das sei eine von mehreren Möglichkeiten. "Liam kann überall sein." Es wäre nur viel einfacher für die Suche, wenn sich der Vermisste im 40.000-Einwohner-Städtchen Buxtehude aufhielte und nicht in Hamburg.

"Es ist ein ständiges Auf und Ab der Gefühle", sagt Eamonn Colgan über seine Situation. Mal ist er nach einer schlechten Nachricht total niedergeschlagen, dann wieder voller Hoffnung, wenn es Neuigkeiten wie etwa Zeugenhinweise oder Videoaufnahmen gibt. Nach Hause zurück zu fliegen und dort auf Nachrichten zu warten, kommt für ihn nicht in Frage. "Wir müssen weiter suchen." Dabei ist er nicht alleine: "Der Einsatz der vielen freiwilligen Helfer ist überwältigend", sagt er.

Diese Hilfe ist für Eamonn Colgan tröstlich. "WIr hoffen alle, dass die Welle der Hilfsbereitschaft anhält", sagt er. In Buxtehude ist - es sei denn, es gibt neue Hinweise - erst einmal nichts mehr für ihn zu tun. Freunde und Familie werden in Hamburg weiter Vermisstenplakate aufhängen. Eamon Colgan wird in Kürze wahrscheinlich für einen Tag nach Hause fliegen und anschließend nach Hamburg zurückkehren. "Mein Platz ist hier", sagt er. An einen normalen Alltag in Schottland sei nicht zu denken. "Wir werden suchen, bis wir Liam gefunden haben."

Dass Liam einfach weggelaufen ist, schließen wir aus", sagt Eamon Colgan im Gespräch mit dem WOCHENBLATT. Freunde und Familie vermuten, dass er sich eine Kopfverletzung zugezogen haben könnte und an Gedächtnisverlust leidet. "Er weiß vielleicht nicht einmal, dass wir nach ihm suchen", so Eamonn Colgan,

Bei Redaktionsschluss am Freitagmorgen hatte die Hamburger Polizei nichts Neues zur Suche nach Liam Colgan zu vermelden. Der letzte gesicherte Beweis ist eine Videoaufzeichnung in der Nacht des Verschwindens beim "Gruner & Jahr"-Gebäude. Die Aufnahmen zeigen Liam Colgan gegen 2.20 Uhr am Baumwall in Hamburg. Ein weiterer Mann ist auf der Aufzeichnung zu sehen, der ihm geholfen haben soll, nachdem der Schotte gestürzt war. Anschließend entfernte sich Liam Colgan in Richtung Michelwiese und Portugiesenviertel.

Hinweise an die Polizei unter ( 040 - 4286-56789 oder an jede andere Polizeidienststelle.