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Gewalt gegen Polizisten: "Plötzlich waren wir der Feind"

Polizeibeamte werden auch bei vermeintlichen Routine-Einsätzen immer öfter Opfer von Gewalt (Foto: fotolia/schulzfoto)

Neue Kriminalitätsstatistik: Polizist berichtet über Gewalt, die Beamte fast täglich im Einsatz erleben

tk. Landkreis. In den Landkreisen Stade und Harburg ist die Kriminalitätsstatistik für das Jahr 2016 vorgestellt worden. Erschreckende Zahlen: 39 Fälle im Jahr 2015 und schon 57 im Jahr 2016. Die Gewalt gegen Polizisten nimmt zu. Mitunter eskalieren selbst Routineeinsätze. Daher will die Bundesregierung die Gesetze verschärfen, Angriffe auf Polizisten härter bestrafen.
Wie aus einem normalen Einsatz plötzlich eine für die Beamten gefährliche Situation wird, beschreibt ein Polizist aus dem Landkreis Stade, der aus dienstlichen Gründen seinen Namen nicht nennen kann.



Der Beamte fährt am Montagabend mit seiner Kollegin im Streifenwagen zu einem Einsatz. Ein anonymer Anrufer hatte eine Schlägerei gemeldet. "Als wir ankamen, hatte sich die Lage bereits beruhigt", sagt er. Doch plötzlich griff ein völlig Unbeteiligter (43) sie an. Ohne ersichtlichen Grund ging der Mann mit einem Cuttermesser und einer Eisenstange auf die Beamten los.

Die folgende Eskalation macht sprachlos: Die beiden anderen Gruppen, die Auslöser des Einsatzes waren und die sich eigentlich schon beruhigt hatten, gerieten wieder in Rage - allerdings jetzt mit einem gemeinsamen Feindbild: "Sie haben sich gegen uns solidarisiert", sagt der Beamte, "plötzlich war die Polizei der Feind". Die Streifenwagenbesatzung befand sich mit den aggressiven Männern in einem dunklen Hinterhof. "Eine gefährliche und unübersichtliche Lage." Die Beamten zogen sich zurück und holten Verstärkung. Am Ende konnte der 43-jährige Angreifer nur mit Pfefferspray gebändigt werden.

"Ein solcher Vorfall mache nachdenklich", sagt der Polizist. Er liebe seinen Job. Er sei Polizist geworden, weil er Menschen helfen wolle. Er kritisiert, dass der Respekt vor anderen innerhalb der Gesellschaft spürbar abgenommen habe. "Gottseidank ist das aber noch nicht der Alltag."

Schrecklich: Beim Meckelfelder Dorffest im August 2015 wurde ein Polizist (31), der bei einer Schlägerei eingreifen wollte, so schwer verletzt, dass er anschließend im Koma lag und bis heute krank geschrieben ist. Das Gerichtsverfahren gegen den mutmaßlichen Angreifer, einen 32-Jährigen aus Seevetal, beginnt am Dienstag, 28. Dienstag, um 9.30 Uhr vor dem Schöffengericht am Winsener Amtsgericht.

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