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Das Lachen wiedergefunden: Die Zahnerei in Buxtehude verhilft Gewalttat-Opfer zu neuen Zähnen

Noch von der Behandlung erschöpft, aber glücklich: Annegret Ulrich Fotos: Die Zahnerei
 
Mit diesem Foto bewarb sich Annegret Ulrich für die Kampagne "Lachengesucht.de"
Buxtehude: Die Zahnerei | Endlich kann sie wieder lachen: Jahrelang hat Annegret Ulrich (64) ihren Mund nicht mehr öffnen mögen. Ihr Gebiss war in einem katastrophalen Zustand, mehrere Zähne ausgefallen, die verbliebenden wackelten. Zaghaft kauen konnte sie nur noch auf einer Seite, abbeißen ging schon lange nicht mehr. "Ich habe das Essen mehr gelutscht als gekaut", sagt sie.
Doch jetzt hatte die vom Schicksal hart gebeutelte Frau einmal Glück. Annegret Ulrich ist die Gewinnerin der Kampagne "Lachengesucht.de", die im vergangenen Jahr von den Buxtehuder Zahnärzten Anne Sofie Hohl und Dr. Dr. Steffen Hohl ins Leben gerufen wurde, um Patienten zu helfen, die sich eine notwendige, aber kostenaufwendige Zahnbehandlung nicht leisten können (das WOCHENBLATT berichtete und unterstützte die Kampagne als Medienpartner). In drei mehrstündigen Behandlungen zogen die Spezialisten ihrer Patientin alle Zähne und setzten Implantate ein.
"Das ist wie ein Traum", strahlt die Patientin jetzt mit ihren neuen, funktionstüchtigen Zähnen. "Ich kann mein Glück noch gar nicht fassen."
"Wir haben uns unter allen Bewerbern für Frau Ulrich entschieden, weil uns ihre Geschichte betroffen gemacht hat", erklärt Zahnärztin Anne Sofie Hohl. Denn die ehemalige Sozialarbeiterin ist durch die Folgen einer Gewalttat in eine schlimme Situation geraten. Zuvor hatte sie 20 Jahre lang erfolgreich als selbstständige Berufsbetreuuerin gearbeitet und vielen Menschen in Krisensituationen geholfen. "Bis zum Jahr 2007. Da hat mich einer meiner Klienten zusammengeschlagen", erzählt Ulrich, die ihren Wohnort nicht nennen möchte. Der Mann sei psychisch krank gewesen und die Fachfrau hatte einen Antrag gestellt, damit er stationär aufgenommen und behandelt wird. "Der Überfall war wohl ein Racheakt", vermutet sie. Ulrich war so schlimm verletzt, dass sie ins Krankenhaus musste. Nach ihrer Entlassung riss sie sich zunächst zusammen und arbeitete noch zwei Jahre lang weiter. Doch plötzlich war Schluss, sie konnte nicht mehr. "Ich wusste damals nicht, was mit mir los war, aber ich litt unter schweren Depressionen und Angstzuständen."
Annegret Ulrich verlor ihre Arbeit und ihr Haus, kam bei einem Freund unter. "Eineinhalb Jahre verließ ich das Grundstück nicht, vegetierte nur noch vor mich hin und schämte mich für meinen Zustand." Erst vier Jahre nach dem Überfall wurde im Rahmen einer Behandlung eine postraumatische Belastungsstörung diagnostiziert und Annegret Ulrich bekam endlich professionelle Hilfe. Erst danach fand sie auch die Kraft, einen Antrag auf Opferentschädigung zu stellen und bekommt seit Kurzem Unterstützung und Rente, weil sie zu 100 Prozent arbeitsunfähig ist.
"Schon vor dem Überfall war ich in zahnmedizinischer Behandlung, aber in diesen schlimmen Jahren habe ich mich um meine Zähne nicht mehr gekümmert", sagt Ulrich. Ganz abgesehen davon hätte sie die teure Behandlung gar nicht zahlen können. Anne Sofie Hohl und Dr. Dr. Steffen Hohl freuen sich, dass ihre Patientin wieder glücklich lacht. "Jemand der anderen so viel geholfen hat, hat es verdient, dass ihm in der Not auch geholfen wird", sagt Anne Sofie Hohl. (wd). Mit Annegret Ulrich als Gewinnerin der der Kamagne "lachengesucht.de" haben sich die Zahnärzte von der Buxtehuder Zahnarztpraxis "Die Zahnerei" für eine sehr aufwendige Zahnbehandlung entschieden. "Wir konnten keinen Zahn retten", so Anne Sofie Hohl. Eine schwere Parodontis und Karies hatten dem Gebiss so stark zugesetzt, dass alle Zähne gezogen werden mussten. Mit der "Schlaf-schön-Sedierung", die vor allem bei Angstpatienten angewendet wird, konnte Annegret Ulrich trotz ihrer posttraumatischen Belastungsstörung entspannt behandelt werden. Bevor die Zahnärzte zur Tat schritten, wurden jeder Behandlungsschritt, inklusive der Auswahl der zur Physiognomie passenden Zähne, digital geplant und visualisiert, sodass die Patientin schon vorher wusste, wie sie später aussehen würde. Zudem ist die digital geplante Operation besonders schonend.
In drei großen Behandlungen zogen die Ärzte erst alle Zähne im Oberkiefer und setzten sogleich die Implantate ein. Zwei Wochen später war der Unterkiefer an der Reihe und schließlich wurden die neuen Zähne auf den künstlichen Wurzeln befestigt.
Im Herbst will das Team der Zahnerei einen neuen Kandidaten für "Lachengesucht.de" suchen, um einem Menschen aus der Region zu einem glücklichen Lächeln zu verhelfen. Was die Zahnärzte gemacht haben