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Die Ex-Buxtehuderin Beate Dammin (100) hat ihre Lebenserinnerungen aufgeschrieben

Beate Dammin und ihr Enkel Constantin Wahl. Er hat dafür gesorgt, dass das Manuskript seiner Großmutter veröffentlicht wurde (Foto: privat)
 
Die ehemalige Tanzschule Fromme gibt es noch heute an der Carl-Hermann-Richter-Straße (Foto: tk)

tk. Buxtehude. "Werden Sie wirklich in diesem Jahr 101 Jahre alt?". Diese Frage hat unwillkürlich jeder im Kopf, der bei Beate Dammin im süddeutschen Bayerbach in der Nähe von Passau anruft. Jugendlich, munter und sehr charmant antwortet sie: "Ich bin wirklich schon 100 Jahre alt." Mit 99 Jahren hat Beate Dammin ihr Debüt als Autorin gegeben. Bei ihrem Namen werden viele Buxtehuder hellhörig. Beate Dammin, zuerst Beate Fromme, hatte kurz nach dem Zweiten Weltkrieg die erste Tanzschule in Buxtehude gegründet und jahrzehntelang betrieben. In ihrer Autobiographie "It all startet with Eve" spielt die Estestadt daher eine wichtige Rolle.



1945 kam Beate Dammin mit einem Kohlezug in Buxtehude an. Hierher hatte es ihren ersten Mann verschlagen. "Irgendwie musste ich Geld verdienen", sagt sie dem WOCHENBLATT über ihre eher spontane Entscheidung, Tanzlehrerin zu werden.

Eine Berufswahl mit Weitsicht: "Die Menschen wollten sich wieder amüsieren", sagt Beate Dammin. In ihrem Buch steht: "Alle sollten darüber reden, dass man in ihrer Tanzschule nicht nur Tanzen lernte, sondern Lebensfreude fand." Von den Anfängen in der Gaststätte Brandt bis hin zum Bau einer eigenen Tanzschule samt Wohnung an der Carl-Hermann-Richter-Straße im Jahr 1954 skizziert die Autorin mit ihren Lebenserinnerungen auch ein Stück Buxtehuder Stadtgeschichte. Bis 1977 führte sie die Tanzschule, die es noch heute gibt und die Cristine Veglison gehört. Sie erinnert sich an Beate Dammin als ein "echtes Energiebündel". Ihren Entschluss, die Tanzschule Fromme zu verkaufen, beschreibt Beate Dammin noch heute mit knackigen Worten: "Ich wollte nicht als alte Frau um die Ecken schleichen." In ihrer Autobiographie steht zudem, dass sie angesichts vieler neuer Tänze "keine rechte Lust auf das Gehopse" hatte.

Weil alle ihre drei Kinder im Süden Deutschlands leben, ist Beate Dammin schließlich auf Dauer nach Bayern gezogen. Kontakt zu Buxtehudern gebe es nur noch sporadisch. "Wie geht es Familie Stackmann", fragt sie beim Telefonat mit dem WOCHENBLATT.

Wieso sie mit 99 Jahren ihr Leben aufgeschrieben hat: "Langeweile war's", sagt Beate Dammin und fügt hinzu: "Und schließlich habe ich soviel erlebt." Weitere Bücher plane sie aber nicht. Reiselustig ist die Hundertjährige noch immer. Gerade war sie auf Mallorca und hat ihren Enkel besucht. "Ob sich wohl noch Menschen an mich erinnern?", fragt Beate Dammin. Angesichts ungezählter damals junger Buxtehuder, die bei ihr das Tanzen gelernt haben,besteht daran wohl kein Zweifel.

• Der WOCHENBLATT-Lesetipp: Das Buch von Beate Dammin "It all startet with Eve" erzählt auf sehr persönliche, meist humorvolle, und sehr ehrliche Art, ein Leben in Deutschland. Von der begüterten und behüteten Kindheit in Thüringen, waghalsiger Flucht nach Buxtehude 1945, dem Kampf ums Überöeben als Flüchtling und schließlich der langsame aber stetige Erfolg einer Frau mit jeder Menge Kraft und Ideen. Das Buch ist im Frafanta Verlag (ISBN 978-3-9816587-6-7) erschienen und kostet 22 Euro.

"Von dem Buch und von Beate Dammin war ich sofort angetan", sagt Christine Esi Walton, Gründerin des Frafanta Verlags. Sie hat aus 670 Schreibmaschinen-Seiten der Lebenserinnerungen von Beate Dammin das Buch geformt. Angesichts des hohen Alters und der körperlichen wie geistigen Beweglichkeit ihrer Autorin sagt ihre Verlegerin: "Das macht Mut". Christine Esi Walton hofft, dass jetzt auch viele Buxtehuder dieses lesenswerte Buch für sich entdecken.
www.fafrantaverlag.de