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Junge Segelmacherin: Auf Büroarbeit hat sie keinen Bock

Hier ist alles Handarbeit: Meike Rinck näht Abdeckungen für ein Flugzeug-Teil (Foto: bc)
bc. Hollern-Twielenfleth. In gewisser Weise ist Meike Rinck (20) eine Exotin. Vor zwei Jahren entschied sich die Abiturientin aus Hollern-Twielenfleth für eine handwerkliche Ausbildung - als Einzige aus ihrem Jahrgang. Zwei Jahre später hat sie ihre Gesellenprüfung zur Segelmacherin als Landesbeste abgeschlossen. Vor allem ihre Gesellenstücke, eine Anhänger-Plane und eine Schutzhaube für ein Oberlicht auf einem Schiff, überzeugten die Prüfer. Eins mit Sternchen! Jetzt will sie auch beim Bundeswettbewerb in Lübeck ganz vorne dabei sein.
Meike Rinck bricht eine Lanze für das Handwerk: „Ich hatte keine Lust auf einen langweiligen Bürojob, in dem man nur vor dem Computer hockt. In meinem Beruf habe ich jeden Tag ein Erfolgserlebnis, wenn ich das fertige Produkt meiner Arbeit sehe.“
Die junge Frau hat ihre Ausbildung im väterlichen Betrieb „Planen Rinck“ in Hollern-Twielenfleth absolviert. Mit ihrem Vater Klaus, der auch ihr Ausbilder war, gab es dabei nie Reibungspunkte: „Wir sind ein super Team.“ Im nächsten Jahr beginnt ihre Meisterschule, wenn denn überhaupt eine Klasse zusammenkommt.
Segelmacher gibt es in Deutschland wenige. Die einzige Berufsschule befindet sich in Travemünde, pro Jahrgang fangen etwa 30 Lehrlinge an. In der Ausbildung geht es tatsächlich um das Segelmachen. „Es ist ein schönes Gefühl, wenn das Segel am Boot hochgezogen wird und es im Wind steht“, erzählt Meike Rinck.
Im Betrieb, den sie später mal übernehmen möchte, beschäftigt sich die junge Frau vor allem mit der Produktion von Planen, Markisen und Schutzfolien für allerlei Zwecke: Lkw-, Carport- und Terrassen-Planen sowie Transport-Planen für jedwede Art von Maschinen, auch für Flugzeug-Teile. Airbus ist u.a. ein Kunde von „Planen Rinck“.
Die körperliche Arbeit stört Meike Rinck nicht. Problemlos packt sie die schweren Rollen an, auf denen die PVC-Planen angeliefert werden. „Bei meiner Arbeit spare ich mir abends den Gang ins Fitnessstudio.“ Hier ist alles Handarbeit. Gemessen wird mit dem Zollstock, zugeschnitten mit der Schere, genäht mit der Nähmaschine. Hightech sucht man vergebens. Computer stehen nur im Büro.
In der Werkstatt hat ihr Vater dafür gesorgt, dass die Mitarbeiter nicht wie üblich im Segelmacher-Handwerk auf dem Boden kriechen müssen, um die Planen auf Maß zu bringen. Klaus Rinck hat riesige Tische aufgestellt, auf denen die Planen ausgerollt werden. Sein Motto „Wir sind doch keine Erdmännchen.“
Das größte Problem im Betrieb sind die Nachwuchssorgen. Seit Jahren hängt an der Firma direkt am vielbefahrenen Obstmarschenweg ein Schild: „Azubi gesucht“. Gemeldet hat sich bislang niemand. Wer Interesse hat: info@planen-rinck.de oder Tel. 04141-70056