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Krankenhaus-Inkasso brutal: Geld wiegt schwerer als Trauer

Und alles wegen 840 Euro, die die Krankenkasse nicht übernehmen wollte. Die Tochter (18) soll für ihren verstorbenen Vater zahlen.

tk. Buxtehude. "Ihr Vater scheint ihnen nicht wichtig zu sein." Diesen Satz schleuderte ein Mitarbeiter des Elbe Klinikums Buxtehude Hannah* (18) am Telefon entgegen. Eine unglaubliche Entgleisung, denn ihr Vater war im Mai im Krankenhaus gestorben. Klinik-Mitarbeiter E. wollte Geld von Hannah eintreiben. 840 Euro, die von der Krankenkasse nicht ans Klinikum gezahlt wurden. "Der Mann hat sich wie ein rücksichtsloser Geldeintreiber aufgeführt", sagt Hannah.

Die Vorgeschichte: Ihr Vater ist schwer Krank. Die Tochter hat ihn bis zu seinem Tod Ende Mai begleitet. An dem Tag, als es es zu Ende ging, war sie bei ihm und hatte den Notarzt gerufen. "Ich habe ich mich von meinen Vater verabschiedet, bevor er in die Klinik kam", sagt die junge Frau. Dem schwerkranken Mann konnten die Ärzte nicht mehr helfen.
Hannah war damals noch Schülerin, inzwischen hat sie Abi. Um nicht nicht in die Bredouille zu geraten, schlug sie das Erbe ihres Vaters, der selbstständig war, aus. Und damit begannen die Probleme. Herr E. kam ins Spiel.
Hannah bekam eine Rechnung über 841 Euro. Schriftlich teilte sie E. mit, dass sie noch Schülerin sei. über kein Geld verfüge und das Erbe ausgeschlagen habe. In einem zweiten Brief wollte E. darüber einen Nachweis. Hannah rief in der vergangenen Woche an, um zu fragen, ob eine amtlich beglaubigte Urkunde reiche oder das Original vom Notar her müsse.
Da schlug Es. Stunde als Inkasso-Kraft: "Der legte immer wieder den Finger in meine Wunde", erinnert sich Hannah, die noch um ihren Vater trauert. Weil er vergeblich bei der Krankenkasse das Geld holen wollte, sollte die junge Frau für ihn aktiv werden. "Ich will das einfach alles hinter mir lassen", sagt Hannah. Das habe sie auch E. mehrfach erklärt.
Der lief zur Hochform auf: Von einer guten Tochter könne man erwarten, dass sie sich mit den Verbindlichkeiten ihres Vaters auseinandersetze, hielt er ihr vor. "Er hat nicht aufgehört", erinnert Hannah. Dass sie beim Sprechen ins Stocken geriet, irgendwann sprachlos war und dann Tränen flossen, stoppte E. nicht.
Wie kann ein Krankenhaus so etwas zulassen? Das WOCHENBLATT hat mit Insidern gesprochen. Die waren nicht überrascht, von diesen Eskapaden zu hören. "Der Mann lässt seinen Frust an anderen aus", berichtet ein Krankenhaus-Mitarbeiter. E. habe nicht das erste Mal beim Inkasso übertrieben. Mehrfach schon mussten Kollegen intervenieren. Vor zwei Jahren seien ihm daher die Fälle, bei denen es um viel Geld gehe, weggenommen worden.
Das WOCHENBLATT hat auch bei der Klinikleitung nachgefragt: Hans-Hermann Kruck, Betriebsleiter in Buxtehude und Prokurist des Elbe Klinikums: "Ich entschuldige mich im Namen der Geschäftsführung." So gehe das Elbe Klinikum nicht mit Menschen um.
Auf dem Briefkopf von E. steht "Patientenbetreuung". Als erster Schritt zur Klärung sollte dort besser "Inkasso - zur Not auch ohne Rücksichtnahme auf die Gefühle Hinterbliebener" stehen. *Name der Redaktion bekannt