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"Professix" statt Professorin wird es nicht geben

Ann-Kathrin Kempter und Professorin Dr. Barbara Zimmermann: Gleichstellung von Männern und Frauen ist mehr als sprachliche Geschlechterneutralität

tk. Buxtehude. "Korrekt wäre die Anrede Frau Professorin", sagt Barbara Zimermann - genauer Frau Professorin Doktorin Barbara Zimmermann, Studiengangsleiterin und Gleichstellungsbeauftragte der Hochschule 21 (HS21) in Buxtehude. Weder die Ärztin, noch ihre wissenschaftliche Mitarbeiterin Ann-Kathrin Kempter haben ein Problem damit, wenn sie durch Anrede oder andere Formulierungen als Frau identifiziert werden.

Genau das lehnt aber eine andere Wissenschaflerin ab: Die Berliner Dozentin Lann Hornscheidt will Sprache verändern. Männer und Frauen sollen nicht mehr identifizierbar sein. Hornscheidt hängt daher ein X und im Plural ein XS an Wörter. Aus Studierenden werden Studierxs, Hornscheidt selbst ist nicht Professorin, sondern Professix. Gibt es an der HS21 demnächst Architektixs und Physiotherapeutixs?
Mechatronik sowie die drei Baustudiengänge in Buxtehude sind nicht unbedingt die Orte, an denen hitzige Debatten um Gleichberechtigung geführt werden. "Wir widmen uns dem aber auch", sagt Zimmermann. So wurde intensiv diskutiert, wie die Studierenden angesprochen werden. Ergebnis: Mit der Anrede in beiden Formen: Also Studentinnen und Studenten. Oder neutral zum Beispiel "Sie, als Studierende".
Barbara Zimmermann findet Gleichstellung auf anderer Ebene wichtiger als auf der sprachlichen: "Wir fördern Menschen und nicht Frauen oder Männer." Entscheidend sei der Respekt gegenüber den Studierenden, ergänzt Kempter. Sie sieht in der geschlechtsneutralen Anrede auch Nachteile und hat kein Problem damit, als Frau Kempter angeschrieben zu werden.

Professorin Zimmermann hat Lann Hornscheidts Handreichungen zur gerechten Sprache gelesen. Ihr Fazit: "Sie will zum Nachdenken anregen und hinterfragt Dinge." Das sei richtig, doch das Ziel müsse übergeordnet eine grundsätzliche Gleichstellung von Männern und Frauen im Alltag, im Job und an jeder Hochschule sein.
Egal, ob X für neutral oder das große I bei ProfessorIn - der neue Studiengang an der HS21 soll Hebamme heißen und nicht neutral Entbindungspflege oder englisch Midwifery. "Der tradierte Begriff ist richtig", sagt Zimmermann.

Als sichtbaren und wichtigen Fortschritt in Sachen Gleichstellung von Männern und Frauen an ihrer Hochschule sieht sie die wachsende Zahl von Studentinnen in ehemals männerdominierten Technik-Fächern und die steigende Zahl von Studenten, in der ehemalig weiblichen Domäne Physiotherapie.