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Mindestlohn: "Der Mehraufwand ist immens"

Die Sportanlage des VfL Stade aus der Vogelperspektive: Der Verein gehört mit 16 Abteilungen und ca. 4.300 Mitgliedern zu den größten Vereinen in der Region. (Foto: Elsen)
 
VfL-Chef Carsten Brokelmann (Foto: tp)
bc. Stade. Der Mindestlohn und seine Folgen! Landauf, landab beklagen Unternehmen weniger die Höhe der Lohnuntergrenze von 8,50 Euro, sondern vielmehr die überbordende Aufzeichnungspflicht. Unter der Dokumentationslast ächzen aber auch unzählige Vereine. Anders als in Unternehmen sitzen in den Club-Vorständen oftmals keine Profis am Ruder, sondern Ehrenamtliche, die ihre Freizeit für das Allgemeinwohl opfern.

Beim VfL Stade, mit rund 4.300 Mitgliedern einer der größten Sportvereine in der Region, muss jetzt der ehrenamtliche Vorstand Aufgaben der sechsköpfigen Geschäftsstelle übernehmen, weil diese andernfalls überlastet wäre. "Ich verstehe den Ansatz des Gesetzes, aber es ist völlig unausgegoren. Der Mehraufwand ist immens", kritisiert Vereinsvorsitzender Carsten Brokelmann.

Mittlerweile ist der erste Abrechnungs-Monat nach Einführung des Mindestlohns vorbei. Wie fällt das Zwischenfazit aus? "Bei uns fallen bis zu 40 Leute unter die Dokumentationspflicht", berichtet Brokelmann. Das sind Übungsleiter, Sportler, Platzwarte, Reinigungskräfte, etc. Die große Frage, die es zu klären galt: "Was zählt überhaupt als Arbeitszeit? Ist es bei einem Sportler die pure Einsatzzeit oder vielleicht schon die Anreise zu einem Auswärtsspiel? Minutiös muss der Verein niederschreiben, welcher Übungsleiter wann was gemacht hat.

All das muss nach dem Willen des Gesetzgebers dokumentiert werden. Und zwar bis spätestens eine Woche nach Erbringung der Arbeitsleistung. Ansonsten drohen saftige Geldstrafen. "Mit Sicherheit wird die Rentenversicherung Stichproben durchführen", so Brokelmann.

Das Problem sind nicht die hauptamtlichen Angestellten des Vereins. Die haben schon vorher über Mindestlohn verdient und für die gelten auch keine zusätzlichen Aufzeichnungspflichten. Die Auswirkungen des neuen Gesetzes treffen beim VfL in erster Linie die geringfügig Beschäftigten, die sogenannten Minijobber (bis 450 Euro). Hier zeigen sich am deutlichsten die Folgen.

Bei den Reinigungskräften musste der VfL bereits die erste Zäsur vornehmen. "Wir mussten drei Kräfte entlassen, und haben jetzt eine externe Firma angeheuert. Wir konnten die Überwachung nicht leisten", sagt Brokelmann. Er hofft, dass die Firma die entlassenen Putzfrauen übernimmt.

Wie berichtet, kritisierte schon Lothar Hillmann, Vorsitzender des TSV Buchholz 08, Mitte Januar das "bürokratische Monster" Mindestlohn im WOCHENBLATT. Ihm dränge sich der Eindruck auf, dass hier die schnelle Einlösung eines Wahlversprechens Vorrang vor der notwendigen Qualität gehabt habe.

Carsten Brokelmann nimmt auch die Verbände in die Pflicht, in erster Linie den größten im Lande: "Solange der Deutsche Fußball-Bund nicht interveniert und sich für die kleinen Vereine einsetzt, wird in Berlin nichts passieren."

• Die CDU hat bekanntlich bereits angekündigt, das Mindestlohngesetz korrigieren zu wollen, die SPD ziert sich noch. Sie vermutet hinter den Forderungen aus der Union einen massiven Druck von Lobbyisten und ruft die CDU dazu auf, diesem nicht nachzugeben.