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Er pfeift aufs Alter

Bis zur Bezirksliga war Peter-Jörg König (re.) als Assistent aktiv. Hier 2001 mit seinen Kollegen Uwe Vollmers (li.) und John Schulz (Foto: oh)
bc. Buxtehude. Der Rummel um seine Person ist ihm unheimlich. Und doch ziert sich Peter-Jörg König nicht. Am Donnerstag wurde der Buxtehuder stolze 80 Jahre alt und am Sonntag steht er wieder auf dem Fußballplatz. Der frühere Deutsch- und Sportlehrer ist wohl Norddeutschlands ältester Schiedsrichter, der noch für Woche für Woche in die Trillerpfeife bläst. "Am liebsten wäre es mir, wenn darüber gar nicht berichtet wird", sagt der vitale Senior beim WOCHENBLATT-Termin.

Seine Kumpels von der Buxtehuder Lehrersportgruppe haben ihm den Pressewirbel eingebrockt. Am morgigen Sonntag, 1. Dezember, leiten sie mit ihm sein "Geburtstagsspiel": Ottensen gegen Hedendorf/Neukloster 2 in der 1. Kreisklasse der Damen. König an der Pfeife, Altklosters Grundschulleiter Ulrich Mayntz und BBS-Lehrer Elmar Breuer an der Seitenlinie. "Die beiden werde ich noch tadeln", grinst Peter-Jörg König.

Die Altersgrenze für Bundesliga-Schiedsrichter liegt bei 47 Jahren. Peter-Jörg Königs Laufbahn als Unparteiischer fing erst mit 50 Jahren an. Er erinnert sich, als wäre es gestern gewesen: "Mein erstes Spiel war 1983 ein B-Jugend-Spiel in Harsefeld." Weil sich der Pädagoge in Sachen Regelkunde nicht fit genug fühlte, um seine Schüler im Fußball-Kurs in der Oberstufe zu unterrichten, absolvierte er eine Schiri-Ausbildung.

Als Schiedsrichter führte ihn der Weg bis in die Bezirksklasse, als Assistent sogar in die Bezirksliga. Heute wird der Oldie unter den Referees, der für den TSV Eintracht Immenbeck pfeift, in den unteren Kreisklassen sowie bei Damen- und Altherren-Spielen eingesetzt. Knifflige Entscheidungen gibt es auch hier.

Handspiel oder nicht? Aktives oder passives Abseits? Vor dem Hintergrund seiner pädagogischen Prinzipien hat Peter-Jörg König in den Jahren gelernt, dass Kommunikation nicht schadet, bevor er eine Karte zückt: "Erst, wenn es gar nicht anders geht, kommen bei mir Karten zum Einsatz. Ein Schiedsrichter sollte möglichst unauffällig agieren", sagt er.

Wovon er jedem seiner Kollegen abrät, sind Konzessionsentscheidungen: "Am Ende sind immer beide Teams sauer." Gemeckert werde ohnehin über den Pfeifenmann: "Charakterstärke sollte ein Schiedsrichter schon haben", macht Peter-Jörg König deutlich.

Standhaftigkeit kann man ihm wahrlich nicht absprechen. Lange bevor das berühmte Phantom-Tor in Hoffenheim fiel, war König Teil einer umgekehrten Variante. Als er einen Kick in Wangersen leitete, soll der Ball ins Tor gerollt und unter dem löchrigen Netz wieder durchgerutscht sein. "Ich habe kein Tor gegeben, weil ich es einfach nicht gesehen habe", erzählt König. Auch wütende Proteste ließen ihn nicht umstimmen.

Mit erhitzten Gemütern kennt er sich aus. König bricht eine Lanze für Kicker mit Migrationshintergrund, denen oft überschäumende Emotionalität nachgesagt wird. Bei einem Kreisklassen-Spiel zwischen Apensen 2 und Bützfleth seien es die Spieler mit südländischen Wurzeln gewesen, die ihre deutschen Teamkameraden in Zaum hielten, erzählt der bekennende Fußballverrückte, der nicht nur pfeift, sondern auch leidenschaftlich gerne Fan ist. Sein Herz schlägt für den Club seiner Geburtsstadt: Hannover 96. Seine Liebe zum runden Leder geht aber noch viel weiter. 1954 setzte er sich auf sein Motorrad und brauste zum WM-Finale nach Bern. Für 20 Franken kaufte er sich ein Ticket auf dem Schwarzmarkt und sah ein Wunder: "Die Bedeutung des Spiels war uns damals nicht klar."

Peter-Jörg König ist froh, dass er Woche für Woche noch immer auf dem Platz stehen darf. Sein Dank gilt seiner Frau Vera: "Ohne das Wohlwollen meiner Frau, hätte ich mein Hobby nicht ausüben können."