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Neujahrsempfang der IHK: Den Wandel jetzt einleiten

Prof. Dr. Henning Vöpel. Direktor des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut (HWWI)
 
Knapp 1.000 Gäste kamen zum IHK-Neujahrsempfang ins Stadeum Fotos: bc
bc. Stade. Wirtschaft und Gesellschaft befinden sich in einem globalen Strukturwandel. Das war eine der Kernthesen von Prof. Dr. Henning Vöpel in seinem Festvortrag beim traditionellen Neujahrsempfang der Industrie- und Handelskammer (IHK) Stade am vergangenen Mittwoch. Der Direktor des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI) appellierte im Stadeum an die knapp 1.000 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung, mehr Mut zu zeigen und den Prozess jetzt einzuleiten. Der Wohlstand von heute sei keine Garantie für den Wohlstand von morgen: „Der Strukturwandel ist für Norddeutschland die einmalige Chance, gegenüber Süddeutschland aufzuholen“, so Vöpel. Es gehe darum, das alte industrielle Modell in die digitale Zukunft zu transformieren.
Ein entscheidender Hebel für die Erneuerung und „Krisenfestigkeit“ der norddeutschen Wirtschaft sei die Innovationsfähigkeit. Der Ausbau der Infrastruktur, die Stärkung der Wissenschaft und die Verbesserung des Technologietransfers seien zentrale Handlungsfelder. Der norddeutsche Anteil am gesamtdeutschen Bruttoinlandsprodukt habe in den vergangenen zehn Jahren laufend abgenommen, während der süddeutsche Anteil gestiegen sei, so Vöpel.
Die Region zwischen Hamburg und Bremen könne jedoch durch Überwindung politisch-administrativer Grenzen enorme wirtschaftliche Synergien heben, etwa im Bereich der maritimen Wirtschaft, erläuterte Vöpel: „Durch verstärkte Kooperation könne die Zentralität Norddeutschlands im globalen Standortwettbewerb erhöht werden.“ Die Einbindung in globale Netzwerke sei extrem wichtig. Norddeutschland brauche eine gemeinsame Strategie, auch um Fachleute anlocken zu können. Junge Leute wollen am globalen Puls der Zeit sein. Vöpels eindringlicher Appell: „Fangen Sie jetzt an. Aktivität erzeugt Aktivität. Wissen zieht Wissen an.“
Landrat Michael Roesberg wies in seiner Rede auf grundsätzliche Probleme hin, die es erschweren, die Vorteile der Digitalisierung zu heben. Er brachte ein aktuelles Beispiel zum Ausbau der Breitbandversorgung, bei dem die Landkreise „Opfer einer verrückten Regelungsgeilheit geworden sind“: Denn seit Monaten schmoren nach einem komplizierten Antrags- und EU-Ausschreibungsverfahren die noch zu treffenden Zuschlagsentscheidungen für zu beauftragende Firmen in Berlin und Hannover: „Es wäre besser gewesen, die Landkreise grundlegend mit Geldern auszustatten und sie machen zu lassen, anstatt wie bei Oscar-Verleihungen Aushändigungs-Veranstaltungen von vorläufigen Zuwendungsbescheiden in Berlin mit dem Bundesminister zu machen“, kritisierte Roesberg.
Thomas Windgassen, IHK-Präsident für den Elbe-Weser-Raum, verband seine Begrüßungsrede u.a. mit einer Forderung an den Gesetzgeber: „Verkaufsoffene Sonntage sind ein Hauptgewinn für den stationären Handel. Sonntagsöffnungen müssen auch wieder ohne Anlassbezug möglich sein.“
• Tradition bei den IHK-Empfängen hat die Verleihung des Ikarus für den Lehrer des Jahres. Gewonnen hat in diesem Jahr Andrea Helmers vom Stader Athenaeum-Gymnasium (Mehr am Mittwoch).