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Sündenfall einer Schule? FDP-Kritik an EVA-Schulkonzept in Drochtersen

Stand im Mittelpunkt einer schulpolitischen Diskussion: die Elbmarschen-Schule (Foto: ig)
jd. Drochtersen. Dieses Thema sorgte während der Ferienzeit für reichlich Gesprächsstoff nicht nur bei den Eltern in der Region: Viele fragten sich ob, die Elbmarschen-Schule in Drochtersen eine besonders perfide Methode ersonnen hat, Lehrermangel und Unterrichtsausfall zu kaschieren. Perfide deshalb, weil dieser Missstand angeblich mit dem Etikett eines besonderen schulischen Angebots zu einer Erfolgsstory umgedeutet worden ist. Auslöser ist eine Pressemitteilung des Stader FDP-Kreisverbandes, der in einer Pressemitteilung die Organisation des Unterrichts an der Schule kritisierte.

In der Elbmarschen-Schule, die als Kooperative Gesamtschule (KGS) organisiert ist, wird das Modell des sogenannten "Eigenverantwortlichen Arbeitens" (EVA) praktiziert, bei dem Fachunterricht in Blockstunden gegeben und zugunsten spezieller Lernangebote reduziert wird. Der "hausgemachte Unterrichtsausfall", wie es die FDP formuliert, war sogar Gegenstand einer kleinen Anfrage im niedersächsischen Landtag. Die rot-grüne Landesregierung wies den Vorwurf der FDP zurück, das EVA-Modell sei ein "dramatischer Aspekt" schlechter Unterrichtsversorgung.

Auch der neue Schulleiter Holger Wartner, der seit Beginn des Schuljahres im Amt ist, hält die Kritik der Liberalen für unangebracht: "In der Pressemitteilung wird der Eindruck erweckt, dass unsere Schule durch Trickserei versucht, die Unterrichtszeit zu verkürzen." Tatsächlich handele es sich aber um ein erfolgreiches Konzept, das adäquat auf die Belange der Schüler eingehe. Laut Wartner wird Fachunterricht täglich in drei 80-minütigen Blöcken erteilt. Pro Doppelstunde entfallen also zehn Minuten. Addiert sind das pro Tag 30 Minuten "Restzeit". Diese werden für die spezifischen EVA-Stunden genutzt.

Während die FDP EVA zu einem schulpolitischen Sündenfall hochstilisiert und es sogar für fraglich hält, verweist Wartner auf die Antwort der Landesregierung, die dieses Konzept als Möglichkeit sieht, Schülern "ein höheres Maß an Individualisierung und Selbststeuerung ihrer Lernprozesse zu ermöglichen." In den EVA-Stunden würden Materialien aus allen Fächern bearbeitet, sodass unter dem Strich kein Fachunterricht gekürzt werde, heißt es aus Hannover.

Rückendeckung erhält der Leiter der Elbmarschen-Schule auch von der Opposition in Hannover: Kai Seefried, schulpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion und zugleich Kommunalpolitiker in Drochtersen, betrachtet EVA als gelungenes Beispiel, die erweiterten Spielräume zu nutzen, die das Kultusministerium im Rahmen der sogenannten "Eigenverantwortlichen Schule" eingeräumt hat.

"Es ist gut, dass die Schulen mehr Kompetenzen erhalten haben und diese wie in Drochtersen mit gut durchdachten pädagogischen Konzepten nutzen", erklärt Seefried. Aus vielen Gesprächen wisse er, dass es auch eine hohe Zufriedenheit bei den Eltern gebe. Er wünsche sich, dass auch andere Schulen im Landkreis mehr Eigenverantwortung wagen, so der CDU-Politiker: "Wichtig ist dabei: Es darf nicht auch nur eine Minute Unterricht verloren gehen."