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Schuhmacher Klaus-Dieter Fitschen (67) aus Kutenholz ist einer der letzten seiner Zunft

Routiniert: Klaus-Dieter Fitschen schleift Sohlen
 
Aus Klaus-Dieter Fitschens Familienalbum: Urgrußvater und Firmengründer Klaus Fitschen (mitte re.), Grußvater Dietrich (hi. re.) und Vater Klaus (vorne re.) (Foto: Fitschen privat)

Ende einer Familientradition nach 124 Jahren / Fitschen: "Es war eine schöne und spannende Zet"

tp. Kutenholz. In wenigen Wochen schließt Schuhmacher Klaus-Dieter Fitschen (67) aus Kutenholz seine Werkstatt, in der es nach Leder, Schusterleim und ein wenig nach fremder Leute Füße riecht. Im Landkreis Stade gibt es nur noch eine knappe Handvoll inhabergeführter Schuhgeschäfte mit Reparaturwerkstatt.

Als Klaus-Dieter Fitschens Urgroßvater Klaus den Familienbetrieb 1891 eröffnete, waren Dorf-Schustereien weit verbreitet. Fußbekleidung hatte einen hohen Stellenwert. Ein Paar handgemachte Stiefel hielten ein Leben lang. In den 124 Jahren erlebte die Schuhmacherei, der eine Landwirtschaft angegliedert war, viele Umbrüche. Nach dem Ersten Weltkrieg drängte Fabrikware auf den Markt, sodass statt der Schuhfertigung Reparatur in den Vordergrund rückte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Ladengeschäft mehrfach erweitert, während die Werkstatt schrumpfte, in der Klaus-Dieter Fitschen in vierter Generation an der alten Werkbank seiner Ahnen sein Berufsleben verbrachte.

Seine Lehre absolvierte er im elterlichen Betrieb. "Eigentlich wollte ich Tischler oder Lokführer werden, doch als ältestes von drei Geschwistern musste ich ran." Schon damals sei Schuhmacher ein seltener Beruf gewesen, sagt Fitschen. In der Berufsschule war er mit angehenden Frisörinnen in einer Klasse.

Die Berufswahl hat er nicht bereut: gemeinsam mit seiner Ehefrau Karin (65), die für Büroarbeit und den Laden zuständig war, blickt er auf eine "spannende und schöne Zeit" zurück.

Nachdem die Schuhbranche in der Wirtschaftswunderzeit zu einem Massengeschäft wurde, kamen die Vertreter nicht mehr ins Haus, stattdessen luden die Hersteller zu Schuhmessen ein, wo die Eheleute Kollektionen für ihre Kunden von der Stader Geest aussuchten. Dabei beobachtete Klaus-Dieter Fitschen einen immer schnelleren Trendwechsel: "Während eine Schuhmode früher drei Jahre anhielt, wechselt sie nun jährlich."

Doch der erfahrene Geschäftsmann weiß: "Alles kommt wieder." Ob Plateau-Stiefel, Sandalen mit Korksohle oder Stöckelschuhe mit super-spitzem Absatz - in seiner Laufbahn hatte er fast jeden Verkaufsschlager schon zwei Mal im Programm.
Zumindest beim Herrensortiment blieb er seinen Vorsätzen treu: Nur Schuhe aus echtem Leder. Angesichts des Konkurrenzdrucks großer Filialisten nahm das Schuhhaus Fitschen bei den Damenschuhen auch Kunstleder ins Programm.

Beim Umgang mit weiblichen Stammkundschaft war stets große Achtsamkeit und Fingerspitzengefühl gefragt: Als einmal auf eine Kutenholzer Hochzeitsgesellschaft zwei Frauen mit dem gleichen Paar Pumps aus dem Schuhhaus Fitschen an der Festtafel saßen, meckerten die Kundinnen: "Darauf hättet ihr aber achten müssen."
Klaus-Dieter Fitschen wechselt zufrieden und optimistisch in den Ruhestand, freut sich auf gemeinsames Reisen, Radfahren und Gartenarbeit mit seiner Frau, mehr Zeit für seine Hobbys Tennis und Prellball - und auf Familienzuwachs. Das zweite Enkelkind ist unterwegs.

Für das Schuhgeschäft, in dem bis Ende September der Ausverkauf auf Hochtouren läuft, gibt es einen Nachfolger. Das Gebäude wurde an den Pflegedienst "Sonnenschein" aus Reith verkauft.