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Das Sterben der Kastanien: Immer mehr Bäume im Kreis Stade fallen tückischem Bakterium zum Opfer

Diese drei Kastanien in Oersdorf müssen gefällt werden (Foto: jd)
(jd). So mancher Anwohner der Drosselgasse im Dörfchen Ahrensmoor (Gemeinde Ahlerstedt) ist schockiert: Vor Kurzem setzten kreischende Motorsägen dem Dasein von 20 Kastanien ein Ende. Ohne die vertrauten Bäume mit ihren markanten Blättern und dichten Kronen ist die kleine Straße kaum wiederzuerkennen. Doch es hilft nichts, sich zu beklagen: "Wir mussten die Bäume fällen", sagt Ahlerstedts Bürgermeister Uwe Arndt: "Ein Teil der Kastanien war bereits so weit abgestorben, dass die morschen Stämme und Äste eine Gefahr darstellten." Fast überall gilt der Allee- und Parkbaum mittlerweile als Sorgenkind. Immer mehr der stattlichen Bäume fallen einem Bakterium zum Opfer und gehen ein. Auch im Landkreis Stade grassiert die Kastanien-Seuche.

Die Gemeinde entschied sich für einen radikalen Kahlschlag: "Die noch gesund aussehenden Kastanien wären über kurz oder lang auch befallen worden", so Arndt. Nun sollen in der Drosselgasse neue Bäume gepflanzt werden, aber keine Kastanien. Das wäre unsinnig, weil es kein wirksames Mittel gegen die tückische Krankheit gebe, so Arndt. Dieser Ansicht ist auch Jörg Rönner, Fachgruppenleiter für Straßen und Grünanlagen bei der Stadt Buxtehude: "Die neuen Kastanien würden sich bestimmt sofort wieder infizieren." Auch Rönner führt einen vergeblichen Kampf gegen den mikroskopisch kleinen Keim (siehe Kasten). Mehr als 10 Prozent des Buxtehuder Kastanienbestands sind bereits betroffen. Etliche Bäume mussten schon gefällt werden.

Rönner geht davon aus, dass sich der Kastanien-Killer auch in Buxtehude weiter ausbreitet. Vor rund fünf Jahren tauchte das Bakterium dort erstmals auf. Seitdem wächst die Zahl der erkrankten Bäume. Diese sterben meist innerhalb von ein bis zwei Jahren ab, manchmal sogar binnen weniger Monate. Das tödliche Baum-Bakterium ist vor allem ein Problem der Kommunen, weil Kastanien überwiegend in Ortslagen gepflanzt wurden. Den Forstämtern bereitet das Kastanien-Sterben keine Sorgen: "Die Kastanie hat in der Waldwirtschaft so gut wie keine Bedeutung", sagt Heiner Baumgart von den Niedersächsischen Landesforsten.

Ist nicht bald ein Wirkstoff gegen den Killer-Keim gefunden, wird bald es weder in den Wäldern noch in Dörfern und Städten Kastanien geben. Demnächst müssen drei stattliche Exemplare in Arndts Heimatort Oersdorf gefällt werden: "Das sind ortsbildprägende Bäume", sagt der Bürgermeister: "Es blutet mir das Herz, dass diese Riesen sterben müssen."

Pilze zersetzen das Holz im Stamm

Ursache für das Kastanien-Sterben ist das Bakterium Pseudomonas. Der Keim dringt durch kleine "Wunden" in der Rinde ein.
Erste Symptome sind das Absterben der Rinde sowie ein bräunlich-schwarzer Ausfluss. Danach bahnen sich Pilze ihren Weg in das Innere des Stammes. Sie zersetzen das Holz und schwächen den Baum so, dass er seine Äste nicht mehr tragen kann. Am Ende muss er gefällt werden. Der Erreger hat nichts mit der Miniermotte zu tun, die vor allem die Blätter schädigt.